1,8 Millionen Katalanen auf der Straße: Größte Demonstration in der Geschichte Barcelonas

Mit 1,8 Millionen Teilnehmern hat Barcelona am Donnerstag die bisher größte Demo seiner Geschichte erlebt. Die Katalanen wollen weg von Spanien. „Stellt die Wahlurnen bereit!“, forderte die Separatisten-Führerin Carme Forcadell den katalanischen Premier Artur Mas auf.

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Bei einer der größten Kundgebungen in der Geschichte Barcelonas haben Hunderttausende Menschen die Abspaltung Kataloniens von Spanien gefordert. Die städtische Polizei schätzte die Zahl der Teilnehmer auf 1,8 Millionen. Damit wäre der vor einem Jahr mit 1,6 Millionen aufgestellte Rekord gebrochen worden.

«Unabhängigkeit, Unabhängigkeit», skandierten die Menschen am Donnerstag im Zentrum der katalanischen Metropole. Zwei Hauptstraßen, die an einem Platz zusammenlaufen, füllten sich über eine Distanz von elf Kilometern mit Menschen. Dabei wurde ein «V» für «Victoria» (Sieg) gebildet.

Die Demonstration verlief völlig friedlich. Die spanische Polizei rüstet jedoch bereits für einen heißen Herbst auf: Schwere Gerätschaften wurden gekauft, um im Falle von Ausschreitungen mit aller Härte vorgehen zu können.

Die mehrheitlich in den katalanischen Nationalfarben Gelb und Rot gekleideten Demonstranten forderten, dass das für den 9. November angekündigte Referendum über die politische Zukunft Kataloniens stattfinden soll. Die Zentralregierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy in Madrid weist diese Volksbefragung als illegal zurück und will sie nach eigenen Angaben «mit allen Mitteln» verhindern.

«Stellen Sie die Wahlurnen bereit», forderte die Präsidentin der Separatisten-Bewegung Katalanische National-Versammlung (ANC), Carme Forcadell, den Chef der Regionalregierung, Artur Mas, auf. Die Demonstranten jubelten, darunter auch Politiker verschiedener Parteien, Gewerkschaftsvertreter, Künstler und Sportler. Unter den Teilnehmern war auch Fußball-Star Gerard Piqué vom FC Barcelona.

Zu Beginn der Feiern warnte Mas die Zentralregierung: «Ein Volk zum Schweigen zu bringen, das sich äußern möchte, ist ein Fehler.» Zuvor hatte der Führer des liberal-christdemokratischen Parteienbündnisses CiU erklärt, man wolle Europa und der Welt mit der Kundgebung zeigen, «welche demokratische Qualität» die Souveränitätsbewegung in Katalonien in dieser entscheidenden Phase habe.

Bei der Kundgebung anlässlich des 300. Nationalfeiertages der Region im Nordosten Spaniens herrschte Festtagsstimmung. Es gab Ansprachen und Musikaufführungen. Nennenswerte Zwischenfälle wurden nicht gemeldet.

Vor einem Jahr hatten nach Schätzung der Organisatoren 1,6 Millionen Befürworter der Trennung Kataloniens von Spanien eine 400 Kilometer lange Menschenkette quer durch ihre Region gebildet. Die Katalanen blicken nun mit besonderem Interesse nach Schottland, wo am 18. September über die Unabhängigkeit abgestimmt wird.

Katalonien ist mit 7,6 Millionen Einwohnern für Spanien eine sehr wichtige Region: Trotz Wirtschaftskrise und einer Arbeitslosenquote von mehr als 22 Prozent wird dort rund ein Fünftel des gesamten Bruttoinlandsprodukts des südeuropäischen Landes erwirtschaftet. Die Befürworter der Loslösung von Spanien meinen, ein unabhängiges Katalonien würde einen höheren Lebensstandard erreichen.

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