HSH Nordbank: Draghi gefährdet Stabilität der Finanzmärkte

Die außergewöhnlichen Maßnahmen von EZB-Chef Mario Draghi lösen in der Finanzwelt erhebliche Sorge aus: Die Politik Draghis treibe die Anleger in immer neue Risiken, seine Maßnahmen höhlen das Vertrauen in die Notenbank aus, schreibt Cyrus de la Rubia von der HSH-Nordbank. Bisher waren solch klaren Worte ein Tabu unter aktiven Bankern.

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Mario Draghis Politik bringt zunehmend auch die Banken in Bedrängnis: Die EZB wird zu einer Art unkontrollierter, staatlicher Investmentbank. Die Risiken werden unübersehbar. Die Kritik an der Politik Draghis kommt nun auch von Analysten.

Cyrus de la Rubia von der HSH Nordbank schreibt in seinem Wochenbarometer:

Die Zinssenkung von 0,15 auf 0,05 Prozent mag man noch nachzuvollziehen. Immerhin ist die Inflation nochmals gesunken und der konjunkturelle Ausblick hat sich weiter eingetrübt. Vermutlich möchte Draghi den Banken die anstehenden TLTRO-Tender noch schmackhafter machen. 10 Basispunkte weniger Refinanzierungskosten können bei den Milliardenbeträgen, die die Finanzinstitute abrufen werden, einen Unterschied machen, wenngleich wir uns keinen echten realwirtschaftlichen Effekt davon erwarten.

Haariger wird es bei dem Ankaufprogramm für Covered Bonds. Dies sind erstrangige Bankschuldverschreibungen, die mit Hypothekenkrediten gedeckt sind (in Deutschland Pfandbriefe). Und hier verstrickt sich die EZB in Widersprüche. So sollen die TLTRO-Langfristtender explizit nicht dazu verwendet werden, mehr Hypothekenkredite zu vergeben. Durch diese Maßgabe sollte verhindert werden, dass die Liquidität der Notenbank für Investitionen im Immobilienmarkt genutzt werden und dort die Blasengefahr erhöht.

Diese Erfahrung hatte Großbritannien bei einem ähnlichen Kreditprogramm gemacht. Das Ankaufprogramm für Covered Bonds wird aber (und soll wohl auch) die Refinanzierung von Immobilienkrediten erleichtern. Gleiches gilt übrigens für verbriefte Hypothekenkredite, die in dem ABS-Ankaufprogramm enthalten sind.

Was also möchte die EZB? Geht es ihr um ein „Credit Easing“, wie Draghi auf der Sitzung betont hat, also eine Erleichterung bei der Refinanzierung von Banken? Oder geht es darum, mehr Liquidität in die Märkte zu pumpen, ohne den Weg über den Ankauf von Staatsanleihen zu nehmen – der offensichtlich (noch) nicht mehrheitsfähig war? Widersprüchlich bleibt der Beschluss der Notenbank in jedem Fall.

Die EZB hat verlernt, eine Politik der ruhigen Hand zu betreiben. Ständig kündigt sie neue Maßnahmen an, wie zuletzt in Jackson Hole, und setzt sich damit selber unter Druck, den Ankündigungen auch Taten folgen zu lassen. So eine Politik kostet Vertrauen in die strategischen Fähigkeiten der Notenbank. Deshalb muss man wohl erwarten, dass kurzfristig noch weitere Schritte folgen werden. Für die Stabilität der Finanzmärkte ist dies problematisch, weil bei der Jagd nach Rendite die Investoren die Risiken immer stärker ausblenden. Die Erfahrung der USA zeigt im Übrigen, dass der Ausstieg aus der QE-Politik ein Experiment mit großer Explosionsgefahr darstellt. Man kann nur hoffen, dass die Konjunktur in der Eurozone schon bald wieder Tritt fasst. Nur so wird die EZB der selbst aufgestellten QE-Falle entgehen.


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