Wowereit-Rücktritt: Größenwahn bis zum bitteren Ende

Gewohnt fröhlich präsentierte Klaus Wowereit bei seiner Rücktritts-Pressekonferenz das nächste Groß-Projekt: Die Pleite-Stadt Berlin solle sich für Olympische Spiele bewerben. Es ist erstaunlich, dass Wowereit trotz des Milliardenschadens, der unter seiner „Aufsicht“ beim BER angerichtet wurde, noch die Chuzpe hat, ein weiteres Projekt des Größenwahns vorzuschlagen.

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Die Pleite-Stadt Berlin soll sich um die Olympischen Spiele bewerben. Wowereit sollte einmal in einen durchschnittlichen Berliner Kindergarten, in ein Krankenhaus, einen Problembezirk oder eine Schule gehen oder einmal ohne Protz-Limousine über eine Nebenstraße der Hauptstadt fahren. Dann wüsste er in der Sekunde, wozu die Steuergelder zu verwenden sind.

Doch Klaus Wowereit hat bei seinem Abschied die Bewerbung Berlins um Olympische Spiele als große Chance für die Stadt angepriesen. Offenbar sind schon etliche Beamte dabei, mit der Olympia-Lobby über die Bewerbung zu diskutieren. Wowereit behauptet, dass die Spiele der Stadt etwas bringen.

Und schon rollt die Maschine, die mit öffentlichen Geldern versuchen soll, das nächste völlig sinnlose Prestige-Objekt voranzutreiben.

Jeder einzelne Steuer-Cent, der für diese neuerliche Aufwallung des politischen Größenwahns ausgegeben wird, ist eine Steuerverschwendung.

Olympische Spiele bringen einer Stadt nichts. Der Austragungsort wird zur Kulisse für einen globalen VIP-Tross degradiert. Geschäfte machen die, die von der Olympia-Lobby dazu ermächtigt werden.

Wowereit – eigentlich ein sympathischer Mann und durchaus charmanter Politiker – hat offenkundig aus seinem Versagen nichts gelernt: Der Großflughafen versinkt in Fehlplanungen, Korruption und immer neuen Verschwendungs-Orgien.

Ein Blick nach Griechenland zeigt, welchen Schaden die internationale Sport-Lobby den Steuerzahlern eines Landes zufügen kann.

Immer wieder werden Monster-Projekte wie Olympia oder Sepp Blatters Kicker-Gladiatoren als wunderbare Faktoren der Wirtschaftsbelebung präsentiert. In der Regel folgen sportliche Großveranstaltungen jedoch seit jeher Geschäftsmodell „Bailout“. Es ist daher kein Wunder, dass auch die Olympischen Spiele 2004 in Athen haben das Mutterland der Spiele wie nach einer Heuschrecken-Plage hinterlassen haben: Gigantische Sportstätten als Ruinen, bankrotte Sportverbände und ein 12 Milliarden Euro Schuldenberg. Gebracht haben die Spiele dem Land nichts. Kassiert haben die Internationalen Sportverbände und die etliche korrupte Funktionäre.

Erst vor acht Jahren war Griechenland Ausrichter der Olympischen Sommerspiele. Das Bild von Athens Olympiapark heute: leere Sportstätten, abblätternde Farben, gesperrte Eingänge. Der Großteil des Olympiaparks bleibt seit 2004 weitgehend ungenutzt und verrottet – weil die Wartungskosten zu hoch sind. Die Geschwindigkeit des Verfalls und der Verwahrlosung machen die griechische Tragödie auch im Bereich des Sports deutlich.

