Die heimliche Enteignung: Wie schützen wir unser Geld vor Banken und Politikern?

Die Sparer bekommen keine Rendite mehr. Die Zentralbanken strafen die Sparer und subventionieren die Schuldner. In der Euro-Zone ist kein Problem gelöst: Die Krise kann jederzeit wieder losbrechen. Der renommierte Finanzjournalist Michael Rasch von der Neuen Zürcher Zeitung rät den Sparern zu einem sehr realistischen Blick, um ihre Ersparnisse zu schützen.

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Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Ihr Buch „Die heimliche Enteignung“ trägt den Untertitel: „So schützen Sie sich vor Politikern und Bankern“. Wer ist für den Bürger, den Anleger, gefährlicher: Die Politiker oder die Banker?

Michael Rasch: Beide Gruppen sind auf unterschiedliche Weise gefährlich für die Bürger. Mit Banker meinen wir in dem Buch vor allem Notenbanker. Ihre Reaktion direkt nach der Krise war zwar richtig, doch inzwischen geht die seit Jahren ultra-expansive Geldpolitik zulasten der Sparer und hat potenziell gefährliche Folgen. Die Zentralbanken subventionieren Schuldner und Banken und bestrafen Sparer, Versicherungsgesellschaften sowie Pensionskassen. Wie soll man bei den niedrigen Zinsen den Leuten noch erklären, für das Alter vorsorgen zu müssen? Und Politiker bevorzugen mit ihrer ständigen Politik der neuen Schulden heutige Generationen zulasten unserer Kinder. Beides ist nicht nachhaltig.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Sie beschreiben, wie die Notenbanken maßgeblich „die Welt in den Ruin führen“. Mario Draghi sieht das vermutlich ganz anders: Sein „whatever it takes“ soll, so sind viele Zentralbanker überzeugt, die Krise in der Euro-Zone gestoppt haben. Eine Illusion?

Michael Rasch: Das Zitat bezieht sich auf ein anderes Buch und das Verhalten der Zentralbanken in der Großen Depression. Aber auch heute kann man das Verhalten der Zentralbanken zu Recht kritisieren. Mario Draghi nimmt den Druck von vielen Politikern in Europa, ihre Haushalte nachhaltig zu sanieren und den Bürger zu erklären, dass nicht alle Wünsche erfüllbar sind in einer Welt mit realen Knappheitsverhältnissen. Er hat Politikern Zeit gekauft, was gar nicht seine Aufgabe ist. Doch die Politik hat die Zeit kaum genutzt, beispielsweise in Italien. In Spanien sieht es etwas besser aus. Letztlich ist die Beruhigung der vergangenen Jahre eine Illusion. Die Krise kann jederzeit wieder losbrechen.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Aktuell hat man den Eindruck, dass die Zentralbanken eher planlos agieren: Die Fed und die BOE sind sich nicht sicher, wann und wie sie die Zinsen erhöhen sollen. Gibt es einen Weg aus der Schuldenkrise?

Michael Rasch: Es gibt mehrere Wege. Vermutlich wird man sich weiterhin irgendwie durchwursteln. Dazu kommt das Mittel der finanziellen Repression, also eine Mischung aus ultraniedrigen oder sogar negativen realen Zinsen und anderen Mitteln der Umverteilung von Geld vom Steuerzahler zum Staat. Man hat Letzteres schon in Spanien, Polen, Ungarn und anderen Ländern gesehen. Damit wollen die Staaten langfristig die Schulden reduzieren.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Die Zinsen für Staatsanleihen sind auch in den kritischen Euro-Staaten auf abenteuerlichen Tiefstständen. Dennoch wird von der EZB verlangt, noch mehr Geld in den Markt zu pumpen. Was kann damit erreicht werden – und was kann die unerwünschte Konsequenz von QE in Europa sein?

Michael Rasch ist Diplom-Ökonom und Qualitätsmanager. Seit 2002 ist er als Wirtschaftsredakteur bei der "Neuen Zürcher Zeitung" tätig, und seit 2006 Leiter der Redaktion "Börsen und Märkte". Er wurde mehrfach für seine journalistische Arbeit ausgezeichnet, u.a. mit dem Schweizer Journalistenpreis und State Street Finanzjournalistenpreis. (Foto: FinanzBuch Verlag)

Michael Rasch ist Diplom-Ökonom und Qualitätsmanager. Seit 2002 ist er als Wirtschaftsredakteur bei der „Neuen Zürcher Zeitung“ tätig, und seit 2006 Leiter der Redaktion „Börsen und Märkte“. Er wurde mehrfach für seine journalistische Arbeit ausgezeichnet, u.a. mit dem Schweizer Journalistenpreis und State Street Finanzjournalistenpreis. (Foto: FinanzBuch Verlag)

Michael Rasch: Das bringt letztlich gar nichts mehr. Die Zinsen sind ja schon auf rekordtiefen Niveau. Man kann das Pferd zwar zum Brunnen führen, aber saufen muss es alleine. Es gibt einfach auch eine geringere Nachfrage nach Krediten. Man sieht zudem in den USA, dass man Schulden nicht mit neuen Schulden bekämpfen und Probleme nicht dauerhaft mit Geld zuschütten kann. Dadurch werden nur langfristig Risiken erhöht, weil zum Beispiel die Inflationsgefahr zunimmt und politische Strukturreform nicht angegangen werden.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Unter der Überschrift „Die große Manipulation“ beklagen Sie, dass faktisch alle Preise manipuliert werden. Zwar werden zahlreiche Banken bestraft, doch die Strafen halten sich in Grenzen. Können die raffinierten Manipulationen die Märkte langfristig zerstören?

