Türkei gelingt erfolgreiche Befreiung von 48 Geiseln aus der Gewalt der IS

Die Türkei hat ihre 48 Landsleute erfolgreich aus der Gewalt der IS-Terroristen im Irak befreit. Es ist anzunehmen, dass Lösegeld gezahlt wurde. Die Amerikaner hatten die Türkei zuletzt kritisiert, weil sie das Wohl der eigenen Bürger über die geopolitischen Interessen der US-Regierung gestellt hatte.

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Nach mehr als drei Monaten in der Gewalt der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sind 49 türkische Geiseln wieder frei. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan teilte mit, der Geheimdienst MIT habe die Geiseln während einer nächtlichen «Rettungsoperation» befreit.

Ministerpräsident Ahmet Davutoglu sagte am Samstag während einer Reise in Aserbaidschan nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolu, die Geiseln seien am Samstagmorgen in die Türkei gebracht worden.

Nähere Angaben zu den Umständen der Befreiung machten weder Erdogan noch Davutoglu. Die Zeitung «Hürriyet Daily News» zitierte am Samstag in ihrer online-Ausgabe eine ungenannte Geheimdienstquelle, wonach die Terrormiliz die Geiseln an die syrisch-türkische Grenze gebracht habe. Lösegeld sei nicht gezahlt worden, es seien auch keine Gefangenen ausgetauscht worden.

Unklar blieb damit, wie die türkische Regierung die Freilassung der Geiseln erwirkte und ob sie den sunnitischen Extremisten andere Gegenleistungen zusagte. In der Regeln ist es Teil des Geschäftsmodells der IS, Gefangene gegen Lösegeld freizugeben. Die Amerikaner hatten im Fall der gefangenen Journalisten offenbar eine unklare Verhandlungstaktik gefahren. Schließlich veröffentlichten die Terroristen Videos von der Enthauptung der beiden.

Die Terrormiliz hatte die Türken in ihre Gewalt gebracht, als sie am 11. Juni das Konsulat im nordirakischen Mossul stürmte. Unter den Gefangenen waren der Generalkonsul und seine Familie, andere Diplomaten und Sicherheitskräfte. Zwei Kleinkinder befanden sich unter den Geiseln.

Die Regierung in Ankara hat die Geiseln immer wieder als Hauptgrund dafür angeführt, warum sie sich nicht stärker im internationalen Kampf gegen die sunnitischen Extremisten engagieren könne. Sie hatte nach der Geiselnahme eine Nachrichtensperre verhängt.

Die islamisch-konservative Regierung steht unter Druck, sich am internationalen Kampf gegen IS zu beteiligen. Bislang sagt Ankara nur humanitäre Hilfe zu. Amerikanischen Medienberichten zufolge verweigert der Nato-Partner Türkei auch die Nutzung der Luftwaffenbasis Incirlik nahe der syrischen Grenze für US-Luftangriffe auf IS.

Das «Wall Street Journal» hatte kürzlich kritisiert, die Türkei sei zwar Nato-Mitglied, verhalte sich aber nicht wie ein Verbündeter der USA. Die «New York Times» nannte die Türkei «eine der größten Quellen für Rekruten» für IS. Erdogan hatte die Vorwürfe am vergangenen Mittwoch als Teil einer Kampagne gegen die Türkei zurückgewiesen und auf die Sicherheit der 49 Geiseln verwiesen. Diese habe Priorität.

Unklar ist, ob die Türkei nun – wie von den USA erwünscht – engagierter gegen den IS vorgehen wird. Die regierungsnahe türkische Zeitung «Daily Sabah» hatte kürzlich geschrieben, selbst wenn die Geiseln frei kämen, arbeiteten weitere 80 000 Türken im Irak. «Niemand kann garantieren, dass sie nicht zum Ziel von IS werden.»

Erdogan dankte am Samstag dem Geheimdienst und der Regierung für ihre Anstrengungen in der Geiselkrise. Davutoglu sagte, die Befreiung sei das Ergebnis «tagelanger, wochenlanger harter Arbeit». Davutoglu brach seine Aserbaidschan-Reise ab und reiste von Baku aus in die südtürkische Grenzstadt Sanliurfa. Dort traf mit den freigelassenen Geiseln zusammen. Anschließend reiste Davutoglu gemeinsam mit ihnen mit dem Regierungsflugzeug in die Hauptstadt Ankara.

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