Bond-Markt hypernervös: Rücktritt von Bill Gross schickt DAX auf Talfahrt

Der Rücktritt des legendären Pimco Fondsmanager Bill Gross sorgt am Bond-Markt und am deutschen Aktienmarkt für eine sehr nervöse Stimmung. Die Zinsen für südeuropäische Staatsanleihen stiegen schlagartig deutlich, auch die Zinsen für US Staatsanleihen gingen nach oben. Der DAX sackte ab. Beobachter halten es für möglich, dass der Rücktritt möglicherweise der Auslöser von nachhaltigen Verwerfungen an den Märkten ist.

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Der Abgang von Bill Gross schickte den DAX auf Talfahrt, die Erholung gelang nur zum Teil. (Grafik: ariva.de)

Der Abgang von Bill Gross schickte den DAX auf Talfahrt, die Erholung gelang nur zum Teil. (Grafik: ariva.de)

Die US-Investorenlegende Bill Gross verlässt die Allianz-Fondstochter Pimco. Gross wechsele zu Janus Capital Group, teilte der US-Vermögensverwalter am Freitag mit. Von der Allianz war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Mit Gross verliert der Münchener Versicherer einen der renommiertesten Anleihe-Fondsmanager. Der DAX ging daraufhin auf Talfahrt. Die Allianz-Aktie ins Minus und bildete mit einem Verlust von 3,4 Prozent das Schlusslicht.

Gross ist mit dem Abgang bei der Allianz-Fondstochter einem Insider zufolge seinem Rauswurf zuvorgekommen. Gross habe gewusst, dass er von Pimco gefeuert worden wäre, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. Mit den Spitzenmanagern von Pimco sei Gross mehrmals aneinandergeraten und habe wiederholt mit Rücktritt gedroht, fügte der Insider hinzu. Er verlasse das Unternehmen ohne ein Abfindungspaket.

Besonders bemerkenswert ist die Reaktion im Bond-Markt: Während die Kurse der nordeuropäischen Staaten einigermaßen stabil geblieben, erhöhten sich die Kreditkosten für die Südstaaten signifikant. Auch die Zinsen für US Staatsanleihen sind kurzfristig deutlich gestiegen. Der Finanzblog Zerohedge hält es für möglich, dass der Rücktritt von Bill Gross der Schwarze Schwan sein könnte, der eine Ankündigung für einen Umschwung am Bond-Markt und an den Aktienmärkten darstellt.

Pimco-Mitgründer Gross – am Markt als „Bond-König“ bezeichnet – hatte zuletzt Experten zufolge mit seinen Anlagestrategien kein allzu glückliches Händchen gehabt. Die Anleger haben in den vergangenen Monaten massiv Geld aus dem Pimco-Vorzeigefonds Total Return abgezogen.

Die Allianz-Fondstochter Pimco war vor einiger Zeit ins Visier der US-Börsenaufsicht SEC geraten. Untersucht wird, ob das Unternehmen die Erträge seines 3,6 Milliarden Dollar schweren Fonds Total Return ETF korrekt ausgewiesen hat. Ein Pimco-Sprecher bestätigte am Dienstag entsprechende Untersuchungen. Das „Wall Street Journal“ hatte zuvor berichtet, es werde geprüft, wie der Fonds seine Anlagen eingekauft und bewertet habe und ob dies dazu geführt habe, dass Investoren falsche Informationen zur jeweils aktuellen Entwicklung bekommen hätten. Die Untersuchungen liefen seit mindestens einem Jahr. Der Pimco-Gründer und Anlage-Chef Bill Gross sei ebenso bereits befragt worden wie andere führende Manager des Fonds.

Pimco geht davon aus, keine Fehler gemacht zu haben. „Wir meinen, dass unsere Preisfindung absolut angemessen ist und im Einklang mit den bewährten Methoden in der Branche steht“, sagte der Sprecher. Pimco habe zudem mit der SEC kooperiert. Bei der US-Aufsicht war zunächst keine Stellungnahme erhältlich.

Das Unternehmen sei dankbar für alles, was Gross in den vergangenen 43 Jahren für die Firma und die Kunden geleistet habe, sagte Pimco-Chef Douglas Hodge. „Im Verlauf dieses Jahres wurde allerdings immer deutlicher, dass die Führungsspitze des Unternehmens und Bill fundamental unterschiedliche Ansichten darüber haben, wie es mit Pimco weitergehen soll“, räumte Hodge ein. Die Firma aus dem kalifornischen Newport Beach habe einen Nachfolge-Plan und sei auf die Zeit ohne Gross vorbereitet. Der vor einigen Monaten abgetretene Mohammed El-Erian wird Gross nicht nachfolgen, meldet Bloomberg.

Gross gehört zu den bekanntesten Anleihehändlern der Welt. Wenn er den Daumen über bestimmten Staatsanleihen oder Hypothekenpapieren senkte, dann bewegte das die Kurse rund um den Globus. Die Anleger liefen ihm in den besten Zeiten die Türe ein. Die Pacific Investment Management Company (Pimco), die sich die Allianz 2000 einverleibte, hatte Gross schon 1971 aus der Taufe gehoben. Europas größter Versicherer baute seine Vermögensverwaltung mit dem Deal deutlich aus. Plötzlich konnten sich die Münchner mit Branchengrößen wie Blackrock messen. Heute verwaltet die Sparte rund 1,8 Billionen Euro.

Gross und seine Kollegen bei Pimco lieferten jahrelang verlässlich Gewinne ab und wurden deshalb von der Allianz an der langen Leine gelassen. Doch zuletzt verließ den obersten Anlagechef von Pimco das Glück. Vor dem Hintergrund der Finanzkrise und dauerhafter Niedrigzinsen gingen viele Wetten nicht mehr auf, und Gross‘ Vorzeigefonds Total Return warf für die Anleger nicht mehr die erhofften Gewinne ab. Seit Monaten ziehen Anleger Geld aus dem weltgrößten Anleihefonds ab – alleine in diesem Jahr rund 25 Milliarden Dollar.

Die Formschwäche von Pimco trieb die Allianz-Aktionäre bereits bei der Hauptversammlung im Mai um. Auch das spektakuläre Zerwürfnis von Gross mit seinem langjährigen Kompagnon Mohamed El-Erian, das Anfang des Jahres über die Medien ausgetragen wurde, sorgte für Unmut.

Künftig will Gross, der mit einem geschätzten Vermögen von 2,3 Milliarden Dollar beim US-Magazin „Forbes“ auf Platz 252 der reichsten US-Bürger steht, sein Glück bei Janus Capital versuchen. Das Unternehmen aus Denver, das auch Niederlassungen in Europa und Asien hat, betreute zuletzt Fonds mit einem Gesamtvolumen von 178 Milliarden Dollar. Die Vorfreude auf Gross in Denver ist groß. Janus-Aktien schossen an der New Yorker Börse um rund ein Drittel nach oben.

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