Rekord: Investoren müssen zahlen, um Schäuble Geld zu leihen

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble kann weiter auf Kosten der Sparer Schulden machen. Bei der Auktion für Bunds am Montag mussten Investoren sogar via Negativzins draufzahlen, um Staatsanleihen zu erwerben.

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Für Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble lohnt sich das Schuldenmachen mehr denn je. Bei der ersten Auktion sechsmonatiger Schatzanweisungen nach der neuerlichen Zinssenkung der EZB mussten sich Investoren am Montag mit einer negativen Rendite von 0,0934 Prozent begnügen. Das ist ein neuer Rekord. Die Anleger erhalten damit nicht wie üblich Geld vom Bund, sondern müssen selbst draufzahlen.

Trotzdem zog die Nachfrage nach den Schatzanweisungen an: Sie übertraf das Angebot um das 2,9-Fache. Bei der vorherigen Auktion am 11. August gab es bei einer negativen Durchschnittsrendite von 0,0026 Prozent eine 2,3-fache Überzeichnung. Die Auktion spülte diesmal 1,895 Milliarden Euro in die Staatskasse.

Die Europäischen Zentralbank hatte ihren Leitzins vorigen Donnerstag überraschend von 0,15 auf 0,05 Prozent gesenkt. Außerdem erhöhte sich den Strafzins für Banken, die Geld bei ihr parken, von 0,1 auf 0,2 Prozent.

Als schlechten Tag für die Sparer in ganz Europa hat der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Georg Fahrenschon, diese Zinssenkung durch die EZB bezeichnet. Die Zinskosmetik verdeutliche, dass die Zentralbank immer näher an das Ende ihrer geldpolitischen Möglichkeiten stoße. „Es ist schon heute zu viel Liquidität im Markt, die Gefahr krisenhafter Zuspitzungen steigt durch den heutigen Zinsschritt weiter“.

Die Zentralbank hätte gut daran getan, Ruhe zu bewahren, um zunächst die bereits getroffenen Maßnahmen wirken zu lassen“, so der DSGV-Präsident. Angesichts des sehr niedrigen Preisauftriebs im Euroraum und der stockenden wirtschaftlichen Erholung könne man in gewissem Umfang Verständnis für den empfundenen Handlungsdruck entwickeln. „Der neuerliche Miniatur-Schritt bewirkt in der Sache aber gar nichts und verstärkt den Eindruck einer reinen Getriebenheit der Notenbank“, sagte Fahrenschon.

Ohnehin zeige der zuletzt deutlich rückläufige Außenwert des Euro bereits eine Entspannung bei Preisen und Konjunktur, die ein Abwarten gerechtfertigt hätte. Mit dem weiter ins Negative verschärften Strafzins für die Einlagefazilität nähere sich die EZB zudem einem Punkt, an dem sie eine verstärkte Bargeldhaltung provoziere. Die Konkretisierung des Ankaufs weiterer Assetklassen – vor allem wohl ABS – zeige, dass die EZB auch nicht davor zurückschrecke, aktiv in immer mehr Märkte einzugreifen. „Die EZB übernimmt damit immer mehr Risiken in die eigenen Bücher.“

Die Ankäufe von Covered Bonds scheinen dagegen auf den ersten Blick in der Tradition schon gesehener früherer Programme der EZB zu stehen. Die Stoßrichtung sei allerdings diesmal anders. „Wir müssen sehr gut achtgeben, dass dies nicht schon der Einstieg in ein Quantitative Easing ist“, so Fahrenschon. Wichtigstes Ziel müsse es bleiben, die Krisen durch Strukturreformen zu überwinden. Fahrenschon: „Die EZB sollte nicht länger versuchen zu tun, was sie nicht erreichen kann. Sie nimmt nur den Handlungsdruck von den eigentlich Verantwortlichen.“

Im Schatten der geopolitischen Wirrnisse wandelt Mario Draghi die EZB zu einer über allen stehenden Großbank und zugleich zu einer Planungskommission um. Innerhalb der EU wird die EZB unwiderruflich zum Staat um Staate. Die Regierungen schauen tatenlos zu, weil sie hoffen, dass die EZB sie damit von den europäischen Staatsschulden befreit. Der Preis ist ein nicht demokratisch legitimierter oder kontrollierter Einheitsstaat. Napoleon Bonaparte würde vor Neid erblassen.

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