Euler Hermes erwartet mehr Insolvenzen wegen Russland-Sanktionen

Der Kreditversicherer Euler Hermes geht davon aus, dass sich der Handelskrieg gegen Russland negativ auf die deutschen Unternehmen auswirken wird. Der deutsche Mittelstand dürfte dieser Prognose an Wettbewerbskraft verlieren - was den US-Konkurrenten in Automobil-Industrie und Maschinenbau vermutlich ganz recht sein dürfte.

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Der Kreditversicherer Euler Hermes sieht die Ukraine-Krise und die zunehmenden Spannungen zwischen Russland und dem Westen mit großer Sorge. Wegen der Sanktionen könnte es hierzulande im Produzierenden Gewerbe in der zweiten Jahreshälfte mehr Insolvenzen geben, warnte Deutschland-Chef Ralf Meurer am Mittwochabend im Frankfurter Wirtschaftspresseclub ICFW. „Es gibt einzelne Unternehmen, wo die aktuelle Situation sehr dramatisch ist.“ Manche Firmen seien extrem abhängig vom russischen Markt. Die deutschen Exporte dorthin dürften nach Meurers Schätzung infolge der verhängten Strafmaßnahmen um etwa ein Fünftel sinken – was insbesondere Sektoren wie den Maschinenbau oder die Autobranche treffe. Konkrete Unternehmen in Bedrängnis wollte Meurer nicht nennen, betonte aber: „Wir sind in wöchentlichen Gesprächen.“ Der Versicherungsschutz für Russland bestehe unverändert.

Für Deutschlands Wirtschaftsleistung insgesamt hat die Allianz-Tochter ihre Erwartungen für 2014 nach unten geschraubt: Euler Hermes geht jetzt von einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts um 1,5 Prozent aus, nach bislang 1,9 Prozent. Als Hauptgrund nannte Meurer die große Unsicherheit im Zuge der Krise.

Der Westen hatte seine Sanktionen gegen Russland im Juli verschärft. Betroffen sind beispielsweise Banken, Rüstungsgüter und Hochtechnologie-Geräte. Die USA und die EU werfen der Regierung in Moskau vor, sich nicht wie zugesagt um eine Entspannung der Lage im Osten der Ukraine zu bemühen. Dort kämpfen prorussische Separatisten gegen die ukrainische Armee. Im Zuge der Krise hat die russische Währung Rubel massiv an Wert verloren und sich die Kapitalflucht aus dem Land verstärkt. Umgekehrt meiden russische Investoren inzwischen aber auch westliche Länder wie Deutschland, was Sorgen vor einem Handelskrieg schürt. Die hiesige Wirtschaft hatte deshalb bereits vor Wochen Alarm geschlagen.


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