Es gibt keine Kontrolle: Zentralbanken spekulieren mit Futures

Die größte Terminbörse der Welt, der Chicago Mercantile Exchange, bietet ein „Anreizprogramm“ für internationale Zentralbanken. Diese sollen durch Frei-Trades, Gebührenvorteile und geringe Rabatte auf jeden Trade zur verstärkten Spekulation mit Futures veranlasst werden. Es geht dabei unter anderem um Futures auf Energie, Edelmetalle und Rohwaren. Die Zentralbanken greifen damit massiv in die globale Wirtschaft ein.

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Es ist bekannt, dass Zentralbanken weltweit in den Handel mit Staatsanleihen eingreifen. Über sogenannte Offenmarktgeschäfte handeln sie Geldmarktpapiere und auch Staatsanleihen, um das Zinsniveau zu beeinflussen. Besonders berüchtigt ist in dem Zusammenhang das sogenannte „QE“-Programm (QE steht für „quantitative easing“) der US-Zentralbank Fed, welche in massivem Umfang US-Staatsanleihen aufkaufte.

Die CME Group entstand 2007 durch die Fusion der zwei US-Börsen Chicago Mercantile Exchange und Chicago Board of Trade. Sie betreibt diese beiden gleichnamigen Handelsplätze sowie weitere wie die NYMEX in New York. Durch die Fusion wurde die CME Group zur größten Terminbörse der Welt. Die zuvor führende europäische EUREX wurde auf Platz 2 verwiesen. Die CME Group hat bis 31.12.2014 ein Anreizprogramm für ausländische Zentralbanken. Diese sollen zur Spekulation mit Futures an einer ihrer Handelsplätze veranlasst werden. Es geht dabei keineswegs nur um Zins-Futures wie die U.S. Treasury Futures, sondern explizit auch um Futures und Optionen auf Metalle, Energie und landwirtschaftliche Güter.

Damit wird es Zentralbanken weltweit erleichtert, auch außerhalb des Geld- und Anleihenmarktes Preise bei anderen Vermögensanlagen künstlich zu verzerren. Abgestimmte Käufe oder Verkäufe in massiver Form können so auch die Preise von z.B. Edelmetallen in die eine oder andere Richtung zerren. Dies dürfte im Sinne der Europäischen Zentralbank (EZB) sein, welche zuletzt verstärkt Ambitionen zeigte, ins direkte Bankgeschäft einzusteigen. Am 27. August meldeten die Deutschen Wirtschaftsnachrichten, dass die EZB den Auftrag für die Entwicklung des Designs des Programms für Kreditverbriefungen (sogenannte „ABS“) an die New Yorker Black Rock Inc. vergeben hat.

Damit betritt die EZB vermintes Gelände: Denn die „ABS“ mit den verbrieften Risiko-Hypotheken und mehrhundertseitigen Dokumentationen waren neben sogenannten CDOs Hauptgrund für die massive Hypothekenkrise in den USA des Jahres 2008. Es stellt sich die Frage, wohin die EZB noch möchte. Die Möglichkeit, sogar mit Vergünstigungen auf Preisentwicklungen bei landwirtschaftlichen Gütern und Edelmetallen zu setzen, gehört sicher nicht zum Kerngeschäft einer Zentralbank. Doch Mario Draghi will mehr: Er will, dass die Finanzströme in Europa in der EZB einen sicheren  Hafen finden.

Ein weiteres Problemfeld sind die fehlenden Kontrollmöglichkeiten. Für private Banken und deren Kapitalmarkttransaktionen sind Aufsichtsbehörden zuständig. Doch wer kontrolliert die Zentralbanken, wenn diese mit Futures und Optionen „zocken“? Zu bedenken ist hierbei, dass einige Zentralbanken nicht in staatlichem, sondern im privaten Besitz sind. Dies gilt zum Beispiel für die US-Notenbank, aber auch für die italienische Zentralbank. So gilt die Banca d´Italia formal als Privatnotenbank, deren Aktien von ca. 60 Versicherungen und Banken gehalten werden. Da die Zentralbanken selber keiner Kontrolle unterliegen, droht hier die Entstehung eines Kartells, welches andere Marktteilnehmer übervorteilen kann.


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