Italiens Banken danken Draghi: Intesa Sanpaolo erwartet Bestnoten bei Stress-Test

Der EZB-Stresstest wird in Italien offenbar mit einem überraschenden Gefühl der Vorfreude erwartet: Die zweitgrößte Bank Italiens, die Intesa Sanpaolo, erwartet Bestnoten. Risikoreiche italienische Staatsanleihen, von denen die Bank ausreichend gebunkert haben dürfte, werden in der Überprüfung durch Mario Draghi nicht bewertet.

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Die zweitgrößte italienische Bank Intesa Sanpaolo kann ihrem größten Anteilseigner zufolge mit einem guten Abschneiden beim EZB-Bilanztest rechnen. „Intesa wird die maximale Punktzahl erhalten“, sagte der Verwaltungsratschef des Großaktionärs Compagnia di San Paolo, Luca Remmert, am Donnerstag in Turin. „Es gibt bereits einige Hinweise darauf.“ Die Europäische Zentralbank unterzieht vor Übernahme der Bankenaufsicht in der Euro-Zone im November die großen Institute derzeit einem umfassenden Fitnesscheck, der aus einer Detailprüfung riskanter Bilanzpositionen und einem Stresstest für Notlagen besteht.

Die Ergebnisse will die EZB in der zweiten Oktoberhälfte vorlegen. Finanzkreisen zufolge soll dies am 26. Oktober geschehen. Die Banken sollen 48 Stunden vorher über ihre jeweiligen Ergebnisse informiert werden. Erste Hinweise auf Auffälligkeiten, aber keine endgültigen Ergebnisse, sollen die Banken schon vor Bekanntgabe der Ergebnisse bekommen. So wollen die Prüfer erreichen, dass die Banken um die Veröffentlichung von Pflichtmitteilungen, sogenannter Ad-hoc-Meldungen, vor der offiziellen Bekanntgabe der Testergebnisse herumkommen.

Der Stresstest der EZB wird von Kritikern als äußerst unvollständig angesehen: Dass OTC Geschäfte und Derivate außen vor bleiben, ist schon fast eine Selbsverständlichkeit. Doch die EZB bewertet auch nicht, welche Risiken sich durch das Halten von Staatsanleihen für die Banken ergeben. Die italienischen Banken haben in den vergangenen Jahren, während der Niedrigzinsphase, massiv Staatsanleihen ihrer Regierungen gekauft.

Ein gewisses Problem könnte sich doch auch für die Intesa Sanpaolo ergeben: Italien steht am Rande der Staatspleite. Droht ein Schuldenschnitt, ist die Bank auf weitere, massive Hilfe der EZB angewiesen.

Die erwarteten guten Noten für die Intesa Sanpaolo überraschend dennoch: Erst vor wenigen Monaten war die Mediobanca als Bailout-Kandidat gehandelt worden. Der Chef der ältesten Bank der Welt, der Monte dei Paschi di Siena, hatte gewarnt, dass es wegen der engen Verflechtung der italienischen Banken im Fall der Nicht-Rettung seines Instituts zu einem Banken-Crash in Italien komme könnte. Es ist erstaunlich, dass sich die italienischen Banken offenbar in kürzester Zeit zu Musterschülern in Sachen Stabilität entwickelt haben.

 

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