Kahlschlag bei Karstadt: Bis zu 17.000 Mitarbeitern von Spar-Plan betroffen

Beim angeschlagenen Warenhauskonzern Karstadt wird ein radikaler Sparkurs gefahren. Dazu gehören Filialschließungen und Stellenabbau. Rund 20 Prozent weniger Personal brauchen vergleichbare Wettbewerber, rechnet der Finanzvorstand. Bei Karstadt mit seinen rund 17.000 Mitarbeitern wären demnach mindestens 3400 Stellen bedroht.

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Die Gewerkschaft Verdi hat ihre Kritik an Plänen des Karstadt-Managements für einen massiven Stellenabbau erneuert. Es mangele weiter an einem Konzept für die Zukunft des Warenhauskonzerns, sagte Verdi-Vertreter Arno Peukes am Freitag zu Reuters. Es sei falsch, über einen Personalabbau nachzudenken – zumal die Gespräche mit dem Management über Beschäftigungs- und Standortsicherung sowie eine Rückkehr Karstadts zum Flächentarifvertrag andauerten. Verdi will seit langer Zeit solche Verträge, den neuen Karstadt-Eigner Rene Benko hatte die Gewerkschaft immer wieder aufgefordert, ein Zukunftskonzept auf den Tisch zu legen.

Die Arbeitnehmervertreter kritisierten die geplanten Einschnitte bei den Beschäftigten. „Gerade die letzen Jahre haben deutlich gemacht, dass Personalabbau keine Antwort auf die Frage der Zukunft des Warenhauses ist“, erklärte das zuständige Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. „An der falschen Stelle zu sparen, hat noch kein Unternehmen in die Zukunft gebracht.“ Auch Gesamtbetriebsratschef Hellmut Patzelt, der selbst im Aufsichtsrat sitzt, kritisierte die Pläne. „Man kann operative Fehler und ausbleibenden Erfolg nicht ständig mit Personalabbau kompensieren.“

Das Karstadt-Management hatte am Vortag bei der ersten Aufsichtsratssitzung nach der Übernahme durch Benko Pläne für einen Stellenabbau bis hin zu Filialschließungen vorgelegt. Am Nachmittag wollten die Karstadt-Manager diese nun Filialleitern und Betriebsräten in Essen vorstellen.

Die Mitarbeiter müssen sich auf harte Einschnitte einstellen. Die bisherige Strategie sei gescheitert, hatte Finanzvorstand Miguel Müllenbach, der das Unternehmen übergangsweise leitet, erklärt. Defizitären Häusern droht das Aus, das Management hat eine Liste von Standorten erstellt, die rote Zahlen schreiben. Diese werden nun auf den Prüfstand gestellt. Wettbewerber seien mit über 20 Prozent weniger Personal auf vergleichbarer Fläche deutlich erfolgreicher, hieß es. Solche „Wettbewerbsnachteile“ müssten ausgeglichen werden. Damit wären umgelegt auf Karstadt mit seinen rund 17.000 Mitarbeitern mindestens 3400 Stellen bedroht. Die Kette kämpft seit Jahren mit Umsatzrückgängen und Verlusten.

Laut Joachim Stumpf, Geschäftsführer der BBE Handelsberatung, werden 20 bis 30 Filialen nicht als Warenhaus bestehen können. Sie seien aber gute Handelsstandorte und böten anderen Konzepten Möglichkeiten. So sei in Hamburg etwa aus einem ehemaligen Karstadt ein innerstädtischer Ikea geworden. Auch ziehe es Lebensmittelhändler verstärkt in die Innenstädte zurück. „Da bieten sich auch die ein oder anderen Karstadt-Immobilien an, ergänzt um weitere Mieter der Nahversorgung.“

In den übrigen Warenhäuser müsse Benko den Multi-Channel-Ansatz ausbauen, in die Ausstattung investieren, die Kosten senken, das Konzept regionaler ausrichten. „Von Herrn Benko kam bislang kein klares Bekenntnis zu Investitionen. Ich glaube aber nicht, dass er Karstadt jetzt in die Insolvenz reiten wird, um billig an weitere Immobilien zu kommen.“

Ein neues Konzept aber koste. „Das wird in Richtung von mindestens 400 bis 500 Millionen Euro gehen, wenn man die etwa 50 übrig bleibenden Häuser dann modernisiert.“ Auch das Thema Zusammenschluss mit Kaufhof könnte wieder aufleben, um Synergien etwa beim Multi-Channel-Ausbau und bei Eigenmarken zu heben. Etwa 185 Kaufhof- und Karstadt-Warenhäusern gingen am Bedarf vorbei. „In Zukunft verbleiben meines Erachtens maximal 120 Häuser.“

„Absolut nachvollziehbar“ hält Stumpf die Idee, das Premium-Segment unter der Marke KaDeWe weiter auszubauen. Er sieht sogar Platz für acht bis zehn Standorte, wie etwa in den Ballungsräumen Frankfurt, Köln, Düsseldorf, vielleicht auch Leipzig und Dresden.

Im August gab der bisherige Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen den Konzern an den Immobilieninvestor René Benko ab. Berggruens Investment-Strategie war bereits vor einiger Zeit aufgegangen, als er 75,1 Prozent von Karstadt-Sport und Karstadt-Premium an Benko verkaufen konnte. Die Sporthäuser und die drei Premium-Warenhäuser Oberpollinger (München), Alsterhaus (Hamburg) und KaDeWe (Berlin) laufen deutlich besser als die normalen Warenhäuser. Den Verkaufserlös von 300 Millionen Euro wollte Berggruen in die verbleibenden Filialen investieren.

Doch wohin diese Summe gegangen ist, ist bislang unbekannt. Berggruen will beim Karstadt-Verkauf nur „geringfügig verdient“ haben.

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