Ukrainische Armee muss Flughafen von Lugansk aufgeben

Die ukrainische Armee hat den Kampf um den Flughafen von Luhansk verloren. Nach einer schweren Schlacht, in die nach ukrainischen Angaben auch ein russisches Panzerbatallion verwickelt gewesen sein soll, gab die Armee den strategisch wichtigen Flughafen auf.

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Nach Angaben des Militärs lieferten sich ukrainische Fallschirmjäger am Montag eine schwere Schlacht mit einem Panzerbataillon der russischen Streitkräfte um einen wichtigen Zivilflughafen unweit der Rebellenhochburg Luhansk. Schließlich hätten die ukrainischen Soldaten den Befehl erhalten, sich zurückzuziehen. Präsident Petro Poroschenko machte Russlands Verwicklung in den Krieg gegen die Separatisten als Grund für die jüngsten Erfolge der Rebellen aus. „Eine direkte und offene Aggression wurde von einem Nachbarstaat aus gegen die Ukraine begonnen. Dies hat die Lage in der Konfliktzone auf radikale Weise verändert“, sagte er in einer Rede an einer Militärakademie in Kiew.

Für die OSZE stellt sich die Lage in der Ukraine anders dar als für die Konfliktparteien. Roland Bless, der Sprecher des OSZE-Vorsitzlandes Schweiz, sagte den Deutschen Wirtschafts Nachrichten: „Die OSZE hat aufgrund ihrer Beobachtungen keine Hinweise auf eine Präsenz von russischen Truppen auf ukrainischem Boden.“

Russland hat die Vorwürfe der Regierung in Kiew und des Westens wiederholt zurückgewiesen, direkt mit Soldaten und Panzern aufseiten der Rebellen zu kämpfen. Vertreter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) erklärten in Presseinterviews, ihre Beobachter in der Ukraine hätten keine Hinweise auf die Anwesenheit regulärer russischer Truppen.

Im Asowschen Meer suchten ukrainische Sicherheitskräfte nach zwei Angehörigen der Küstenwache. Ihr Boot war am Sonntag von einem Geschoss prorussischer Separatisten getroffen und versenkt worden. Acht gerettete Seeleute wurden bei dem Angriff nach ukrainischen Angaben verletzt. Unklar war das Schicksal Hunderter ukrainischer Soldaten, die seit Tagen in der Nähe der Rebellenhochburg Donezk von Separatisten umzingelt sind. Das ukrainische Militär hat dazu eine Informationssperre verhängt. Auch aus Mariupol lagen zunächst keine neuen Erkenntnisse vor. Die strategisch wichtige Hafenstadt im Südosten der Ukraine gilt als das nächste große Ziel der Rebellen, die seit etwa einer Woche wieder auf dem Vormarsch sind. Viele Bewohner verließen die Stadt am Wochenende aus Angst vor drohenden Kämpfen.

Nach Militärangaben wurden sieben ukrainische Soldaten in den 24 Stunden bis Montagmittag getötet. Insgesamt kamen in dem seit fünf Monaten anhaltenden Konflikt etwa 2600 Menschen ums Leben.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow sagte am Montag, sein Land beabsichtige keine Militärintervention in der Ukraine. Gleichzeitig warnte er vor neuen Wirtschaftssanktionen der Europäischen Union. Russland werde alles daran setzen, seine Bürger und seine Wirtschaft vor Strafmaßnahmen zu schützen, sagte Lawrow. Der russische Präsident Wladimir Putin appelliert an den Westen, sich bei der Diskussion über weitere Sanktionen von gesundem Menschenverstand leiten zu lassen. Er hoffe, dass in einer „normalen, zeitgemäßen Art und Weise“ miteinander umgegangen werde und keine Seite unter gegenseitigen Strafmaßnahmen leiden müsse, sagte Putin der Nachrichtenagentur Interfax.

Die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union hatten die EU-Kommission auf einem Sondergipfel am Wochenende mit der Vorbereitung neuer Sanktionen gegen Russland beauftragt und damit gedroht, diese binnen einer Woche zu verhängen. Die US-Regierung begrüßte dies und erklärte, sie werde mit der EU die neuen Strafmaßnahmen absprechen.

Im Laufe des Tages stand ein Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe im weißrussischen Minsk an. Neben Vertretern der Ukraine, Russlands und der OSZE sollte daran auch ein Gesandter der Separatisten aus der Ostukraine teilnehmen. Lawrow forderte, bei den Gesprächen eine sofortige Waffenruhe anzustreben. Putin warf der Regierung in Kiew vor, kein Interesse an einem substanziellen politischen Dialog mit den Separatisten zu haben.

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