Start in Frankfurt: Bank of China bläst zum Angriff auf den Dollar

Der chinesische Yuan (Renminbi) soll dem Dollar als Weltwährung Konkurrenz machen. Die Bank of China eröffnete am Dienstag die erste Drehscheibe für die Landeswährung. Weitere in London und Luxemburg werden folgen. Die Amerikaner sehen mit Missfallen, dass ausgerechnet Deutschland den Chinesen Starthilfe leistet.

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Geldhäuser und Unternehmen können über die Bank of China in Frankfurt bald Geschäfte in der chinesischen Währung Renminbi abwickeln. Das viertgrößte Institut der Volksrepublik gab am Dienstag offiziell den Startschuss für die sogenannte Renminbi-Clearing-Bank in der hessischen Finanzmetropole. „Ab heute haben wir die Türen geöffnet“, sagte Bernd Meist, einer von zwei Geschäftsleitern der Frankfurter Niederlassung. Zudem vereinbarten die Chinesen eine Kooperation mit der Deutschen Bank. Beide Geldhäuser wollen dafür sorgen, dass künftig mehr Geschäfte zwischen China und Deutschland in Renminbi abgewickelt werden.

Deutschland und China hatte Ende März vereinbart, Frankfurt zu einem wichtigen Handelsplatz für Geschäfte in Renminbi zu machen. Im Juni wurde die Bank of China dafür ausgewählt, nun feierte das Institut anlässlich des Besuchs von Bank-of-China-Präsident Siqing Chen in einem Frankfurter Luxus-Hotel die Eröffnung der Clearing-Bank. „Für die Bank of China liegt das große Ziel darin, die Internationalisierung des Renminbi voranzutreiben und den wirtschaftlichen Austausch zwischen Deutschland und China zu fördern“, sagte Chen.

In den nächsten Tagen will die Bank of China mit interessierten deutschen Geldhäusern detaillierte Vereinbarungen über die Nutzung der Clearingbank unterzeichnen, wie der deutsche Statthalter Meist erklärte. Ab September könnten dann erste Geschäfte abgewickelt werden. Durch den Aufbau von Renminbi-Zentren außerhalb Asiens will China Handelshemmnisse aus dem Weg räumen. Die Abwicklung entsprechender Geschäfte über Hongkong schreckt besonders deutsche Mittelständler ab.

Da auch in London und Luxemburg Renminbi-Clearing-Banken aufgebaut werden, sei Geschwindigkeit bei der Eröffnung der Frankfurter Drehscheibe wichtig, sagte Jochen Metzger von der Deutschen Bundesbank. „Um im Wettbewerb der europäischen Finanzplätze eine führende Rolle einnehmen zu könne, muss eine Renminbi-Clearing-Lösung zügig bereitgestellt werden.“ In Frankfurt habe man sich deshalb für eine zweistufige Einführung entschieden. Zunächst soll das Clearing über die Bank of China laufen, anschließend über ein neutrales Clearinghaus. Der Aufbau eines Clearinghauses, an dem sich auch andere deutsche Banken beteiligen können, sei allerdings sehr komplex und werde einige Zeit in Anspruch nehmen, sagte Meist. Vom Mutterkonzern werde die Frankfurter Niederlassung beim Ausbau ihres Geschäfts mit allen Mitteln unterstützt. Erst im Mai habe die Mutter das Kapital der Tochter um rund 120 Millionen Euro gestärkt.

Der Renminbi, dessen Währungseinheit der Yuan ist, lässt sich bisher nicht frei handeln. Mit den neuen Drehscheiben in Frankfurt, London und Luxemburg kommt die Volksrepublik jedoch ihrem Ziel näher, ihre Währung als feste Größe neben dem Dollar und dem Euro zu etablieren. „Die Internationalisierung des Renminbi ist nicht aufzuhalten“, erklärte Meist. „Die einzige offene Frage ist die finale Geschwindigkeit.“


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