SAP plant Übernahme von Concur Technologies für 8,3 Milliarden Dollar

SAP will im Bereich von Cloud Software schneller wachsen und plant die milliardenschwere Übernahme des US-Unternehmens Concur Technologies. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben der führende Anbieter für Programme zur Organisation und Abrechnung von Reisen.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic

SAP will das Wachstum im Geschäft mit Cloud-Software erneut mit einer milliardenschweren Übernahme ankurbeln. Der Marktführer für Firmensoftware will für 8,3 Milliarden Dollar das US-Unternehmen Concur Technologies kaufen. Dieses sei der führende Anbieter für Programme zur Organisation und Abrechnung von Reisen, teilte das Unternehmen nach Börsenschluss in den USA am Donnerstag mit. Die Akquisition verdeutliche die strategische Bedeutung von Geschäftsnetzwerken, erklärte SAP-Chef Bill McDermott.

SAP setzt immer stärker auf den Verkauf von Software, die nicht fest auf Rechnern installiert, sondern über das Internet gegen eine Miete genutzt wird. Bei der Concur-Übernahme sind die Walldorfer offenbar vor allem an den 25 Millionen aktiven Nutzern in den 23.000 Firmen interessiert, die die Reisemanagement-Software einsetzen. Denn bei der bisher größten Übernahme eines Cloud-Anbieters für SAP steht der Gewinn des Kandidaten in keinem Verhältnis mehr zum Kaufpreis, der den Aktionären angeboten wird. Im vergangenen Jahr verdiente Concur mit seinen 4500 Mitarbeitern operativ 6,4 Millionen Dollar bei einem Umsatz von 546 Millionen Dollar.

Gemeinsam hätten die beiden Unternehmen mit mehr als 50 Millionen Anwendern so viele Nutzer von Cloud-Software wie kein anderer Anbieter, erklärte SAP. Da nur 30 Prozent der Concur-Kunden bisher SAP-Lösungen einsetzten, könnten die eigenen Produkte leichter verkauft werden.

Gemessen am Umsatz mit Cloud-Diensten sind die Walldorfer die Nummer zwei nach dem US-Konkurrenten Salesforce, aber vor dem Erzrivalen Oracle oder IBM. SAP war spät in den Markt für Cloud-Computing eingestiegen, hat das Geschäft dann aber rasch mit Milliardenübernahmen aufgebaut. Der letzte große Coup war im vergangenen Jahr der Kauf der Schweizer Hybris, die Programme zum Vertriebsmanagement anbieten. Vor zwei Jahren hatten die Walldorfer für 2,5 Milliarden Euro den auf Software zum Personalmanagement spezialisierten Anbieter SuccessFactors und die Einkaufsplattform für Firmen Ariba zum Preis von rund 3,4 Milliarden Euro gekauft.

Im vergangenen Jahr stammten erst 4,5 Prozent des Umsatzes von knapp 17 Milliarden Euro bei SAP aus dem Cloud-Geschäft. Doch die Sparte wächst stürmisch, sodass der Anteil bis 2017 auf 15 Prozent – oder 3,5 von insgesamt 22 Milliarden Euro Umsatz – steigen soll. Wegen des Wachstumsplans für die Mietsoftware hatte SAP sein ursprüngliches mittelfristiges Gewinnziel im Januar verschoben. Die Umsatzrendite soll nicht schon im kommenden Jahr, sondern erst 2017 auf 35 Prozent klettern von 32,6 Prozent im vergangenen Jahr. Ein Grund dafür ist, dass ein Vertrag mit einem Kunden über Cloud-Programme erst nach fünf Jahren Gewinn abwirft. Für herkömmliche Software kassieren die Hersteller dagegen einmalig eine hohe Lizengebühr. Auch sind die Wartungseinnahmen bei der Mietsoftware geringer als im angestammten Geschäft.

Die Kunden können Software über die Datenwolke nicht nur günstiger einkaufen, sie brauchen auch weniger Hardware. Das bekommt SAP-Konkurrent Oracle zu spüren, die auch Rechner verkaufen.

*** Bestellen Sie den täglichen Newsletter der Deutschen Wirtschafts Nachrichten: Die wichtigsten aktuellen News und die exklusiven Stories bereits am frühen Morgen. Verschaffen Sie sich einen Informations-Vorsprung. Anmeldung zum Gratis-Newsletter hier. ***


media-fastclick media-fastclick