BlackRock: Draghi holt den „König der Wall Street“ als Berater zur EZB

Die Europäische Zentralbank hat BlackRock, die mächtigste Finanz-Firma der Welt, beauftragt, das neue Programm für Kredit-Verbriefungen (ABS) zu entwerfen. Damit erhält der "König der Wall Street" exklusiven Zugang zu europäischen Unternehmens-Daten. ABS waren jene gefährlichen Papiere, die den Crash von 2008 ausgelöst haben. BlackRock ist gefürchtet für seine Rendite-Orientierung. Eine Kontrolle der Vorgänge in Frankfurt durch unabhängige Experten ist per Gesetz verboten.

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Die EZB wartet mitten im August mit einer besonderen Nachricht auf: Der Vermögensverwalter BlackRock wird mit dem Design des schon mehrfach angekündigten Programms für Kredit-Verbriefungen beauftragt. Dieses sogenannte ABS (Asset Backed Securities)-Programm wurde von der angesehenen Nachrichtenagentur Reuters kürzlich als „Brandbeschleuniger“ bezeichnet: Kredite werde zu Bündeln geschnürt und weiterverkauft.

Diese von der Finanzindustrie gepriesenen und vom früheren Mitarbeiter im Bundesfinanzministerium, Jörg Asmussen, als Lobbyist empfohlenen Papiere waren die Ursache für den Crash im US-Immobilienmarkt: Die Hypotheken-Kredite wurden so gut verschnürt, dass am Ende niemand mehr wusste, welche Risiken sie tragen. Die Banken, die als letzte in das Blinde-Kuh-Casino einstiegen, waren die Verlierer: An der Wall Street lacht man heute noch über die „Idioten aus Dusseldorf“, wie man die Banker der IKB nannte, die wegen der Papiere crashte. Beaufsichtigt wurde die IKB von keinem Geringeren als dem ABS-Lobbyisten Asmussen, der heute im Bundesarbeitsministerium im Verborgenen wirkt.

Die Beauftragung von BlackRock bedeutet, dass damit die mächtige und intransparente Firma den amtlichen Gütestempel von der EZB erhält, sich die europäischen Unternehmen als Casino-Jettons zu schnappen. Natürlich beteuert die EZB, dass sich BlackRock verpflichtet habe, jeden Interessenskonflikt auszuschließen. Das soll in der Theorie bedeuten, dass „BlackRock verpflichtet ist, zwischen den Aktivitäten des Projektteams, das für die EZB arbeitet, und seinen sonstigen ABS-Aktivitäten eine Trennung vorzunehmen“, wie Bloomberg berichtet. Außerdem wird BlackRock externe Audits in Auftrag geben und deren Ergebnisse der EZB zur Kenntnis zu bringen.

Es ist kaum zu erwarten, dass die von BlackRock beauftragten Prüfer ihrem Auftraggeber auf die Füße steigen werden.

Von demokratisch legitimierten Einrichtungen kann das Problem der „conflicts of interest“ nicht kontrolliert werden: Die EZB agiert per Gesetz unabhängig. Sie ist immun gegen jede Jurisdiktion. Der Präsident der EZB und seine Mitarbeiter sind niemandem zur Auskunft verpflichtet. Sie können für ihre Handlungen zu keinem Zeitpunkt zur Verantwortung gezogen werden.

In der Praxis hat das Problem, dass US-Finanzkonzerne faktisch alle Interna von europäischen Banken auf dem Silbertablett serviert bekommen, bereits bei einer anderen Beauftragung für großen Unmut in der europäischen Banken-Szene geführt: Das US-Beratungsunternehmen Oliver Wyman, welches die EZB beim Banken-Stressttest berät, ist eine Tochterfirma des US-Finanzkonzerns Marsh & McLennan. Der erste Vorstandsvorsitzende der NRW.BANK, Bernd Lüthje, kritisierte die Bestellung von Wyman durch die EZB in den Deutschen Wirtschafts Nachrichten: „Es hätte gar nicht so weit kommen dürfen, dass die EZB diesen weit verzweigten und versippten Berater engagiert.“

