Ukraine: Rebellen führen ukrainische Gefangene in einer „Parade“ vor

Prorussische Rebellen haben am Sonntag in Donezk eine Gegen-„Parade“ zu den offiziellen Feiern in Kiew abgehalten. Gefangene ukrainische Soldaten wurden dabei wie in einem antiken Triumphzug durch die Stadt geführt. Am Ende des Zugs fuhren Reinigungswagen, die die Straße ostentativ mit Wasser säuberten.

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Prorussische Separatisten haben Kriegsgefangene aus den Reihen der Regierungstruppen zu einem Marsch durch die ostukrainische Stadt Donezk gezwungen. Die Soldaten mussten am Sonntag nach Beobachtungen eines Reuters-Korrespondenten auf einer Hauptstraße marschieren. Sie gingen gesenkten Hauptes und wurden von einer Menschenmenge als „Faschisten“ beschimpft. Donezk gehört zu den letzten Städten unter der Kontrolle der Rebellen. Dort und in Luhansk nahe der russischen Grenze gibt es immer wieder heftige Gefechte. Während die Aufständischen in Donezk die Gefangenen zur Schau stellten, beging die Regierung in Kiew den offiziellen Feiertag zur Unabhängigkeit des Landes von der Sowjetunion mit einer Militärparade in der Hauptstadt.

In Donezk wurde die Ankunft der Gefangenen über Lautsprecher angekündigt: „Wir sehen jetzt die Leute, die geschickt wurden, um uns zu töten“, hieß es. „Wir sind Russen.“ Aus der Menschenmenge wurden die erschöpft wirkenden Männer mit Flaschen beworfen. Ihnen wurde zugerufen: „Auf die Knie“. Hinter den Gefangenen fuhren Straßenkehrwagen.

Die öffentliche Zurschaustellung von Kriegsgefangenen ist weithin geächtet und wird in der Genfer Konvention von 1949 ausdrücklich verboten. Zuvor hatten die Aufständischen bereits zerstörtes Militärgerät der Regierungssoldaten im Zentrum von Donezk ausgestellt und damit ihre Gegenveranstaltung zu den Feiern in Kiew eingeläutet.

In der ukrainischen Hauptstadt marschierten 1500 Soldaten durch die Straßen, gefolgt von Schützenpanzern und Lastwagen mit Raketensystemen. Tausende Menschen strömten auf den Unabhängigkeitsplatz und tauchten den Maidan in ein Meer aus blau-gelben Flaggen. Präsident Petro Poroschenko erklärte, die Ukraine werde auf absehbare Zeit mit einer militärischen Bedrohung zu rechnen haben. Für die Armeeausrüstung seien bis 2017 deshalb umgerechnet rund 2,2 Milliarden Euro vorgesehen. Am Samstag hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel Kiew besucht und dem Land eine halbe Milliarde Euro Aufbauhilfe zugesichert.

Seit April sind bei Gefechten im überwiegend russisch geprägten Osten der Ukraine nach einer Schätzung der Vereinten Nationen mehr als 2000 Menschen getötet worden. Am Sonntag wurde in Donezk das Gelände des größten Krankenhauses der Stadt von Artilleriefeuer getroffen.

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