Google holt sich Experten für Quanten-Computer

Der Physiker John Martinis und sein Team sollen für Google Quanten-Computer entwickeln. Solche „intelligenten Maschinen“ können nicht nur extrem schnell Muster in Datenmengen wie dem Internet erkennen. Sondern sie ermöglichen auch das Knacken von Passwort-Verschlüsselungen.

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Google hat einen der weltweit führenden Quantenforscher eingestellt. Das Unternehmen verstärkt seine Anstrengungen, künstliche Intelligenz zu entwickeln und die Rechenleistung von Computern massiv zu steigern.

Der Physiker John Martinis und sein Team an der University of California Santa Barbara werden sich Googles Quantum Artificial Intelligence Lab anschließen, berichtet die Financial Times. Dies ist ein gemeinsames Projekt von Google, der US-Raumfahrtbehörde Nasa und der Universities Space Research Association, einem Zusammenschluss von mehr als 100 Universitäten mit höheren Studiengängen zur Raumfahrtforschung.

Martinis‘ Team wird sich an dem Versuch beteiligen, „neue Quantum-Informations-Prozessoren zu entwickeln und zu bauen, die auf der Supraleiter-Elektronik basieren“, sagt Googles Entwicklungsleiter Hartmut Neven in einem Blogeintrag.

Dies ist ein erneutes Zeichen dafür, dass Google an die Zukunft „intelligenter Maschinen“ glaubt. Im Mai hatte Google erstmals ein Promo-Video veröffentlicht, in dem normale Amerikaner mit einem selbstfahrenden Auto auf die Reise geschickt werden (mehr hier).

Zudem investiert Google seit einiger Zeit gezielt in die Rüstungsindustrie. So kaufte Google Anfang des Jahres den Drohnenhersteller Titan Aerospace. Bereits Ende 2013 kaufte Google den Roboter-Hersteller Boston Dynamics, den Hersteller der weltweit schnellsten Militär-Roboter, wegen ihres Aussehens auch Killer-Katzen genannt (mehr hier).

Im Januar zahlte Google 400 Millionen Pfund für das britische Start-up DeepMind, dessen gehirnartige Algorithmen auf riesige Datenmengen angesetzt werden können und die wie der menschliche Verstand lernen. Die Technologie ist besonders gut bei Berechnungen auf der Grundlage von Musterkennung, wie der Bildersuche oder der Suche nach der billigsten oder besten Wegstrecke zu einem bestimmten Ziel.

Google arbeitet bereits mit der Nasa zusammen, um Anwendungen für den D-Wave-Computer zu entwickeln. Dies ist kommerziell verfügbarer extrem schneller Computer, auch wenn umstritten ist, ob es sich dabei tatsächlich um einen echten Quantencomputer handelt (mehr hier).

In einer Präsentation für Google im letzten Oktober sprach Martinis über die Möglichkeiten der Quantentechnologie. Noch hat sein Team keinen Quantencomputer bauen können. „Es ist ein physikalischer Albtraum […] Wir arbeiten seit 20 Jahren daran.“

Doch die Forscher haben zumindest gezeigt, wie es theoretisch möglich ist, die einzigartige Fähigkeit der Elektronen zu nutzen, in zwei atomarischen Zuständen zu existieren. Dies könnte die Rechenkraft extrem erhöhen, weil dadurch auf demselben System mehrere Rechnungen gleichzeitig laufen können.

Anders Sandberg, ein Computer-Neurologe am Future of Humanity Institute der Oxford University, sagte, die Quantentechnologie sei wahrscheinlich nützlich, um komplizierte Suchalgorithmen für ungeordnete Daten laufen zu lassen. Viele der Webinhalte fallen in diese Kategorie, und durch die Verbreitung von an das Internet angeschlossen Geräten, des sogenannten „Internets der Dinge“, werden weitere solche Datenmengen anfallen.

„Das Interessante an Quantenüberlagerungen ist, dass man nicht nur mehrere Dinge gleichzeitig machen kann, sondern dass man Muster auf clevere Art und Weise herauskitzeln kann“, so Sandberg. „Künstliche Intelligenz hat viel mit der Suche nach Mustern zu tun und mit der Verknüpfung von Dingen. […] Unsere Gehirne verwenden sehr langsame Neuronen, doch sie verwenden diese sehr gut, weil sie parallel laufen.“

Als Beispiel nennt Martinis die Primzahlfaktorisierung einer 2048-Bit-Zahl, für die man heute einen Computer bräuchte, der fast so groß ist wie Nordamerika. Dieser müsste zehn Jahre lang laufen und dabei jeden Tag die gesamte Energie der Erde verwenden.

Ein Quantencomputer von der Größe eines Vorlesungsraumes könnte dieselbe Rechnung an nur einem Tag durchführen. Derartige Primzahlfaktorisierung können nützlich sein beim Knacken von Passwort-Verschlüsselungen.

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