Burger King zieht nach Kanada und kann auch ohne TTIP in Europa agieren

Die Fastfood-Kette Burger King wird als erster US-Konzern von dem Freihandelsabkommen CETA der EU mit Kanada profitieren. Das Unternehmen will seinen Firmensitz nach Kanada verlegen und kommt dann in den Genuss all jener Rechte, die zwischen Kanada und der EU ausgehandelt wurden. Die deutsche Öffentlichkeit ist über das weitreichende Abkommen bisher nicht informiert worden.

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Der US-Fastfood-Riese Burger King will den Rivalen Tim Hortons aus Kanada übernehmen und so seinen Firmensitz in das für niedrigere Steuern bekannte Nachbarland verlegen. Die Fusionsverhandlungen liefen, erklärten beide Unternehmen in der Nacht zum Montag. Aus einem Zusammenschluss würde ein Branchenriese mit einem Marktwert von 18 Milliarden Dollar hervorgehen. Beide Ketten sollten anschließend unter ihren bestehenden Markennamen weitergeführt werden. Insidern zufolge könnte die Übernahme des mit Donuts und Kaffee groß gewordenen Schnellrestaurants Tim Hortons in den kommenden Tagen über die Bühne gehen.

Der McDonald’s -Rivale Burger King, 1954 in den USA gegründet, dürfte sich von dem Schritt Steuerersparnisse versprechen und damit Widerstand in Washington auslösen. Der bisher in Miami ansässige Hamburger-Brater betreibt in fast 100 Ländern mehr als 13.000 Restaurants. Zum Filialnetz von Tim Hortons aus Oakville in der Provinz Ontario gehören über 3500 Geschäfte in Kanada und rund 850 in den USA. Die Expansion in den USA kam bisher wegen der Konkurrenz von McDonald’s und Starbucks nur langsam voran.

Burger King wird deshalb vermutlich einen Angriff auf McDonald’s in Europa starten: Mit der Verlegung des Hauptsitzes nach Kanada wird der Konzern in den Genuss aller Vorteile kommen, die das zwischen der EU und Kanada kürzlich verhandelte Freihandelsabkommen CETA bietet. Es handele sich um ein „sehr ehrgeiziges und wichtiges Handelsabkommen mit weit reichenden Auswirkungen auf die Wirtschaft der EU“, sagt Kommissionspräsident José Manuel Barroso. Er meint damit: 99 Prozent aller Zölle sollen fallen. Der Handel mit Dienstleistungen soll vereinfacht werden. Der bilaterale Handel soll um 26 Milliarden Euro jährlich wachsen. Das jährliche BIP der EU soll um zwölf Milliarden Euro steigen.

Die genauen Inhalte des Abkommens sind allerdings nicht bekannt. Die Verhandlungen fanden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Unklar ist auch, welche Auswirkungen das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA) zwischen Kanada, Mexiko und den USA auf die EU haben wird.

Wie bereits vor Monaten erwartet, reicht CETA den US-Konzernen, um denb europäischen Markt zu bearbeiten: Amerikanische Großkonzerne könnten sich ohne besonderen Aufwand eine Niederlassung in Kanada besorgen. Und in weiterer Folge durch die Hintertüre Europa beliefern. Immerhin auch eine „weitreichende Auswirkung auf die EU“, die bei der CETA-Präsentation unerwähnt blieb.

US-Konzerne beobachten seit einiger Zeit mit Sorge, dass der Widerstand in Europa gegen TTIP wächst: Sollte das Abkommen mit den USA nicht zustandekommen, können die Konzerne ihre Aktivitäten über CETA abwickeln.

Die Kunden in Europa können sich daher auf eine neue Fast-Food-Welle freuen.

Vielleicht gibt es zum Einstieg ja den Barroso-Burger.


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