Berggruen hat bei Karstadt „geringfügig verdient“ und steigt aus

Der Finanzinvestor Nicholas Berggruen steigt nun offiziell bei Karstadt aus. Er übergibt einen völlig orientierungslosen Laden an den nächsten Investor. Berggruen selbst hat, so heißt es „geringfügig verdient“: Aus dem Verkauf des Tafelsilbers hatte Berggruen 300 Millionen Euro erlöst - wohin diese Summe gegangen ist, ist unbekannt.

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Der bisherige Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen gibt den angeschlagenen Warenhaus-Konzern an den Immobilieninvestor René Benko ab. Die Signa-Holding des Österreichers übernehme die Karstadt Warenhaus GmbH, in der 83 Karstadt-Filialen gebündelt sind, bereits zu Beginn der kommenden Woche vollständig, teilte Signa am Freitag mit. Der bisherige Eigner Nicolas Berggruen zieht sich vollständig zurück und gibt auch seine Minderheitsposition bei den Premium- und Sporthäusern der Gruppe auf. Dabei fließe kein Geld, wie ein Insider der Nachrichtenagentur Reuters sagte. Mit seinem Karstadt-Investment habe Berggruen „geringfügig Geld verdient“, sagte der Insider weiter.

Berggruen hatte Karstadt vor einigen Jahren gekauft. Im Aufsichtsrat saß kurzfristig Doris Schröder-Köpf, die aber mindestens einen Teil ihrer Gage für wohltätige Zwecke gespendet hat (mehr dazu hier). Der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder ist ein guter Freund Berggruens und Mitglied von Berggruens globalem Think-Tank. Berggruen hatte vor einigen Monaten eine Internet-Zeitung für die Eliten gegründet (hier).

Seine Investment-Strategie war bereits vor einiger Zeit aufgegangen, als er 75,1 Prozent von Karstadt-Sport und Karstadt-Premium an den österreichischen Investor Rene Benko verkaufen konnte. Die Sporthäuser und die drei Premium-Warenhäuser Oberpollinger (München), Alsterhaus (Hamburg) und KaDeWe (Berlin) laufen deutlich besser als die normalen Warenhäuser. Den Verkaufserlös von 300 Millionen Euro wollte Berggruen in die verbleibenden Filialen investieren (mehr hier).

Ob das tatsächlich geschehen ist, ist unklar: Zuvor hat Berggruen, der einst als Retter von Karstadt gefeiert wurde, kein eigenes Geld in das Unternehmen gesteckt (mehr hier).

In einem Brief an die Karstadt-Mitarbeiter schreibt Berggruen, dass kein Geld an seine Holding oder gar an ihn persönlich fließe. Er verschaffe Karstadt lediglich den nötigen Freiraum. „Das ist mein Beitrag zur Gesundung von Karstadt. Der zweite wesentliche Teil ist der Tarifweg, den das Management derzeit gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern beschreitet“, zitiert der Spiegel den Karstadt-Retter.

Berggruen war am Donnerstag nicht zu erreichen. Ein Sprecher Benkos lehnte eine Stellungnahme ab. Reuters hatte am Mittwoch aus Branchenkreisen erfahren, der umstrittene österreichische Immobilien-Investor stehe kurz vor der Entscheidung zur Übernahme der angeschlagenen Warenhauskette. Er habe von Berggruen eine Kaufoption erhalten, über die er bis Ende des Monats entscheiden könne.

Mit einer Übernahme von Karstadt durch Benko könnten Spekulationen um eine Warenhausunion mit dem Konkurrenten Kaufhof wieder aufleben. Der Österreicher hatte sich bereits in der Vergangenheit erfolglos auch um die Metro -Tochter bemüht. Benko ist im deutschen Einzelhandel bereits seit Jahren kein Unbekannter mehr. Seine Signa Holding besitzt bereits die Mehrheit an den Filetstücken des Traditionskonzerns sowie zahlreiche Karstadt-Immobilien. Erst im vergangenen September hatte Benko sich die Mehrheit am operativen Geschäft von Karstadt Sports und an den Luxuswarenhäusern – dem Berliner KaDeWe, dem Alsterhaus in Hamburg und Oberpollinger in München – gesichert. Berggruen kontrollierte seitdem nur noch die Mehrheit am operativen Stammgeschäft um die verbliebenen über 80 Warenhäuser.

Benko gilt als gut verdrahtet in Wirtschaft und Politik. Prominente Namen finden sich im Beirat seiner Firma Signa, darunter Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und der frühere österreichische Bundeskanzler Alfred Gusenbauer. In einem Korruptionsprozess wurde gegen Benko eine Haftstrafe auf Bewährung verhängt. Der Oberste Gerichtshof in Wien hatte das Urteil jüngst bestätigt.

Karstadt kämpft seit Jahren mit Verlusten und sinkenden Umsätzen. Berggruen, Sohn des verstorbenen Mäzens und Kunstsammlers Heinz Berggruen, hatte Karstadt 2010 für den symbolischen Preis von einem Euro aus der Insolvenz übernommen. Damals war er auch von den Arbeitnehmern als Retter gefeiert worden. Die Stimmung ist aber umgeschlagen, denn auch Berggruen schaffte es nicht, Karstadt auf Kurs zu bringen.


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