ARD-Chef will „Anpassung“ des Rundfunkbeitrags, die man nicht „Erhöhung“ nennen darf

Das Magazin Rolling Stone hat den Chef der ARD, Lutz Marmor interviewt. Marmor sagt, er denke über "eine mittelfristige und moderate Anpassung des Rundfunkbeitrags als Inflationsausgleich nach". Dass es sich um eine Erhöhung handeln könnte, darf das Magazin nicht behaupten.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic

Eine kleine Kuriosität ist den Redaktionen am Donnerstag auf den Tisch geflattert: Über den Pressemitteilungsservice der dpa (ots) hat das Magazin Rolling Stone kundgetan, dass es ein Interview mit dem ARD-Vorsitzenden Lutz Marmor veröffentlicht.

Die Überschrift lautete um 9.21 Uhr:
„ARD-Chef denkt über Erhöhung des Rundfunkbeitrags 2016 nach“

Bereits eine Stunde später, um 10.58 Uhr hieß es dann plötzlich:
„KORREKTUR: ARD-Chef denkt über „mittelfristige Anpassung“ des Rundfunkbeitrags nach“

Wer innerhalb dieser Stunde zu der Auffassung gelangt war, dass „mittelfristige Anpassung“ besser klingt als „Erhöhung“, geht aus der Korrektur nicht hervor. Auch nicht, ob die Zeile „ARD-Chef denkt über Senkung des Rundfunkbeitrags nach“ auch korrukturbedürfig gewesen wäre.

Die von wem auch immer approbierte Pressemeldung:

München (ots) – BITTE BEACHTEN SIE: Die Formulierung „ARD-Chef denkt über Erhöhung des Rundfunkbeitrags nach“ ist nicht korrekt. Richtig ist: ARD-Chef denkt über eine mittelfristige und moderate Anpassung des Rundfunkbeitrags als Inflationsausgleich nach.

Die ARD rüstet sich für den Wettbewerb mit neuen Digital-Anbietern um die jungen Zuschauer – und denkt über eine „mittelfristige Anpassung“ des Rundfunkbeitrags nach.

In der Oktober-Ausgabe des ROLLING STONE spricht der ARD-Vorsitzende Lutz Marmor über die Abwanderung der jungen Fernsehzuschauer hin zu digitalen Unterhaltungsangeboten und den Veränderungen in der deutschen Fernsehlandschaft durch den Start des US-Anbieters Netflix. „Wir fürchten uns nicht vor Netflix“, sagt Marmor im Gespräch mit ROLLING STONE. Die Stärken der ARD seien unter anderem ihre Regionalität und die umfassende Auslandsberichterstattung. „Dagegen kann auch Netflix nichts ausrichten, da fühle ich mich weder angegriffen noch bedroht.“ Schwieriger sei die Lage in der Unterhaltung und bei Filmen und Serien. Da werde es, meint Marmor, „sicher einen neuen Wettbewerb geben. Dem müssen wir uns stellen, indem wir gute Arbeit abliefern“.

Dass eine immer größer werdende Zahl von Zuschauern Unterhaltung vor allem im Internet sucht, bestreit er: „Ich glaube nicht, dass die jungen Leute gar nicht mehr fernsehen.“ Auch die unter 30-Jährigen würden am Tag immer noch 128 Minuten einschalten, kaum weniger als vor 15 Jahren. „Und viele der Stars, die heute im Netz groß werden, haben irgendwann Interesse daran, ins Fernsehen zu kommen, weil sie dort neue Zielgruppen erreichen“, so Marmor gegenüber dem Magazin.

Zu der kritisierten Programmausrichtung der ARD sagt Marmor dem ROLLING STONE: „Unser XXL-Ostfriese ist bei den Menschen sehr beliebt! Deutschland ist älter geworden – und wir sind da natürlich auch Spiegelbild der Gesellschaft“.

Auch den häufig als „Zwangsabgabe“ kritisierte Rundfunkbeitrag verteidigt Lutz Marmor: „Für die meisten Menschen hat sich ohnehin nichts geändert.“ Gleichzeitig deutet er im Gespräch mit ROLLING STONE an, dass es „mittelfristig“ eine Anpassung des Beitrags diskutiert werden könne: „Wir wollen gar nicht mehr Geld. Ich glaube aber, dass es mittelfristig wichtig wäre, zumindest wieder mit einer moderaten Anpassung für einen Inflationsausgleich zu sorgen – zumindest, wenn man in etwa das jetzige Angebot aufrechterhalten will.“

Selbstkritisch gibt sich Lutz Marmor zur digitalen Strategie der ARD: „Mit unserer Mediathek brauchen wir sicher noch mal einen Schub nach vorn.“ Einige Sendungen müssten schneller eingestellt werden, bei manchen Programmen gebe es noch keine Online-Rechte. „Da ist sicher noch Luft nach oben. Das bedeutet aber auch, dass wir unsere Kapazitäten da noch nicht voll ausgeschöpft haben.“k

*** Für PR, Gefälligkeitsartikel oder politische Hofberichterstattung stehen die DWN nicht zur Verfügung: Unsere Prinzipien: Kritische Distanz zu allen und klare Worte. Das gefällt natürlich vielen nicht: Der Bundesregierung, den EU-Behörden, den Netzwerken der Parteien, den Lobbyisten, Medien unter staatlicher Aufsicht, verschiedenen Agitatoren aus dem In- und Ausland. Diese Player behindern uns nach Kräften und attackieren unser Geschäftsmodell.

Daher bitten wir Sie, liebe Leserin und Leser, um Ihre Unterstützung: Sichern Sie die Existenz der DWN!

Hier können Sie sich für einen kostenlosen Gratismonat registrieren. Wenn dieser abgelaufen ist, erhalten Sie automatisch eine Nachricht und können dann das Abo auswählen, das am besten Ihren Bedürfnissen entspricht. Einen Überblick über die verfügbaren Abonnements bekommen Sie hier. ***


media-fastclick media-fastclick