Ebola: Hilfsgelder heizen den Wettbewerb zwischen Pharmafirmen an

Die Spenden gegen die aktuelle Ebola-Epidemie haben Pharmakonzerne angelockt: Dank der Gelder von Stiftungen, Regierungen und Gesundheitsorganisationen wetteifern Pharmafirmen plötzlich darum, wer als Erstes einen zugelassenen Impfstoff gegen Ebola entwickelt. Erste Medikamente werden bereits getestet.

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Medikamente gegen Tropenkrankheiten standen bisher weit unten auf den Forschungslisten der Pharmakonzerne – denn damit lässt sich kein Geld verdienen. Doch die Ebola-Epidemie in Westafrika, der schon mehr als 2000 Menschen zum Opfer gefallen sind, könnte dies ändern.

Dank der Gelder vor allem von Regierungen und Gesundheitsorganisationen wetteifern plötzlich eine ganze Reihe von Pharmafirmen darum, wer die erste Medizin oder den ersten Impfstoff gegen die tödliche Krankheit entwickelt, die vor 40 Jahren in den Wäldern Zentralafrikas entdeckt wurde. Gesundheitsexperten hoffen, dass nun weitere seltene Tropenkrankheiten ins Blickfeld der Pharmaindustrie geraten: „Ebola und andere Krankheiten werden mehr Aufmerksamkeit bekommen, weil es der erste Ausbruch dieses Ausmaßes ist“, sagt Chris Elias, Forschungsleiter der Bill & Melinda Gates Foundation, die 50 Millionen Dollar für den Kampf gegen Ebola bereitgestellt hat.

Ebola ist eine Krankheit, die in den meisten Fällen tödlich verläuft – aber es gibt noch viele andere Tropenkrankheiten, gegen die kein Mittel existiert. Oder die Medizin ist in den ärmeren Gegenden der Welt schlicht nicht zu bekommen: Tollwut etwa oder die Schlafkrankheit, Leishmaniose, Elephantiasis, Bindehautentzündung und andere durch Parasiten ausgelöste Krankheiten, die Millionen Menschen verstümmeln, erblinden lassen oder das Leben kosten. Doch die Pharmakonzerne scheuen oft die hohen Forschungskosten für Mittel, die nur spärliche Gewinne abwerfen.

In den Jahren 2000 bis 2011 wurden einer im Medizin-Journal The Lancet veröffentlichten Studie zufolge 336 neue Medikamente gegen alle möglichen Krankheiten entwickelt. Nur vier davon gegen sogenannte „vernachlässigte tropische Krankheiten“ – drei gegen Malaria und eine gegen Durchfall. Die Forschungspipeline ist ebenfalls dünn: Nur ein Prozent der derzeit laufenden klinischen Studien dreht sich um Tropenkrankheiten.

Der Ebola-Ausbruch könnte diese Statistiken ändern. Der britische Konzern GlaxoSmithKline testet bereits einen Ebola-Impfstoff an ersten Freiwilligen, die US-Firmen Newlink Genetics und Johnson & Johnson planen ebenfalls klinische Studien. Das Interesse ist gestiegen – auch, weil Staaten wie die USA fürchten, das Virus könnte als Bio-Waffe eingesetzt werden. Die Bemühungen reichten aber noch nicht aus, sagt Jean-Herve Bradol, Forschungsleiter der Organisation Ärzte ohne Grenzen und Mitautor der Lancet-Studie. „Leider brauchen wir wohl einen großen, furchteinflößenden Ausbruch in einem Industrieland, damit die Politiker verstehen, dass sie diese Infektionskrankheiten nicht vernachlässigen dürfen“, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. „Die Vernachlässigung dauert schon so lange, dass wir, um das aufzuholen, viel mehr als eine leichte Verbesserung brauchen.“ Bisher waren die Ebola-Ausbrüche regional recht begrenzt. In 22 der vergangenen 38 Jahren wurden keine Ebola-Toten registriert.

Bisher wurde die Entwicklung von Medikamenten gegen Tropenkrankheiten vor allem von Regierungen, Hilfsorganisationen und Spenden finanziert. 2012 gaben Pharmafirmen zusammen gut eine halbe Milliarde Dollar für solche Forschungen aus – ein Bruchteil ihrer gesamten Forschungsausgaben von 70 Milliarden Dollar. GlaxoSmithKline und Sanofi sind führend – beide lassen sich einer Studie der Deutschen Bank zufolge die Erforschung von Tropenkrankheiten jährlich mehr als 100 Millionen Dollar kosten.

Im Mittelpunkt stehen Impfstoffe gegen Malaria und Dengue-Fieber, die Ende nächsten Jahres auf den Markt kommen könnten. Während GlaxoSmithKline seinen Malaria-Impfstoff auf einer Non-Profit-Basis verkaufen will, sieht Sanofi in seinem Dengue-Wirkstoff enormes Umsatzpotenzial von mehr als einer Milliarde Dollar im Jahr. Das deutet darauf hin, dass zumindest einige Firmen einen weiten Blick in die Zukunft werfen, wenn es um potenzielle Kunden geht: „In den Tropen leben 40 Prozent der Weltbevölkerung“, heißt es in der Studie der Deutschen Bank. „Mit dem erwarteten Wirtschaftswachstum in den kommenden Jahrzehnten werden einige dieser Länder für die Pharmaindustrie immer mehr an Bedeutung gewinnen.“

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