Schwache Nachfrage nach Rohstoffen aus China: Globale Rezession droht

Fallende Preise für Metalle, Rohöl und landwirtschaftliche Produkte gehen einher mit einem nachlassenden Wirtschaftswachstum sowohl in den Industrieländern als auch in China. Und dies trotz der intensiven Unterstützung der Zentralbanken, die Unmengen frisches Geld in die Märkte pumpen. Der weltweiten Konjunktur droht eine Rezession. Für die ohnehin nervösen Märkte sind das keine guten Nachrichten.

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Der Bloomberg-Rohstoff-Index, der 24 Rohstoffe wie Rohöl, Sojabohnen, Nickel oder Gold abbildet, fiel vergangene Woche auf ein 5-Jahres-Tief. Allein seit Ende Juni hat der Index um gut 12 Prozent nachgegeben. Nach Angaben der Financial Times ist der Preis etwa für Sojabohnen seit Ende Juni um fast ein Drittel gefallen, der für Mais um 22 Prozent und für Weizen um 16 Prozent. Aber auch der Preis für Kupfer – der am deutlichsten die schwache Konjunkturentwicklung abbildet – ist auf den tiefsten Stand seit drei Monaten gefallen.

Die Ursache für die auf breiter Front fallenden Preise sind Sorgen über die wirtschaftliche Entwicklung in Europa und vor allem China. „Die Konjunkturzahlen aus China, Europa und Japan waren zuletzt nicht überzeugend. Und das belastet gegenwärtig viele Rohstoffe“, betonte Dominic Schnider von UBS Wealth Management in Singapur.

Vor allem für den bisher größten Wachstumsmotor China schrillen die Alarmglocken. „Die Leute nehmen China die Anstrengungen kaum ab, die Volkswirtschaft wirklich zu stimulieren“, so Snider. Denn China verbraucht rund 40 Prozent des weltweiten Kupfer-Angebots.

Doch die chinesische Regierung machte unlängst deutlich, dass sie wegen einzelner Daten nicht zu einem aktiven Kurswechsel in der Finanz- und Geldpolitik bereit ist, wie die Financial Times berichtet. Dabei plante Chinas Präsident Xi Jinping kürzlich offenbar die Absetzung des langjährigen Chefs der Notenbank. Auslöser sollen Streitigkeiten über den Reformkurs Chinas gewesen sein.

Der sogenannte Baltic-Dry-Index, der die Kosten für den Schiffstransport von Rohstoffen abbildet ist im Jahresvergleich um 35 Prozent auf den niedrigsten Stand seit 18 Monaten gefallen.

Allein der Preis für Eisenerz ist wegen der schwächeren chinesischen Konjunktur in China um 40 Prozent gefallen. Dabei ist China der größte Importeur von Eisenerz aus Australien und Brasilien.

Dies signalisiert, dass Chinas Nachfrage nach Rohstoffen schwach ist, und die geringeren Auftragsvolumina nicht allein auf sinkende Gewinne der Erzeuger der Erze zurückzuführen ist, sondern auf ein Stocken der wirtschaftlichen Entwicklung in China hinweisen. Denn das Land ist, global gesehen, die zweitgrößte Volkswirtschaft und zugleich der weltweit größte Rohstoffkonsument.

Daher stellt sich die Frage, wie China die prognostizierte Wachstumsrate von 7,5 Prozent erreichen will, wenn das Land, wie die FT meldet, derzeit die Stahlproduktion drosselt. Bei Eisenerz war China bisher der größte Nachfrager auf dem Weltmarkt. In den Lagern häufen sich die Kupferbestände. Offenbar geht in China die Boom-Phase schneller als erwartet zu Ende.

Vor zehn Jahren waren die Kupferpreise ein Barometer für die globale Konjunktur, jetzt sagen sie alles über Chinas Konjunktur aus“, sagt Robert Farago, ein Investment-Strategie-Berater laut der Financial Times.

Ähnlich wie in der Eurozone und in den USA pumpt die chinesische Zentralbank Milliarden in die schwächelnde Wirtschaft. Angesichts der schwächelnden Konjunktur sollen die fünf chinesischen Großbanken umgerechnet rund 63 Milliarden Euro bekommen. Die Kapitalspritzen sollen die Geldhäuser zur Stützung der Wirtschaft an Unternehmen weiterreichen.

Jedoch haben die chinesischen Staats-Banken in jüngster Zeit die Anweisung bekommen, ihre Kreditvergabe an stark verschuldete Bauunternehmen und Kommunen zurückzufahren. Dennoch werden weiterhin Kredite vergeben. Und diese wachsen doppelt so schnell an wie die Gesamtwirtschaft. Nicht eingerechnet sind hierbei die Darlehensvergaben der Schattenbanken, die geschätzt umgerechnet mehr als 3,7 Billionen Euro betragen und somit etwa 80 Prozent des Bruttoinlandsprodukts pro Jahr.

Das Wirtschaftswachstum, das Chinas Statistiker auf 7,5 Prozent beziffern –wobei es starke Zweifel an der Korrektheit der offiziellen chinesischen Statistikeng gibt –wird also mit einer massiven Schuldenaufnahme finanziert.

Parallel dazu kommen sich die USA und China sich auf immer mehr Feldern in die Quere. Die USA sehen sich von China herausgefordert. Denn China möchte den US-Dollar als Leitwährung ablösen. Das Land kann im Grunde die USA in Schach halten, weil es enorme Mengen an Dollar-Reserven und US-Staatsanleihen hält. Keines der beiden Länder möchte jedoch einen offenen Konflikt riskieren, da beide Staaten zu stark voneinander abhängig sind.

In China ist das Schattenbankensystem über Treuhandgesellschaften organisiert. Daher könnte die chinesische Finanzpolitik das Kreditvolumen über die Schattenbanken deutlich ausbremsen. Zumal ja die offiziellen Leitlinien vorgeben, die Kreditvergabe an stark verschuldete Unternehmen und Kommunen einzuschränken.

Oder aber die chinesischen Investoren nehmen Abstand davon, ihr Kapital in diese Treuhandgesellschaften zu schleusen. Da dies jedoch auch saftige Gewinne verspricht, ist eher fraglich, ob dieser Finanzierungskreislauf in seiner Widersprüchlichkeit gestoppt wird.

Wie in der Eurozone und in den USA wird auch in China versucht, die Finanzpolitik mit einer Art„Perpetuum Mobile“ im Gleichgewicht zu halten. Mit zweifelhaftem Erfolg. Denn: Geld drucken, die Schulden hochtreiben, die Wirtschaft mit Krediten zu beleben und damit die Hochkonjunktur einläuten – dieser Traum von Politikern, Ökonomen und Notenbankern wird sich nicht realisieren lassen.

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