Luxus trifft auf Elend: Polizei zwingt Flüchtlinge zum Verlassen von Kreuzfahrtschiff

In Zypern hat die Polizei ein Kreuzfahrtschiff geräumt: Das Schiff hatte hunderte syrische Flüchtlinge gerettet, die Flüchtlinge wollten das Schiff jedoch nicht verlassen. Das Unternehmen beklagt Umsatzverluste. Der Clash „Luxus trifft auf Elend“ ist eine Folge der falschen Prioritäten der reichen EU-Staaten: Statt Millionen für Waffen für einen Krieg der Amerikaner zu verschwenden, sollte die EU diesen Flüchtlingen helfen und nicht die Folgen auf dem Rücken der Privatwirtschaft abladen.

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Die zyprische Polizei hat Hunderte Flüchtlinge aus Syrien dazu gezwungen, das Kreuzfahrtschiff «Salamis Filoxenia» im Hafen von Limassol zu verlassen. Die Flüchtlinge waren am Donnerstag rund 50 Seemeilen südwestlich von Zypern bei starkem Seegang an Bord des zyprischen Schiffes genommen worden, nachdem ihr Kutter ein Notsignal gesendet hatte. Nach der Ankunft in Limassol weigerte sich die Mehrheit der Flüchtlinge, an Land zu gehen. Sie forderten, nach Italien gebracht zu werden, wie das staatliche zyprische Fernsehen am Freitag meldete.

Der Fall zeigt exemplarisch, welche Konsequenzen falsch gesetzte politische Prioritäten haben. Die EU-Staaten inklusive Deutschland schicken Waffen in den Irak, obwohl niemand wirklich kontrollieren kann, was mit dem Militärgerät geschieht. Die Kosten für diese undurchsichtigen Aktionen belaufen sich auf mehrere 100 Millionen Euro, wenn man allein die EU betrachtet. Für dieses Geld könnte einer großen Zahl an Flüchtlingen Hilfe gewährt werden – inklusive ihrer Integration in Europa.

Der Fall zeigt allerdings auch, dass die extreme Kluft der Lebensstile in der Welt einen solchen Clash geradezu heraufbeschwört: Würden die sozialen, politischen und gesellschaftlichen Systeme im Westen noch einigermaßen funktionieren, könnte man die reichen Rentner des Westens auch dazu ermuntern, auf Luxuskreuzfahrten zu verzichten und ihr und ihr Geld lieber in Entwicklungshilfeprojekte für die kommenden Generationen zu stecken.

In einem solchen moralfreien Umfeld ist es nur logisch, dass der Kreuzfahrt-Unternehmer, dessen Mannschaft die Flüchtlinge auf vorbildliche Weise gerettet hatte, beklagt, dass er nun mit dem Problem allein gelassen worden sein: «Das ist das Dankeschön. Wir haben sie gerettet, gefüttert und jetzt wollen sie das Schiff nicht verlassen. Wir werden ruiniert», sagte ein Sprecher des Kreuzfahrtbetreibers im Rundfunk. Durch den Ausfall einer Kreuzfahrt am Freitag habe sein Unternehmen hunderttausende Euro verloren. Tatsächlich sollte sich der Reeder nicht bei den Flüchtlingen beschweren, sondern bei den Kriegspolitikern von Syrien bis Washington, die alle Energie auf die Zerstörung verwenden und von niemandem für die Folgen ihrer Taten verantwortlich gemacht werden.

Die Flüchtlinge stammen nach Schätzungen der Behörden fast alle aus Syrien. Unter ihnen sind viele Familien, mehr als 50 Kinder sind dabei. Die Flüchtlinge sollen in ein Flüchtlingslager westlich der Inselhauptstadt Nikosia gebracht werden. Im Mittelmeer sind in den vergangenen Monaten tausende Flüchtlinge ums Leben gekommen.

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