Michael Rasch: Nicht alle Preise. Aber in den USA ist der Markt für Staatsanleihen kein freier Markt mehr. Das gleiche gilt für Großbritannien. In den USA ist die Notenbank der grösste Gläubiger des Staates, vor China. In den letzten Jahren wurde der Löwenanteil neuer Staatsanleihen von der Zentralbank aufgekauft. Ist das wirklich keine Staatsfinanzierung durch die Notenpresse?

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Die Folge der Schuldenkrise wird eine umfassende finanzielle Repression sein. Worauf müssen sich die Sparer einstellen?

Michael Rasch: Sparer müssen sich darauf einstellen, dass das Umfeld so bleibt, wie es bereits seit Jahren ist. Es gibt negative Realzinsen oder nur ganz geringen positive Realzinsen. Der Sparer bekommt also für sein Geld keine Rendite mehr. Die Notenbanken zwingen Anleger in immer riskantere Anlagen und lösen zugleich in Ländern wie Deutschland einen Immobilienboom aus. Dort könnte aufgrund der zu niedrigen Zinsen eine neue Blase entstehen. Wie das enden kann, hat man in Spanien gesehen.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Sie schreiben, dass dem Euro der Exitus drohe. In Lindau haben etliche Wirtschaftswissenschaftler in dieselbe Kerbe geschlagen. Kann der Euro überleben – und käme, wenn sich die Währungsunion auflöst, wirklich die Apokalypse, wie die Euro-Verfechter behaupten?

Michael Rasch: Wenn der Euro scheitert, scheitert nur der Euro – und sonst gar nichts. Man sollte das Thema nicht so hoch hängen, wie es die Bundeskanzlerin tut. Damit steuert man sich in eine kommunikative Sackgasse. Es ist allerdings ein Problem, dass der Euro tatsächlich nicht funktioniert. Dummerweise haben wir ihn jetzt und es ist wirklich schwierig, davon wieder wegzukommen. Es gibt keine einfachen Lösungen.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Sie bezeichnen Angela Merkel als „Gefangene der Märkte und des ,Club Med'“. Wie kommt Deutschland aus dem Euro-Dilemma heraus?

Michael Rasch: Deutschland kann nur versuchen, weiterhin ordnungspolitisch halbwegs saubere Lösungen durchzusetzen. Das wird aber aufgrund des Drucks aus den südeuropäischen Ländern und der Finanzmärkte immer schwieriger. Letztlich ist Deutschland eben bereits gefangen. Es wichtig, dass die Umverteilung beschränkt wird, die bestehenden Verträge wie jener von Maastricht eingehalten werden und klare Haftungsregeln bestehen. Ferner sollte Berlin darauf achten, dass in Brüssel Schlüsselpositionen mit den richtigen Leuten besetzt werden. Das gilt natürlich auch für die derzeit anstehenden Entscheidungen.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Kann man sich als Sparer überhaupt schützen?

Michael Rasch: Das ist schwierig. Sparer sollten grundsätzlich gut diversifizieren, also ein breites Portfolio aus beispielsweise Aktien, Anleihen, Rohstoffen und etwas Gold haben. Dazu sind Immobilien sicherlich kein schlechtes Engagement. Aber Geldanlage ist eine sehr persönliche Sache, das muss jeder für sich selbst aufgrund seiner Lebenssituation entscheiden.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Crash-Propheten haben wieder Saison, wenn man sich die aktuellen Aussagen von James Rickards anhört. Wer profitiert von einem Crash – und wer wird verlieren?

Michael Rasch: Ein Crash ist nie etwas Gutes – es sei denn, man ist gerade short am Aktienmarkt positioniert. Man kann nur versuchen, sich durch die Diversifikation breit zu positionieren und die Augen offen zu halten. Wenn es einem zu heiss wird und man eine starke Korrektur nicht durchstehen kann oder will, sollte man lieber die Finger von Aktien lassen.

Das Buch zur Enteignung von Michael Rasch und Michael Ferber.

Das Buch zur Enteignung von Michael Rasch und Michael Ferber.

Michael Rasch und Michael Ferber, Die heimliche Enteignung: So schützen Sie Ihr Geld vor Politikern und Bankern
24,99 €

In ihrem Buch nennen die Autoren das Kernproblem beim Namen: Die heimliche Enteignung von Sparer und Steuerzahlern ist die zwingend logische Konsequenz der Politik der Regierungen in den Schuldenstaaten und der ihnen zuarbeitenden Zentralbanken. Rasch und Ferber haben ein großes Verdienst: Sie beschreiben die Entwicklung nüchtern und unvoreingenommen. Sie benennen die Strukturen, die die Enteignung bedingen – und verzichten dabei auf billige Klassenkampf-Rhetorik. Zugleich geben sie dem intelligenten Anleger Hinweise, wie er Entwicklungen antizipieren kann. Vor allem im Hinblick auf die Altersvorsorge können Sparer und Anleger nach der Lektüre ihre Entscheidungen treffen – vorausgesetzt, sie lesen manchmal zwischen den Zeilen der PR, die die Finanzmärkte dominiert und geeignet ist, die Öffentlichkeit perfekt in die Irre zu führen.

Das Buch kann im Buchhandel erworben werden. Beim Verlag kann es hier bestellt werden. Bei Amazaon findet sich das Buch hier.


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