IWF warnt: Schottische Unabhängigkeit ist Gefahr für das Finanz-System

Nun stimmt auch der IWF in den Chor der Apokalyptiker ein, die sich vor der schottischen Unabhängigkeit fürchten: Der IWF erwartet sogar Turbulenzen“ für das globale Finanzsystem. Erstaunlich: Wenn ein kleines Volk von seinem Selbstbestimmungsrecht Gebrauch machen will stürzt gleicht die Welt zusammen?

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Christine Lagarde springt David Cameron zur Seite: Fürchtet der IWF, dass Schottland der Scwarze Schwan ist? (Foto: consilium)

Christine Lagarde springt David Cameron zur Seite: Fürchtet der IWF, dass Schottland der Scwarze Schwan ist? (Foto: consilium)

Wenige Tage vor dem Referendum über eine Unabhängigkeit Schottlands warnt der Internationale Währungsfonds (IWF) vor kurzfristigen Turbulenzen an den Finanzmärkten. Der größte unmittelbare Effekt einer Abspaltung dürfte die Unsicherheit beim Übergang zu möglicherweise neuen und unterschiedlichen Rahmenbedingungen im Währungs-, Finanz- und Steuersystem in Schottland sein, sagte IWF-Sprecher Bill Murray am Donnerstag. Die langfristigen Auswirkungen hingen indes von den Entscheidungen ab, die während dieser Phase getroffen würden.

Die Furcht vor einem „Ja“ der Schotten zur Unabhängigkeit hatte die Finanzmärkte erst vor wenigen Tagen in Aufregung versetzt. Sie erholten sich später wieder, als die Spekulationen auf eine baldige Unabhängigkeit nachließen. Die Schotten stimmen am 18. September über eine Loslösung ab.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat die Hoffnung geäußert, dass die Schotten beim Referendum am 18. September gegen eine Abspaltung von Großbritannien stimmen werden. „Ich glaube, es ist ein guter Rat für einen deutschen Außenminister, sich nicht in die britische Innenpolitik einzumischen“, sagte Steinmeier am Donnerstag. „Aber ich gebe Ihnen offen zu, mir wäre wohler, mir vorzustellen, dass Großbritannien beieinander bleibt.“ Gut eine Woche vor dem Referendum hatte eine neue Umfrage eine knappe Mehrheit gegen eine Abspaltung ergeben. An den Finanzmärkten erholte sich deshalb der Wert des britischen Pfundes wieder.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte Ende August gesagt, sie fürchte kein Überschwappen der schottischen Unabhängigkeitbestrebungen auf andere EU-Staaten. Sie wolle sich nicht einmischen. „Im Gegensatz zum Referendum auf der Krim ist das schottische Referendum (aber) mit der Regierung in London abgestimmt. Dort findet ein fairer Wahlkampf statt. Insofern habe ich nichts zu kritisieren“, betonte sie.

In der Bundesregierung gibt es aber die Sorge, dass eine Abspaltung der europafreundlichen Schotten die Gefahr eines EU-Austritts von Rest-Großbritannien noch erhöhen dürfte. „Ein Austritt Schottlands aus der Union würde definitiv die Debatte um ein vorgezogenes Referendum in England anheizen„, sagte der außenpolitische Sprecher der Union, Philipp Mißfelder, zu Reuters.

Eine interessante, weil sehr nüchterne Einschätzung, gibt die HSH Nordbank ab: Sie hält die ganze Panikmache für eine reine Energieverschwendung:

In Großbritannien, oder besser gesagt, in England und Schottland geht die Angst um. Die Schotten stimmen am kommenden Donnerstag darüber ab, ob sie sich von England, Wales und Nordirland trennen wollen. Für die rund 5,3 Millionen Schotten geht es nicht nur um die Vision eines liberaleren und gerechteren Landes sondern auch ums Geld, denn auf dem Boden von Schottland befindet sich der größte Teil der britischen Öl- und Gasvorräte. Sah es lange Zeit danach aus, als ob die Gegner der Abspaltung eine Mehrheit hätten, gab es jetzt erstmals eine seriöse Umfrage, bei der die Separatisten vorn lagen. Die Strafe der Kapitalmärkte folgte auf dem Fuß: Das britische Pfund wertete innerhalb kürzester Zeit kräftig ab.

Darin spiegelt sich die Angst der Investoren vor den Folgen einer Abspaltung Schottlands wider. Das Finanzministerium warnte schon vor einem „ökonomischen Erdbeben“ und liegt damit ganz auf der Linie der Gegner der Unabhängigkeit. Die Problemfelder liegen dabei auf der Hand. An erster Stelle stellt sich die Frage der Währung. Notenbankchef Mark Carney schließt eine Währungsunion von „Rest-Großbritannien“ und Schottland aus. Müssten die Schotten eine eigene Währung einführen, wäre diese aber dem Wohl und Wehe der Rohstoffmärkte ausgesetzt – nicht ohne erhebliche Auswirkungen für die Wettbewerbsfähigkeit der anderen Wirtschaftszweige außerhalb der Öl-und Gasindustrie. Einziger sinnvoller Ausweg für die Schotten wäre ein Betritt zur Eurozone. Darüber hinaus würde auch der gemeinsame Strommarkt auf der Insel in Frage gestellt. Außerdem machen sich viele größere Unternehmen Sorgen, insbesondere die im Vergleich zur schottischen Wirtschaftsleistung sehr großen Banken. So kündigte die Royal Bank of Scotland für den Fall der Unabhängigkeit schon ihren Umzug von Edinburgh nach London an. Dass nichts schlimmer ist als die Unsicherheit, würde nach der Entscheidung das gesamte Land zu spüren bekommen. Eigentlich braucht Großbritannien dringend Investitionen. Die Ausländer werden sich bei dieser Gemengelage aber zurückhalten und ihr Geld lieber in anderen Ländern anlegen. Unter dem Strich ständen schon bald zwei Verlierer da.

Das wird keine von beiden Parteien zulassen. Selbst wenn tatsächlich die Mehrheit der Schotten für eine Unabhängigkeit ihres Landes stimmen sollte, gibt es viele ökonomische und gesellschaftliche Zwänge, die ein richtiges Auseinanderbrechen des seit über 300 Jahren bestehenden Staatenbundes verhindern sollten. Deshalb könnte es am Ende auch bedeuten, dass es viel Lärm um nichts gegeben hat. Schade ist es um die Energie, die die Politik durch die Auseinandersetzung mit der Unabhängigkeit verschwendet. Sie könnte wesentlich besser eingesetzt werden, beispielsweise für die Lösung der zahlreichen Probleme des Landes oder noch besser für die Entwicklung einer langfristigen Strategie im Umgang mit Europa. Hier droht 2017 schon der nächste (unnötige) Streit, wenn es um den Verbleib der Briten in der Europäischen Union geht. Engländer und Schotten sollten sich lieber gemeinsam auf ihre sportlichen Qualitäten besinnen, als faire Partner und Teamplayer.

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