Amerikaner haben Gerhard Schröder wegen Russland-Politik abgehört

Der ehemalige NSA-Chef Michael Hayden sagt, dass die amerikanischen Geheimdienste in erster Linie Gerhard Schröder ausspionieren wollten. Der Bundeskanzler und nachmalige Gazprom-Mitarbeiter sei wegen seiner Russland-Beziehungen für die Amerikaner eine wichtige Quelle gewesen, die man habe anzapfen müssen. Angela Merkel hätte man nicht abhören müssen, weil sie ohnehin die US-Linie verfolge.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic

Die israelische Zeitung Yedioth Achronot hat ein Interview mit dem früheren NSA-Chef Michael Hayden veröffentlicht. In dem Interview berichtet der Reporter Ronen Bergman, dass er von einer amerikanischen Geheimdienstquelle den wahren Grund erfahren habe, warum die Amerikaner das Handy von Angela Merkel angezapft hätten: Bei der Abhöraktion der deutschen Bundesregierung sei es nicht in erster Linie um das Handy von Angela Merkel gegangen. Die Amerikaner hätten sich vor allem für Erkenntnisse über den damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder interessiert. Er habe pro-russische Positionen übernommen und sei außerdem ein entschiedener Gegner der amerikanischen Invasion im Irak gewesen. Nach seinem Rückzug habe er eine lukrative Position bei dem russischen Energiegiganten Gazprom erhalten.

Hayden auf die Frage, warum die Amerikaner die Bundesregierung abgehört hätten:

„Ich sage nicht, dass wir die Bundesregierung abgehört haben oder dass wir sie nicht abgehört haben. Aber ich möchte in diesem Zusammenhang einen wichtigen Punkt erwähnen. Leute kommen zu mir und sagen: Warum Angela Merkel? Sie ist doch pro amerikanisch! Warum hört man sie ab? Gut, ich verstehe das, aber was ist mit dem anderen Kerl (Schröder)? Wenn Sie sagen, es war dumm von den Amerikanern, Merkel abzuhören, weil man sie eigentlich gar nicht abhören musste, so muss man sagen: Es gab gute Gründe, ihren Vorgänger abzuhören. War das auch dumm? Ich glaube, die meisten Leute würden sagen: Nein, das kann ich verstehen.“

Auf die Frage des Journalisten, ob die Geheimdienstberichte den Amerikanern Erkenntnisse über Schröders Beziehungen zu Russland oder Gazprom gebracht hätten, sagte Hayden: „Ich kann diese Frage nicht beantworten.“

Bergman entlockt Haydn noch ein anderes Detail: Er begründet die Entschuldigung Obamas bei Merkel als eine persönliche Geste, die ausschließlich der Person und sonst niemandem gegolten habe. Aus seiner Antwort geht klar hervor, dass die Amerikaner selbstverständlich sowohl die deutsche Bundesregierung als auch alle anderen Quellen in Deutschland weiter anzapfen werden:

„Zwischen Merkel und Obama gab es ein persönliches no-spy Agreement. Es bedeutete: Wir werden dein Telefon nicht mehr abhören. Es gab darin keine Zusage, die Spionage der Amerikaner gegen Deutschland, gegen das Büro der Bundeskanzlerin, gegen ihre Nachfolger, oder den Vizekanzler zu beenden. Ein solches Zugeständnis hat der Präsident vermieden, als er gesagt hatte, wir haben das Abhören von Dutzenden ausländischen Regierungschefs gestoppt. Der Rest seiner Ausführungen in diesem Paragraf machte eindeutig klar, dass wir in jedem Fall weiter ausländische Regierungen abhören werden. Und so war die persönliche Zusage des Präsidenten eine Zusage an die Person der Bundeskanzlerin.“

Auf die Frage, ob Hayden glaube, dass es jemals ein no-spy Agreement mit Deutschland geben werde, sagte Hayden:

„Ich bin nicht bereit, mich für die legitimen Geheimdienstaktivitäten zu entschuldigen, die ein Land gegen ein anderes führt. So ist es immer gewesen, und so wird es sein, und das ist der Grund, warum es niemals ein rechtlich bindendes no-spying-Agreement mit einem unserer Freunde geben wird, nicht einmal mit Großbritannien.“

Ein interessantes Detail zeigt die Rezeption des Interviews in Deutschland. Die Bild-Zeitung, die den Namen des Reporters falsch schreibt, berichtet durchaus ausführlich über das Interview, erwähnt jedoch die Passage mit Gerhard Schröder ebenso wenig wie die Ankündigung Haydens, dass selbstverständlich weiter spioniert werden würde. Auch die brisante Erkenntnis, dass nur Angela Merkel den persönlichen Datenschutz von Obama genießt, jedoch keines ihrer Regierungsmitglieder von den unbescholtenen deutschen Bürgern ganz zu schweigen -, wird von der Bild-Zeitung nicht erwähnt. Die Mehrheits-Aktionärin des Springer-Verlages ist eine enge Vertraute der Bundeskanzlerin. Der stellvertretende Chefredakteur der Bild-Zeitung, Bela Anda, ist der ehemalige Pressesprecher von Gerhard Schröder.


media-fastclick media-fastclick