Obst und Gemüse: Russland-Sanktionen kosten EU-Steuerzahler 180 Millionen Euro

Die russischen Gegen-Sanktionen gegen die EU haben Brüssel veranlasst, 180 Millionen Euro aus Steuergeldern an die Bauern auszuzahlen. Damit sollen deren Einbussen kompensiert werden. Damit können die Bauern zwar kurzfristig ihre Verluste wettmachen. Doch langfristig könnte Russland als Absatzmarkt wegbrechen, weil in der Zwischenzeit andere Nationen Russland als Kunden gewinnen können.

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Vor allem die polnische Landwirtschaft ist vom russischen Import-Verbot besonders betroffen. (Foto: DWN)

Vor allem die polnische Landwirtschaft ist vom russischen Import-Verbot besonders betroffen. (Foto: DWN)

Als Antwort auf die Sanktionen von EU und USA in der Ukraine-Krise hat Russland seinerseits Strafmaßnahmen gegen den Westen erlassen. So wurde für ein Jahr die Einfuhr von vielen Lebensmitteln gestoppt – darunter Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch und Milchprodukte. Dadurch landen mehr Produkte auf dem europäischen Markt – was zwar die Preise für die Verbraucher drückt, die Erzeuger aber belastet.

Die EU stellt Geld bereit, um ein Überangebot auf dem europäischen Markt zu verhindern und damit Produzenten zu helfen. Hilfe gibt es für Erzeuger von knapp 20 leicht verderblichen Obst- und Gemüsesorten. Die Produkte werden aufgekauft, auch Entschädigungen für Ernteverzicht oder Ernteabbruch sind möglich. Milchbauern und Käsehersteller bekommen Geld für die Einlagerung von Butter, bestimmter Käsesorten und Magermilchpulver. EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos beziffert den Wert der Hilfsmaßnahmen auf etwa 180 Millionen Euro.

Unmittelbare Auswirkungen gibt es für relativ leicht verderbliches Obst und Gemüse wie Äpfel, Tomaten, Pfirsiche oder Gurken. Obst lieferten aus Europa bisher vor allem Polen, Spanien und Griechenland nach Russland. Gemüse bezog Moskau vornehmlich aus die Niederlanden, Polen und Spanien. Auch der Milchsektor leidet, insbesondere Käse- und Butterproduzenten. Mehr als 90 Prozent der Käseexporte aus Finnland und den baltischen Staaten gingen bisher nach Russland. Für die Niederlande, Deutschland und Polen liegt diese Quote bei etwa 40 Prozent.

Der Fleischsektor verkraftet den Importstopp nach EU-Angaben auch dank lebhafter Nachfrage zum Beispiel in Asien bisher relativ gut. Schweinefleischimporte aus Europa verbot Moskau unter Verweis auf die in einigen EU-Staaten auftretende Afrikanische Schweinepest schon im Februar. Auch die Geflügelbranche ist nach Brüsseler Einschätzung robust. Schwieriger ist die Lage im ohnehin schwächelnden Rindfleischsektor.

Der europäischen Agrarbranche ist mit Russland nach den USA ihr zweitwichtigstes Exportziel weggebrochen. Ein Zehntel aller landwirtschaftlichen Güter gingen bisher nach Russland. Rund 40 Prozent davon fallen nach EU-Berechnungen unter den russischen Importstopp. Der Wert dieser Güter beläuft sich nach Zahlen aus dem Vorjahr auf 5,1 Milliarden Euro. Damit sind auf einen Schlag viel mehr Lebensmittel auf dem europäischen Markt. «Das Verbot hat bereits einen unmittelbaren negativen Einfluss auf die Preise in einigen Bereichen», schreibt die EU-Kommission in einer internen Analyse.

Bei einigen Produkten werden die Konsumenten von niedrigeren Preisen profitieren. Hans-Christoph Behr, Bereichsleiter Gartenbau bei der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI), berichtet etwa mit Blick auf den Apfelmarkt: «Die Erzeugerpreise sind schon ziemlich unter Druck.» Allerdings liege dies nicht nur an dem russischen Importstopp. Auch die europaweit üppige Apfelernte mache sich bemerkbar. Bei Milchprodukten habe das Russland-Embargo den ohnehin vorhandenen Preisdruck ebenfalls weiter verstärkt, heißt es beim AMI. Die Butterpreise in Deutschland sind bereits ins Rutschen geraten. Und andere Milchprodukte wie Joghurt oder Frischmilch könnten in den nächsten Monaten folgen.

Zwar entlasten die sinkenden Preise die Haushaltskasse der Konsumenten, die Bauern schlagen jedoch Alarm. So warf jüngst der Deutsche Bauernverband Handelsketten vor, den Importstopp zulasten der Erzeuger auszunutzen. Auf den deutschen Bauern laste infolge des Einfuhrverbots ein starker Preisdruck, argumentiert der Verband. Der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH) wies den Vorwurf entschieden zurück. Außerdem fürchtet die Lebensmittelbranche, dass Russland als Markt längerfristig verloren gehen könnte.

Auch Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) plädiert dafür, das Wohlergehen der Erzeuger im Auge zu behalten. «Die Apfel, die jetzt auf den Markt kommen, sind überwiegend schon unsere deutschen Äpfel», sagt er mit Blick auf die Erntesaison. «Und die sind dann gut, wenn sie auch den Produzenten miternähren.»


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