Opfer des Kommerz: Berlin zerstört Jüdisches Ruderhaus

In Berlin wird das alte Vereinshaus des jüdischen Rudervereins „Undine“ abgerissen. Ein kommerzieller Wohnbau soll an seine Stelle treten. Das jüdische Leben in Deutschland findet zwar theoretisch Zuspruch bei der Politik in Deutschland. In diesem konkreten Fall hat jedoch der Profit über die Erinnerung gesiegt - weil die Verwaltung von Köpenick über Jahre dem Verfall und dem Vandalismus tatenlos zugesehen hat.

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Das alte Vereinshaus des jüdischen Berliner Rudervereins Undine in Treptow-Köpenick wird abgerissen.

Das alte Vereinshaus des jüdischen Berliner Rudervereins Undine in Treptow-Köpenick wird abgerissen.

Der Kommerz siegt über das Gedenken: So soll das neue Gebäude am Wasser aussehen.

Der Kommerz siegt über das Gedenken: So soll das neue Gebäude am Wasser aussehen.

Während am Brandenburger Tor am Sonntag tausende Menschen gegen Antisemitismus demonstrierten, verschwindet in Berlin still und leise eines der interessantesten Baudenkmäler, das an das jüdische Leben in Deutschland erinnert. Bereits am Montag werden die Baumaschinen anrücken und ein Gebäude abreißen, das vor hundert Jahren für viele sportbegeisterte Juden Kult-Charakter hatte.

Das aus Jugendstil-Zeit stammende Vereinshaus der 1907 gegründeten „Rudergesellschaft Undine“ soll abgerissen werden. An seine Stelle soll ein von einem dänischen Immobilien-Entwickler errichtetes Wohngebäude entstehen.

Das Vereinshaus mit dem Namen Undine war im Jahr 1914 eingeweiht geworden. Das Haus war im Besitz des jüdischen Sportvereins. Diese wurde 1938 aufgelöst – die SA nahm das Gebäude in ihren Besitz.

Zu DDR-Zeiten war das Gebäude ein Kinderheim. Nach der Wiedervereinigung beherbergte es eine Kita. Danach wurde es an eine jüdische Organisation rückübertragen und viel ab 1997 einem massiven Vandalismus im Inneren und einer Brandstiftung zum Opfer.

Die Ruine geriet in Vergessenheit. Niemand erinnerte sich mehr daran, dass sich hier um ein Stück jüdischen Lebens in Deutschland gehandelt hatte. Auf Anregung des Londoner Rabbiners und Theologen Albert Friedlander war für die Grünauer Villa in der Dahemstraße 15 eine Gedenktafel angefertigt worden: „Ruderverein Undine von 1907, als jüdischer Verein 1938 liquidiert. Wahrt das Andenken an die Erbauer des Hauses! Grünauer Wassersportmuseum“. Friedlander war einer der bedeutendsten Rabbiner des liberalen Judentums.

Friedlander hatte das Haus noch als Kind persönlich erlebt. Doch lange hielt sich die Gedenktafel nicht einem Gebäude: Sie wurde in das Innere des Wassersportmuseums gebracht, um sie vor rechtsradikalen Vandalen in Sicherheit zu bringen. 2012 sollte die Jugendstil-Villa renoviert und in Wohnungen umgewandelt werden. Trotz der Schäden hatten Gutachter befunden, dass ein Wiederaufbau möglich gewesen wäre.

Schließlich wurde das Grundstück an den dänischen Architekten Lausen verkauft. Er stellte einen Bauantrag. Nun stellt sich heraus: Das alte Jugendstil-Gebäude wird komplett abgerissen. Es wird doch eine moderne Wohnanlage ersetzt.

Damit verschwindet unwiederbringlich eine Erinnerung an einen Teil des jüdischen Lebens in Berlin.

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