Ukraine verhaftet russische Soldaten, Moskau spricht von irrtümlichem Grenz-Übertritt

Kurz vor dem Gipfeltreffen zwischen dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko und Wladimir Putin meldet die Ukraine die Festnahme von russischen Soldaten, die sich im Zuge einer militärischen Aktion auf urkainisches Gebiet begeben haben sollen. Russland dementiert den Vorfall nicht und sagt, die Soldaten wären irrtümlich auf ukrainisches Gebiet gewandert.

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In der Ukraine sind mehrere russische Soldaten nach Überqueren der Grenze festgenommen worden. Nur wenige Stunden vor einem mit Spannung erwarteten Treffen der Präsidenten der beiden Staaten, Wladimir Putin und Petro Poroschenko, veröffentlichte die Regierung in Kiew am Dienstag Videoaufnahmen, die beweisen sollen, dass die Russen tatsächlich inmitten des Konflikts mit prorussischen Separatisten in den Osten des Landes vorgedrungen sind. Russland, das seit Monaten Vorwürfe zurückweist, die Rebellen mit Soldaten und Waffen in der Ukraine zu unterstützen, dementierte den Vorgang nicht. Die Soldaten hätten die Grenze aber nur „aus Versehen“ an einer nicht gekennzeichneten Stelle überschritten, zitierten russische Nachrichtenagenturen einen Mitarbeiter des russischen Verteidigungsministeriums.

„Offiziell sind sie auf Militärübungen in diversen Ecken Russlands. In Wirklichkeit sind sie in militärische Aggression gegen die Ukraine verwickelt“, hielt der ukrainische Verteidigungsminister Waleri Heletei dagegen. „Dies war kein Versehen, sondern ein Spezialeinsatz, den sie ausführten“, sagte ein Militärsprecher. Offenbar handelt es sich bei den Soldaten um zehn russische Fallschirmjäger, die die Ukraine nach eigenen Angaben vom Montag festgenommen hatte. Sie sollen die Grenze mit einer Kolonne bestehend aus Dutzenden bewaffneten Infanteriefahrzeugen überquert haben.

Die Regierung in Kiew kämpft seit Monaten gegen Separatisten im Osten des Landes, die eine prowestliche Ausrichtung der Ukraine ablehnen. Auch am Dienstag tobten die Kämpfe weiter. In den vergangenen 24 Stunden seien zwölf Angehörige der ukrainischen Streitkräfte getötet worden, sagte ein Militärsprecher.

Der Konflikt in der Ost-Ukraine brach offen aus, nachdem die ukrainische Halbinsel Krim als Reaktion auf den Sturz des prorussischen Präsidenten Viktor Janukowitsch in die Russische Föderation eingegliedert wurde. Im Zuge des Konflikts hat sich nicht nur das diplomatische Klima zwischen Russland und der Ukraine, sondern auch zwischen Russland und dem Westen so sehr abgekühlt wie seit dem Kalten Krieg nicht mehr. Die Europäische Union und die USA haben eine Reihe von Sanktionen gegen Russland verhängt. Gleichzeitig haben Truppen Russlands und der Nato verstärkt Militärübungen abgehalten.

Die in Gewahrsam genommenen Soldaten seien Teil einer Streife im Bereich der russisch-ukrainischen Grenze gewesen, zitierten die Agenturen den Vertreter des russischen Verteidigungsministeriums. Bei ihrer Festnahme hätten sie keinen Widerstand geleistet. Auf den von der Ukraine auf Facebook veröffentlichten Videoaufnahmen waren sie in Tarnkleidung zu sehen. Einer von ihnen gab sich als Angehöriger einer Fallschirmjäger-Einheit aus.

„Ich habe nicht gesehen, wo wir die Grenze überquert haben“, sagte er. „Sie haben uns nur gesagt, dass wir auf einem 70 Kilometer langen Dreitagesmarsch waren. Hier ist alles anders, nicht so, wie es im Fernsehen gezeigt wird. Wir sind als Futter für die Kanonen gekommen.“ Ein anderer Mann sagte: „Hört auf, unsere Jungs reinzuschicken. Warum? Das ist nicht unser Krieg.“

Die Ukraine hat Russland bereits mehrfach vorgeworfen, die Separatisten militärisch zu unterstützen. Der jetzige Vorgang droht die Beziehungen weiter zu belasten – und das ausgerechnet vor dem ersten Treffen Putins und Poroschenkos seit dem 6. Juni. Dieses wurde am frühen Nachmittag erwartet am Rande einer Konferenz der von Russland geführten Zollunion in der weißrussischen Hauptstadt Minsk.

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