Lüthje fürchtet, dass die einschlägigen Beteuerungen der EZB, es gäbe „chinese walls“ zur Sicherung der Vertraulichkeit, in der Praxis wirkungslos seien: „Wie wollen Sie das kontrollieren? In der City gehen die Banker jeden Freitag gemeinsam in Pub. Es gibt Betriebskantinen und Betriebssport. Junge Kollegen wollen ihr Wissen für ihre Karriere verwenden. Es ist unmöglich, dass die Daten der europäischen Banken, die im Zuge des Stresstests erhoben werden, vertraulich behandelt werden. Das kann die EZB gar nicht sicherstellen.“

Genau dieselben Befürchtungen müssen nun im Falle BlackRocks wach werden. Der Konzern ist, wie die ARD in einer ausgezeichneten Dokumentation gezeigt hatte, mächtig wie keine andere Bank der Welt (Video am Ende des Artikels). Sogar der Economist beschäftigte sich vor einigen Monaten kritisch mit der krakenhaften Ausdehnung von BlackRock.

Die FAZ berichtet:

„Wohin der Anleger auch blickt, da ist Blackrock. Die amerikanische Fondsgesellschaft, weltgrößter Vermögensverwalter mit 4,6 Billionen Dollar im Rücken, ist der mächtigste Investor in den 30 Unternehmen, deren Kursentwicklung der deutsche Aktienindex Dax nachzeichnet. Ausländische Investoren dominieren den Dax mit einem Anteil von 82 Prozent an der Marktkapitalisierung, rechnete der Deutsche Investor Relations Verband kürzlich vor. Wer steht an oberster Stelle? Blackrock, war ja klar. Blackrock Asset Management hält demnach ein Aktienpaket von 21,9 Milliarden Euro an den Dax-Unternehmen. Hinzu kommt Blackrock Fund Advisors mit weiteren 14,2 Milliarden Euro.

Mehr als auf das schiere Gewicht des Aktienportfolios stützt sich die Macht von Blackrock auf Aladdin, ein gigantisches Computersystem, bestehend aus 5000 Großrechnern und ungezählten Analysten. 200 Millionen Kalkulationen kann Aladdin pro Woche ausführen. Es ist das machtvollste System zur Analyse von Unternehmen und Wirtschaftsdaten. Kein Investor von Gewicht will Aladdin missen – und investiert zumindest einen Teil seines Kapitals bei Blackrock.“

Besonders problematisch ist die Tatsache, dass BlackRock trotz seiner technischen Möglichkeiten und seiner Marktmacht in den vergangenen Jahren schlechtere Renditen erwirtschaftet hat als seine Konkurrenten. Wer die Ambitionen des Chefes von BlackRock, Larry Fink kennt, weiß, dass er sich auch im Hinblick auf den Ertrag an die Weltspitze zurückkämpfen will. Der Ökonom Max Otte sagt, dass Fink mächtiger sei als der amerikanische Präsident. Wer Fink genau kennt, weiß, dass der Banker keine Hemmungen hat, um die Rendite um jeden Preis zu steigern. Die ARD-Doku zeigt, dass den Preis dafür in der Regel die kleinen Leute zahlen müssen, die in irgendeiner Weise mit Unternehmen in Berührung kommen, an denen BlackRock beteiligt ist.

Seine Gegner und seine Verehrer nennen Larry Fink – entweder voller Respekt oder voller Ablehnung – den „König der Wall Street“.

Der König wird bald Einzug in Frankfurt halten.

Der ehemalige Goldman-Sachs-Banker Mario Draghi hat ihm den Roten Teppich ausgebreitet.

Europa steht vor einer neuen Epoche der Kolonialisierung: BlackRock ante portas, und keiner kann dagegen etwas unternehmen.

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