Deutsche haben mehr Sorge wegen Euro-Krise als vor Ukraine-Krieg

Trotz aller Beteuerungen ist es der Bundesregierung nicht gelungen, die Deutschen in Sachen Euro-Krise zu überzeugen: Die Angst, der deutsche Steuerzahler müsse für die Folgen der Euro-Krise in anderen Staaten haften, ist nach wie vor Spitzenreiter unter den Ängsten. Die Ukraine dagegen scheint weit abgeschlagen: Sie rangiert sogar hinter der Sorge vor einem Auseinanderbrechen der Euro-Zone.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic
Die Deutschen haben deutlich weniger Angst vor Spannungen durch Ausländer als vor der Möglichkeit, durch die Schulden-Krise massiv belastet zu werden. (Grafik: R+V)

Die Deutschen haben deutlich weniger Angst vor Spannungen durch Ausländer als vor der Möglichkeit, durch die Schulden-Krise massiv belastet zu werden. (Grafik: R+V)

„Am meisten Sorgen machen sich die Bundesbürger ums Geld, die Umwelt und ihre eigene Gesundheit“, so Rita Jakli, Leiterin des R+V-Infocenters, auf einer Pressekonferenz in Berlin. „Die Mehrheit der Deutschen befürchtet, dass die Euro-Schuldenkrise die Steuerzahler teuer zu stehen kommt und die Lebenshaltungskosten weiter steigen.“ Mehr als jeder zweite Bundesbürger hat Angst vor zunehmenden Naturkatastrophen und davor, im Alter auf Pflege angewiesen zu sein.

Seit vier Jahren ergänzt das R+V-Infocenter die 16 Standardfragen der Langzeitstudie um Sonderfragen zur Euro-Schuldenkrise. Und seither überflügelt die Sorge, dass die deutschen Steuerzahler die Kosten der Schuldenkrise in der Euro-Zone schultern müssen, alle anderen Ängste. Obwohl diese Angst gegenüber dem Vorjahr um 8 Prozentpunkte zurückgegangen ist, bleibt sie mit 60 Prozent noch immer auf hohem Niveau. Professor Dr. Manfred G. Schmidt, Politologe an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und Berater des R+V-Infocenters, hält die Sorgen der Deutschen für berechtigt: „Deutschland gehört zu den Ländern, die in großem, überproportionalem Umfang haften und zur Kasse gebeten werden, wenn überschuldete EU Mitgliedstaaten Unterstützung bekommen.“ An Schrecken verloren hat dagegen die Befürchtung, dass die Schuldenkrise den Euro gefährden könnte (45 Prozent, Vorjahr: 53 Prozent).

Seit mehr als 20 Jahren befragt das R+V-Infocenter in einer repräsentativen Studie rund 2.400 Bürger nach ihren größten wirtschaftlichen, politischen und persönlichen Ängsten. Bei den 16 langjährig abgefragten Ängsten steht 2014 die Furcht vor steigenden Lebenshaltungskosten mit 58 Prozent an der Spitze (Vorjahr: 61 Prozent) und ist damit seit dem Start der Studie im Jahr 1992 bereits zum 15. Mal auf Platz 1. „Die Bürger registrieren sehr aufmerksam, dass nicht nur die steigenden Nahrungsmittelpreise zu den hohen Lebenshaltungskosten beitragen“, so Schmidt. „Der weit ausgebaute Sozialstaat und der anspruchsvolle Umweltschutz in Deutschland fordern ihren Tribut und verknappen das verfügbare Einkommen vor allem durch hohe Sozialabgaben und Steuern sowie durch steigende Gebühren für Strom, Gas, Wasser und Abfallbeseitigung.“

*** Bestellen Sie den täglichen Newsletter der Deutschen Wirtschafts Nachrichten: Die wichtigsten aktuellen News und die exklusiven Stories bereits am frühen Morgen. Verschaffen Sie sich einen Informations-Vorsprung. Anmeldung zum Gratis-Newsletter hier. ***


media-fastclick media-fastclick