Merkel nervös: Arbeitslosigkeit in Frankreich erneut gestiegen

Die Regierung in Paris bekommt die Arbeitslosigkeit nicht in den Griff: Im Juli waren mehr Franzosen denn je ohne Arbeit. Bundeskanzlerin Angela Merkel fordert rasche Strukturmaßnahmen in Frankreich. Doch die regierenden Sozialisten fürchten, vom Front National in die Bedeutungslosigkeit gestoßen zu werden.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic

Die Zahl der Arbeitslosen in Frankreich ist im Juli auf ein neues Rekordhoch gestiegen. Wie das Arbeitsministerium am Mittwoch bekanntgab, lag sie um 26.100 höher bei 3,4 Millionen. Das ist ein Anstieg von 0,8 Prozent zum Vormonat und von 4,3 Prozent zum Vorjahr. Die anhaltend hohe Erwerbslosigkeit und das ausbleibende Wirtschaftswachstum haben der Beliebtheit von Präsident Francois Hollande schwer zugesetzt. Dieser hatte Anfang der Woche die Regierung umgebildet. Mitte des Monats hatte die Regierung ihre Konjunkturprognosen kassiert.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hält in Frankreich weitere Strukturreformen für nötig und vertraut dabei auf Präsident Francois Hollande. „In Frankreich geht es darum, dass man wirklich Strukturreformen macht. Das hat der französische Präsident ja auch angekündigt“, sagte Merkel am Mittwochabend auf einer Veranstaltung der Zeitschrift „Cicero“ in Berlin. Derartige Reformen werden sich jedoch nicht einfach durchsetzen lassen, weshalb sich die EU-Staaten bei diesen Reformen gegenseitig unterstützen sollten.

Die Kanzlerin zeigte sich überzeugt davon, dass Frankreich die wirtschaftliche Krise überwinden kann. Wenn Hollande das umsetzen könne, was er sich vorgenommen habe und wofür die letzte Regierungsumstellung stehe, ergäben sich ganz andere Perspektiven. „Ich traue jedem europäischen Land zu, dass es die notwendigen Dinge so richtet, dass es auch wieder vorne sein kann.“

Zugleich wandte sie sich dagegen, auf Wachstum durch mehr Geldausgeben zu setzen. Nötig sei vielmehr eine „kluge Anreizpolitik“. Man müsse eine Politik infrage stellen, bei der die Schuldenstände immer weiter wachsen. Die EU-Kommission habe Frankreich bereits mehr Zeit gegeben, um sein Haushaltsdefizit zu senken. Ob Frankreich erneut mehr Zeit für seine Haushaltssanierung bekommen sollte, sagte Merkel nicht.

In Paris ist allerdings nicht mehr von Strukturreformen die Rede: Die Regierung Hollande ist nach der jüngsten Krise nur noch darauf bedacht, dem Front National kein weiteres Terrain mehr zu überlassen.

Merkels Nervosität ist begründet: Übernimmt Marine Le Pen in Paris das Runder, könnte dies zur Existenzbedrohung für die EU in ihrer heutigen Form werden.

*** Bestellen Sie den täglichen Newsletter der Deutschen Wirtschafts Nachrichten: Die wichtigsten aktuellen News und die exklusiven Stories bereits am frühen Morgen. Verschaffen Sie sich einen Informations-Vorsprung. Anmeldung zum Gratis-Newsletter hier. ***


media-fastclick media-fastclick