Schottland lehnt Unabhängigkeit von Großbritannien ab

Mit etwa 55 Prozent haben sich die Schotten gegen den Austritt aus Großbritannien entschieden. Premier Alex Salmond räumte seine Niederlage ein. Die Wahlbeteiligung lag bei über 85 Prozent. Die Gegner der Abspaltung hatten mit einer massiven Bedrohungs-Kampagne die Ängste vieler Schotten vor einem eigenen Weg geschürt. Der britische Premier Cameron will nun Gespräche über Autonomierechte für Schottland verhandeln.

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Die Wahlkämpfer für eine Unabhängigkeit Schottlands - hier in Edinburgh - waren nach der Niederlage naturgemäß enttäuscht.

Die Wahlkämpfer für eine Unabhängigkeit Schottlands – hier in Edinburgh – waren nach der Niederlage naturgemäß enttäuscht.

Die Bevölkerung Schottlands hat sich in einem Referendum mehrheitlich gegen die Unabhängigkeit von Großbritannien ausgesprochen. Nach Auszählung von 30 der 32 Wahlbezirke lag das «No»-Lager am Freitagmorgen uneinholbar vorn, wie die lokalen Wahlleitungen mitteilten.

Erwartet wurde ein Ergebnis von 55 Prozent gegen die Unabhängigkeit. Insgesamt hatten sich deutlich mehr als 85 Prozent der knapp 4,3 Millionen Wahlberechtigten am Donnerstag an der Abstimmung beteiligt.

Schottlands Ministerpräsident Alex Salmond räumte seine Niederlage ein. «Wir wissen jetzt, dass es eine Mehrheit für die «No»-Kampagne geben wird. Ich akzeptiere das Urteil des Volkes, dass es zu diesem Zeitpunkt keine Unabhängigkeit geben soll», sagte er am Freitagmorgen vor Anhängern.

Auch die meisten Wirtschaftsforscher hatten gesagt, dass eine Abspaltung Schottlands von Großbritannien gravierende negative Folgen haben würde. Einzig der ehemalige IWF-Chefökonom und Globalisierungskritiker Joseph Stiglitz hatte in einem Beitrag für den schottischen Herald geschrieben, dass die Angstmacherei jeglicher Grundlage entbehre. So hatten zuletzt die britischen Banken vor einem Bank-Run gewarnt.

Die Politiker aus London hatten auch nicht mit emotionalen Auftritten gegeizt. Der konservative britische Regierungschef hatte im Vorfeld erklärt, es würde ihm das Herz brechen, wenn sich die Schotten von der «erfolgreichsten Familie von Nationen», die die Welt je gesehen haben, verabschiedet hätten.

Parteiintern stand Cameron unter Druck, weil er die Unabhängigkeitsbestrebungen im nördlichsten Teil seines Landes lange Zeit völlig unterschätzt hatte.

Gerettet hat Cameron und damit auch den Rest Großbritanniens wohl ein anderer. Der Polit-Veteran Gordon Brown von der Labour-Partei, Camerons im Jahr 2010 abgewählter Vorgänger in der Downing Street, hatte in den letzten Tagen des Wahlkampfes mit leidenschaftlichen und gefeierten Reden für den Fortbestand der Union geworben. Nach Meinung von Wahlforschern dürfte er damit die Aufholjagd der Unabhängigkeitsbewegung entscheidend gestoppt haben.

Das «Nein» der Schotten zur Unabhängigkeit wird auch im Ausland gerne gehört. Zwar war US-Präsident Barack Obama der einzige Staatsmann von Weltrang, der sich klar positionierte und sich ein «starkes und geeintes Großbritannien» auf der Weltbühne wünschte. Doch gilt es als gesichert, dass auch in Europa viele Regierungen ein schottisches «Nein» bevorzugen.

Großbritannien wird sich nach der Entscheidung in Schottland dennoch verändern. Denn immerhin 1,6 Millionen Schotten wollten sich aus der Gemeinschaft verabschieden. Premierminister Cameron und die Chefs der anderen großen Westminster-Parteien versprachen den bereits teilautonomen Schotten im Falle eines «Neins» zur Unabhängigkeit noch mehr Selbstbestimmung. Dieser «Schwur» rief sofort Proteste in anderen Landesteilen herauf. Der Ministerpräsident von Wales wollte noch am Freitag in einer Pressekonferenz seinen Forderungskatalog vorstellen.

In England selbst bekommt Cameron Druck aus der eigenen Fraktion. Die Abgeordneten in den vernachlässigten Regionen außerhalb Londons, die sich bei der Parlamentswahl im Mai zur Wiederwahl stellen, wollen auch ihren Wählern etwas anbieten können. Die Diskussionen begannen am Freitag bereits, als die Ergebnisse noch nicht einmal richtig feststanden.

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