Frankreich: Gewerkschaften entrüstet über Reform-Vorschläge der Arbeitgeber

In Frankreich stehen die Zeichen auf Sturm: Die Gewerkschaften haben einen Reformvorschlag der Arbeitgeber empört zurückgewiesen: Weniger Feiertage, Aufweichen des Mindestlohns, Streichung von zwei Feiertagen - die Gewerkschaften sprechen von einem „Witz“. Die Arbeitgeber rudern zurück.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic

Frankreichs Arbeitgeber haben mit einem Strategiepapier im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit einen Sturm der Entrüstung unter den Gewerkschaften des Landes ausgelöst. In einem an die Zeitung „Les Echos“ lancierten Maßnahmenkatalog rüttelt der Verband Medef an einer Reihe von Tabus. So schlägt er vor, zwei von elf gesetzlichen Feiertagen abzuschaffen, die 35-Stunden-Woche aufzuweichen, längere Ladenöffnungszeiten und unter bestimmten Bedingungen eine Bezahlung unter dem Mindestlohn zu erlauben. Die Gewerkschaft CFDT sprach am Montag von einer Provokation, die radikalere Force Ouvriere (FO) von einem „Witz“.

FO-Chef Jean-Claude Mailly kritisierte, die vorgeschlagene Sonntagsarbeit im Einzelhandel und eine Erhöhung der Wochenarbeitszeit führe in die falsche Richtung. „Was kommt als nächstes? Kinderarbeit?“, fragte er im Fernsehen. Beide Gewerkschaften schlossen Verhandlungen über die Medef-Positionen aus. Der Verband erklärte, es habe sich nur um eine Diskussionsgrundlage im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit gehandelt, eine Kontroverse sei nicht beabsichtigt gewesen.

Die Erwerbslosenquote liegt in Frankreich bei zehn Prozent, die nach Deutschland zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone stagniert. Unter den in Frankreich mächtigen Gewerkschaften wächst der Unmut über die Wirtschaftspolitik von Präsident Francois Hollande. Der Sozialist bekommt die Arbeitslosigkeit nicht in den Griff und macht sich mit Steuererleichterungen für Unternehmen immer mehr Feinde im linken Lager. Die Reformpläne dürften eines der wichtigsten Themen sein, wenn sich die Regierung von Ministerpräsident Manuel Valls am Dienstag in der Nationalversammlung einer Vertrauensabstimmung stellt.

*** Für PR, Gefälligkeitsartikel oder politische Hofberichterstattung stehen die DWN nicht zur Verfügung: Unsere Prinzipien: Kritische Distanz zu allen und klare Worte. Das gefällt natürlich vielen nicht: Der Bundesregierung, den EU-Behörden, den Netzwerken der Parteien, den Lobbyisten, Medien unter staatlicher Aufsicht, verschiedenen Agitatoren aus dem In- und Ausland. Diese Player behindern uns nach Kräften und attackieren unser Geschäftsmodell.

Daher bitten wir Sie, liebe Leserin und Leser, um Ihre Unterstützung: Sichern Sie die Existenz der DWN!

Hier können Sie sich für einen kostenlosen Gratismonat registrieren. Wenn dieser abgelaufen ist, erhalten Sie automatisch eine Nachricht vom System und können dann das Abo auswählen, das am besten Ihren Bedürfnissen entspricht. Einen Überblick über die verfügbaren Abonnements bekommen Sie hier. ***


media-fastclick media-fastclick