In dem Glauben die Ausrichtung der Multi-Milliarden-Dollar-Spiele könnten das Wachstum des Landes ankurbeln und ihm ein modernes Image im Ausland verleihen, griff die Regierung tief in die Taschen der Steuerzahler. 12 Milliarden wurden aufgebracht – mehr als doppelt so viel als zuvor veranschlagt. In einem vier-jährigen Bau-Marathon errichtete Griechenland den Olympiapark. Doch nach den Spielen war der Glamour vorbei. „Wie Himmel und Hölle“, sagt der griechische Leichtathletik-Verband-Chef, Vassilis Sevastis, der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Spiele 2004 sind für die Griechen zum Bumerang geworden – die gigantischen Kosten belasten die Haushalte bis heute. „Offensichtliche Chancen wurden verspielt“, sagt der Präsident des Griechischen Olympischen Komitees (HOC), Spyros Kapralos. Viele Versuche, die Einrichtungen zu vermieten, waren gescheitert. Die gesamte südliche Küste, die bis zum Hafen Piräus mit Sportstätten ausgestattet wurde, befindet sich seit acht Jahren in einem Schwebezustand. Auch dem Tourismus brachte es keinen Aufschwung ein. Auf den versprochenen Zuwachs der jährlichen Einnahmen um 10 bis 20 Milliarden Euro warten die Hoteliers bis heute.

Gewonnen hat Griechenland also nichts – daran verdient haben nur Funktionäre, die traditionell korrupte Bauwirtschaft und die Sportverbände. Bereits 1998 gab der IOC-Intimus Marc Hodler, ein Schweizer Rechtsanwalt, Einzelheiten zu Korruptionsvorwürfen bekannt. So seien vor der Wahl der Olympiastadt Athen 2004 Schmiergelder von bis zu 8,25 Millionen Mark an den IOC gezahlt worden. Nach Schätzungen der griechischen Presse könnten an griechische Politiker und Funktionäre Schmiergelder in einer Gesamthöhe bis zu 100 Millionen Euro geflossen sein. Einer davon war Michael Christoforakos. Dem ehemaligen Leiter der Siemens Hellas A. E. wurden Betrugsstraftaten im Zusammenhang mit dem von Siemens Hellas gelieferten Sicherheitssystem der Olympischen Spiele zur Last gelegt.

Der deutsche Sportjournalist Jens Weinreich ist sich sicher, dass weitere Korruptionsgelder geflossen seien. Zudem sagt er, das Internationale Olympische Komitee (IOC) sei immer großer Gewinner, den es trägt aus seinen Vermarktungserlösen nur einen Teil am Organisationsetat bei. Nur rund ein Drittel des Erlöses gehe an die Olympiastädte, der Rest werde an die sogenannte olympische Familie verteilt – Sportverbände und Nationale Olympische Komitees sind also ebenfalls Profiteure. Rund sieben Prozent behält das IOC selbst. Eines sei sicher, so Weinreich, „Olympia funktioniere schon immer nach dem Prinzip des Bailouts – die Zeche bezahlt der Steuerzahler“.

Klaus Wowereit hat aus seinen Fehlern nichts gelernt. Trotzig schwadroniert er vom notwendigen „Mut der Politiker“, auch mal eine Niederlage bei einem Volksentscheid zu riskieren. Glückwunsch an dieser Stelle den Bürgern in Bayern, die diesen Irrsinn für ihr Land abgelehnt haben.

Aber muss jede lokale Dummheit anderswo wiederholt werden? Müssen die Deutschen wirklich 16mal befragt werden, ob sie wollen, dass ihre Heimat verschandelt wird? Die Antwort kann man billiger haben.

Wowereit macht es sich in jeder Hinsicht besonders einfach: Er entzieht sich der politischen Verantwortung durch Flucht aufs vom Steuerzahler finanzierte Altenteil. Für sein Wirken müssen Generationen von Berlinern darben. Er regt an, noch mehr Geld auszugeben – womöglich, damit er als Sonderbotschafter eines Tages den Glanz der Abendsonne im Olympiastadion genießen kann.

Die Politik, für die Wowereit steht, ist dreist und richtet sich gegen die Bürger.

Das war und ist ganz und nicht gut so.

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