Obama-Ökonom: USA sollen Dollar als Welt-Währung aufgeben

Erstmals gerät die Stellung des Dollar als Weltreserve-Währung auch in den USA selbst in die Kritik. Obamas früherer Chefökonom sagt, die Anhäufung von Dollar-Reserven im Ausland mache die US-Währung zu stark. Dies zerstöre Arbeitsplätze in den USA und schwäche die Wirtschaft. Die Amerikaner könnten sich daher das Privileg der Weltreserve-Währung nicht mehr leisten.

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Die USA sollten den Status des Dollar als Weltreserve-Währung aufgeben, denn dies schade der US-Wirtschaft, sagt Jared Bernstein, von 2009 bis 2011 Chefökonom von US-Vizepräsident Joe Biden und Mitglied von Barack Obamas Wirtschaftsteam. Man müsse den „König Dollar vom Thron reißen“, um die wirtschaftliche Erholung in den USA zu erleichtern.

Die Rolle des US-Dollar als Weltreserve-Währung ist „ein grundlegendes Prinzip der amerikanischen Wirtschaftspolitik“, schreibt Bernstein in der New York Times. Zwar räumt er ein, dass es eigentlich im Interesse der USA liegen müsste, dass ihre Währung von ausländischen Banken und Regierungen als Reserve gehalten wird. Doch tatsächlich, so Bernsteins überraschende These, schadet dies heute der US-Wirtschaft:

Neue Forschungen zeigen, dass was einst ein Privileg war, heute eine Belastung ist, ein Arbeitsplatzwachstum behindert sowie den Haushalt und die Handelsdefizite aufpumpt und Finanzblasen aufbläst. Um die amerikanische Wirtschaft auf den richtigen Weg zu bringen, muss die Regierung ihr Bekenntnis zur Aufrechterhaltung des Reservewährungsstatus des Dollar fallen lassen.“

Bernstein begründet dies damit, dass verschiedene Länder, darunter China, Singapur und Südkorea, den Wert ihrer Währungen relativ zum Dollar absenken. Sie drucken massiv eigenes Geld und kaufen damit Dollar, wodurch sich der relative Wert des Dollar erhöht. Infolge dieses Anhäufens von Dollar-Reserven im Ausland lag das Handelsdefizit der USA im vergangenen Jahr bei 475 Milliarden Dollar. Allein mit China hatten die USA ein Handelsdefizit von 318 Milliarden Dollar.

Erklärtes Ziel dieser Abwertung der eigenen Währung ist es, die Exporte billiger zu machen. Kurzfristig wird dieses Ziel durchaus erreicht. Denn weil die USA im Ausland weniger Dollar pro Ware zahlen müssen, kaufen sie dort mehr. Doch die ausländischen Unternehmen und Arbeiter werden in der Folge mit einem Geld bezahlt, das aufgrund der Abwertung weniger wert ist als zuvor. Sie sind die Verlierer dieses Währungskriegs.

Bernstein sagt nun, dass auch die Vereinigten Staaten unter diesem Abwerten der ausländischen Währungen leiden. Denn die USA würden dadurch gezwungen, weniger zu sparen und mehr zu konsumieren, als sie selbst herstellen. Auf diese Weise komme es zu Handelsdefiziten.

Bernsteins Argumentation macht das Ausland für den Dollar-Export der USA verantwortlich. Doch niemand zwingt die USA dazu, massive Schulden aufzubauen und mithilfe der Stellung des Dollar auf Kosten des Restes der Welt zu leben. Sie tun dies freiwillig, denn mehr konsumieren, als man selbst herstellt, ist natürlich sehr verlockend. Doch Bernstein sagt:

„Solange der Dollar die Reservewährung ist, kann sich Amerika Handelsdefizit verschlechtern, obwohl wir nicht direkt handeln. Angenommen Südkorea hat einen Handelsüberschuss mit Brasilien. Indem Südkorea einen Überschuss in US-Staatsanleihen anlegt, stärkt es den Wert des Dollar gegenüber anderen Währungen, und unser Handelsdefizit erhöht sich, obwohl die ursprüngliche Transaktion nicht mit den Vereinigten Staaten zu tun hatte.“

Die USA haben allerdings sehr wohl etwas damit zu tun, dass sie die Welt seit Jahrzehnten mit dem Dollar und mit ihren Staatsanleihen fluten. Das Ausland legte einen Großteil seiner überschüssigen Dollar in Staatsanleihen an, damit es zumindest einen kleinen Zins auf die Papiere gibt, mit denen die USA wirkliche Waren und Rohstoffe kaufen. Dies ermöglichte den USA über Jahrzehnte einen massiven Wohlstand.

Doch das Resultat dieser Entwicklung ist eine „unzureichende heimische Nachfrage in Amerikas eigenem Arbeitsmarkt“, so Bernstein. Das heißt, Arbeitsplätze in den USA sind relativ teuer. Einer Schätzung von Kenneth Austin, Ökonom im US-Finanzministerium, zufolge gingen aufgrund des Weltreservestatus des Dollar 2008 in den USA rund 6 Millionen Arbeitsplätze verloren.

Der Dollar wird auf den Märkten aktuell sehr hoch bewertet. Seit Anfang Juli ist der Dollar-Index um fast 5 Prozent gestiegen. In Zeiten der geopolitischen Krise ist die Nachfrage der Investoren offenbar groß. Bernstein sagt, es wäre es einfacher, „König Dollar vom Thron zu reißen“, als die Leute denken.

„Amerika könnte zum Beispiel Regeln durchsetzen, die anderen Staaten verbieten, zu viel von unserer Währung erwerben. Tatsächlich tun andere genau dies, um den Export von Jobs zu verhindern. Das letzte Beispiel ist Japans Eingreifen, um den Wert des Yen niedrig zu halten, als die Zentralbanken in Asien und Lateinamerika begannen, japanische Schulden zu kaufen.“

Wenn die USA dem Ausland verbieten, zu viele Dollar zu erwerben, dann hätte dies zur Folge, dass die Nachfrage nach US-Staatsanleihen zurückgeht und die Zinsen steigen. Bernstein erwähnt nicht, dass die USA schon heute in einer Phase mit extrem niedrigen Zinsen einen Großteil ihrer Steuereinnahmen für Zinszahlungen einsetzen müssen. Steigen die Zinssätze, droht den USA die sofortige Staatspleite. Die USA können es daher sich gar nicht leisten, die Stellung des Dollar als Weltreserve-Währung aufzugeben.

Ein schwächerer Dollar würde offenbar die Preise in den USA ansteigen lassen. Denn Importe wären dann teurer. Doch Berstein sagt, dass die Inflationsrate heute bei nur 1 bis 2 Prozent liegt. Eine Steigerung auf 2 bis 3 Prozent sei hinnehmbar, da zum Ausgleich gebe es höherwertige Jobs, eine stabilere wirtschaftliche Erholung und eine wiederbelebte Industrie. „Das Privileg, die Weltreserve-Währung zu haben, können sich die USA nicht mehr leisten“, so Bernstein.


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