Ukraine meldet Bruch der Waffenruhe, verlegt Truppen nach Mariupol

Die ukrainische Armee nutzt die Waffenruhe im Osten offenbar, um sich neu zu gruppieren. Auf Facebook meldete der ukrainische Innenminister Arsen Awakow, dass neue Truppen nach Mariupol verlegt worden seien. Die Stadt war vor der Waffenruhe beinahe in die Hände der Rebellen gefallen. Beide Konfliktparteien werden sich gegenseitig den Bruch der Waffenruhe vor.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic
Will Vernon von der BBC übermittelte dieses Foto aus Mariupol. Es soll die Folgen von Artillerie-Beschuss zeigen. (Foto: via Twitter)

Will Vernon von der BBC übermittelte dieses Foto aus Mariupol. Es soll die Folgen von Artillerie-Beschuss zeigen. (Foto: via Twitter)

Bei erneuten Gefechten in der ukrainischen Hafenstadt Mariupol sind in der Nacht zum Sonntag nach Behördenangaben eine Frau getötet und drei weitere Menschen verletzt worden. Die Nachrichtenagentur Reuters zitiert ungenannte Medien-Berichte, denen zufolge die 33-Jährige das erste zivile Todesopfer nach der Vereinbarung einer Waffenruhe für die Ostukraine am Freitag sei. Auch in Donezk es wieder zu Kämpfen gekommen sein.

Die ukrainische Regierung will die Feuerpause offenbar nutzen, um sich neu zu gruppieren. Innenminister Arsen Awakow schrieb auf seiner Facebook-Seite, die Armee habe zusätzliche Truppen in die Hafenstadt Mariupol gebracht: „Zusätzliche Truppen wurden dorthin verlegt, so auch die 1. Operative Brigade der Nationalgarde.“ In Mariupol war es vor der am Freitag vereinbarten Waffenruhe zwischen Militär und Rebellen fast schon zur entscheidenden Niederlage der ukrainischen Armee gekommen. Doch nun fasst Kiew neuen Mut: „Mariupol ist und bleibt ukrainisch“, schrieb Awakow.

In der Ukraine soll es bereits in der Nacht zu einem Bruch der Waffenruhe gekommen sein. Ein Reuters-Reporter hat Artilleriefeuer gehört, die Ukraine meldete einen Artillerieangriff, Die Artillerie wird in der Regel den Russen zugeordnet, die angeblich seit Wochen von russischem Territorium auf die Ukraine feuern. Bereits am Samstag hatte Kiew den Beschuss durch Artillerie gemeldet.

Das Rote Kreuz meldete am Samstag, dass ein Hilfskonvoi wegen Beschusses nicht nach Lugansk durchgekommen sei. Die Lastwagen mit Hilfsgütern mussten umkehren.

Die Nachrichtenagentur Ukrinform schreibt, dass es 28 Angriffe in 24 Stunden gegeben haben soll. Die Nachrichtenagentur AP meldet dagegen, dass die Schüsse vom östlichen Stadtrand von Mariupol abgefeuert worden sein sollen, der noch von ukrainischen Truppen gehalten wird. Auch ein Reporter der Bild-Zeitung, der einmal einen der Rebellenführer als verrückt bezeichnet hatte, versandte über Twitter ein Foto, das eine brennende Tankstelle zeigen soll.

Wie unübersichtlich die Lage ist, zeigt ein Tweet der Rebellen von der Volksrepublik Donezk: Demnach hätten die Rebellen Mariupol eingenommen, was allerdings von keiner anderen Quelle auch nur ansatzweise bestätigt wurde.

Die Regierung in Kiew hatte gedroht, bei Provokationen militärisch zu antworten.

Die Reuters-Meldung im Wortlaut:

In der Ostukraine sind beim ersten ernsthaften Bruch der Waffenruhe ukrainische Regierungstruppen unter Artilleriebeschuss geraten. In der Hafenstadt Mariupol war am Samstagabend anhaltendes Artilleriefeuer aus östlicher Richtung zu hören, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur Reuters berichtete. Der Journalist sah zudem, dass eine Industrieanlage, ein Lastwagen sowie eine Tankstelle innerhalb der Stadtgrenzen in Brand gerieten. Ein Offizier der ukrainischen Armee erklärte vor Ort: „Es gab einen Artillerieangriff. Wir haben eine Reihe von Einschlägen abbekommen, aber noch keine Informationen über Opfer.“ Lastwagen transportierten aufgeregt aussehende Freiwillige der regierungstreuen Miliz nach Osten. Panzer und andere gepanzerte Fahrzeuge brachen in gleicher Richtung auf.

Rund 30 Stunden vorher hatten die Konfliktparteien einen Waffenstillstand vereinbart, der abgesehen von vereinzelten Schüssen auch gehalten hatte. Auch in der Umgebung des Hafens von Mariupol am Asowschen Meer war es nach heftigen Kämpfen am Freitag nach Verkündung der Waffenruhe ruhig geblieben. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko und sein russischer Amtskollege Wladimir Putin waren sich bei einem Telefonat ebenfalls einig gewesen, dass der Waffenstillstand halte. Es seien aber weitere Maßnahmen nötig, um ihn dauerhaft zu machen. Die große Skepsis der Bevölkerung zeigte aber gleichzeitig, wie groß das Misstrauen und wie verhärtet die Fronten sind.

Sollte die Waffenruhe nicht halten, sollen Anfang der Woche neue Sanktionen gegen Russland in Kraft treten. Die EU-Botschafter hatten sich am Freitag auf eine Verschärfung der Strafmaßnahmen gegen Russland verständigt. Wirksam werden sollen sie allerdings erst zu Beginn der Woche. Die EU erklärte zudem, die zusätzlichen Strafmaßnahmen könnten ausgesetzt werden, wenn Russland seine Soldaten aus der Ostukraine abziehe und die neu vereinbarte Waffenruhe zwischen prorussischen Separatisten und ukrainischen Regierungseinheiten eingehalten werde.


media-fastclick media-fastclick