Trotz Kritik der Krankenkassen: CDU lehnt Preisbremse für Medikamente ab

Die CDU lehnt Änderung an der Preisfestsetzung für Medikamente ab. Krankenkassen hatten kritisiert, dass ein neues Hepatitis-Medikament pro Behandlung 113.000 Euro kostet. Im ersten Jahr dürfen Pharmaunternehmen neue Medikamente mit Zusatznutzen zu einem beliebigen Preis verkaufen.

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Die Regierungskoalition will trotz massiver Kritik an überteuerten Medikamenten die Regelungen für die Preisfestsetzung bei Medikamenten nicht verschärfen. Es bestehe keine Notwendigkeit von den Grundprinzipien abzuweichen, sagte der gesundheitspolitische Sprecher Jens Spahn.

Demnach dürfen Pharmaunternehmen neue Medikamente mit einem Zusatznutzen im ersten Jahr zu einem beliebigen Preis verkaufen. Ab dem zweiten Jahr nach Markteinführung gilt ein Preis, den der Hersteller bis dahin mit dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ausgehandelt haben muss. Die Kassen fordern, dieser rabattierte Preis müsse rückwirkend auch für das erste Jahr gelten.

Hintergrund der aktuellen Debatte ist der Preis für das neue Hepatitis-C-Medikament Sovaldi von der US-Firma Gilead Sciences. Nach Angaben der AOK kostet eine 24-Wochen-Therapie mit dem Medikament 113.000 Euro. Das Medikament könnte daher zu Milliardenkosten für die GKV führen. Zudem fürchten die Kassen, dass weitere Hersteller sich daran orientieren werden.

Spahn verweist dagegen darauf, dass Sovaldi eine erhebliche Verbesserung und eine echte Innovation für zwei Drittel der Patienten mit Hepatitis C bringe. Anstatt sich 48 Wochen einer belastenden Therapie mit Interferon-Spritzen zu unterziehen, müssten Kranke jetzt zwölf Wochen lang eine Tablette nehmen. Die Heilungschance liege zudem nicht mehr bei 50 bis 60, sondern bei über 90 Prozent. Er sehe daher anhand dieses einen Falles keine Notwendigkeit, die freie Festsetzung des Preises im ersten Jahr infrage zu stellen, sagte der CDU-Politiker. Im ersten Jahr sei der Einsatz eines neuen Präparats ohnehin meist überschaubar. Auch im Sinne des Pharmastandortes müsse es Verlässlichkeit geben.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach beklagte unlängst dagegen einen Teppichhändler-Effekt, bei dem die Firmen auf den eigentlich von ihnen erwarteten Preis anfangs etwas draufschlagen, um in den Verhandlungen genau dort zu landen. Eine Überprüfung der Regelung hat er für die zweite Hälfte der Legislaturperiode in Aussicht gestellt.

In einem Internet-Beitrag äußert Spahn scharfe Kritik am Verhalten des GKV-Spitzenverbands in den Preisverhandlungen. Durch dessen „Zockerei“ zögen immer mehr Hersteller wie etwa Novartis oder Sanofi-Aventis wichtige Präparate vom deutschen Markt zurück.

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