Solarblatt erzeugt Eis in der Wüste

Mithilfe von Sonnenenergie wird der Luft die Feuchtigkeit entzogen. Anschließend friert das Wasser an der Unterseite von Solarblättern. In einer Klimasimulation wurde das Verfahren bereits erfolgreich getestet. Selbst in extrem heißen und trockenen Klima kann Eis produziert werden.

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Eis in Wüste: Selbst in extrem heißen und trockenen Klima kann die Luftfeuchtigkeit gefroren werden. (Illustration: SunGlacier)

Eis in Wüste: Selbst in extrem heißen und trockenen Klima kann die Luftfeuchtigkeit gefroren werden. (Illustration: SunGlacier)

Der Künstler Ap Verheggen will mit SunGlacier das Unmögliche möglich machen. Zusammen mit Experten eines deutschen Unternehmens für Kühltechnik, hat der Mann aus Den Haag erste erfolgreiche Tests durchgeführt.

In einer Klimasimulation wurde erfolgreich Eis hergestellt. Das Team stellte somit fest, dass es möglich ist, selbst in einem extrem trockenen und heißen Klima, der Luftfeuchtigkeit Wasser zu entziehen und daraus Eis zu machen.

Mit Hilfe von Solarenergie ist es laut Verheggen demnach möglich, eine Art natürliches Eisfach in der Wüste zu konstruieren – und das völlig ohne die Zugabe von Wasser. SunGlacier ist somit eine innovative Erfindung, die das Leben in der Wüste neu gestalten könnte.

Mit seinem künstlerisch gestalteten Blatt soll der Luft das Wasser entzogen werden. Dies ist nötig, um letztlich daraus Eis herzustellen. Der Holländer erklärt einen häufigen Trugschluss: „Die absolute Menge an Wasser in der Luft in Wüsten ist nicht viel anders, als in grünen Regionen. Das Konzept der relativen Luftfeuchtigkeit wird oft verkannt.“

Das Design hat sich der Künstler, wie so viele schon vor ihm, von der Natur abgeschaut. Weil ein Blatt die effektivste Konstruktion ist, um Sonne aufzunehmen, hat er sich dies zunutze gemacht. Sein Blatt ist allerdings bedeckt mit Solarzellen und produziert auf diese Weise ein Maximum an Energie.

Auf der Unterseite des Blattes wird die Oberfläche auf Minusgrade abgekühlt. Dadurch wird die Luftfeuchtigkeit auf diesem Bereich anfrieren und somit das Eis hergestellt. Eine Art Perpetuum Mobile, wie das Team behauptet – auch wenn es per Definition keines ist. Schließlich benötigt das System weiterhin Sonnenenergie und funktioniert offenbar nur bei direkter Sonneneinstrahlung.

Die Idee für das Projekt hatte der Holländer, als er sich die schmelzenden Gletscher in Grönland ansah. Seitdem beschäftigte ihn der Gedanke, ob es möglich ist, Gletscher an anderen Orten entstehen zu lassen. Und damit es eine richtige Herausforderung ist, entschied sich Verheggen für die Wüste, als Standort seiner zukünftigen Gletscher.

Es handelt sich bei Projekt SunGlacier aber nicht nur um ein Gedankenspiel, wie man meinen möchte. Inzwischen unterstützt sogar die UNESCO-IHE die Idee. Dabei handelt es sich um das sogenannte Institut für Wasser-Ausbildung. Für die Organisation ist Ap Verheggen auch ein kultureller Botschafter.

Zusammen mit dem am Bodensee ansässigen Unternehmen Cofely Refrigeration hat Verheggen viel versprechende Tests durchgeführt. Demnach soll es möglich sein, mit Sonnenenergie riesige Mengen von Eis herzustellen.

Wir wussten, dass es theoretisch möglich ist und wir haben es bewiesen, in einer speziell gestalteten Klimakammer.“ In dieser Kammer wurde die besondere Situation der Wüste nachgestellt. Das Ergebnis hat das Team überzeugt, dass ihre Eismaschine in der Wüste tatsächlich funktionieren wird.

Mit SunGlacier möchte Verheggen die dynamische Verbindung zwischen Klima und Kulturen aufzeigen. Er sieht das Ganze als Symbol für Hoffnung und Kreativität. Schöne Worte, die mit der richtigen Umsetzung das Leben in der Wüste grundlegend neu erfinden könnten.

Doch nicht nur in der Wüste kann SunGlacier Menschen helfen. Auf der UN-Konferenz über Klimawandel Anfang Dezember in Peru, will der Künstler sein Projekt vorstellen und konkret zeigen, wie es den Menschen im Land den Zugang zu Wasser ermöglicht.

Das Team hat dafür das Klima in Peru untersucht und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass es ideal für das Projekt ist. Des Weiteren steht bereits jetzt ein Konzept zur Verfügung, dass mit präzisen Zahlen aufzeigt, wie den Einwohnern in Lima und Umgebung geholfen werden kann.

Mit einer Konstruktion, die eine Fläche von 100 Quadratmetern umfasst, könnten in Lima gut 32 Liter Trinkwasser pro Stunde aus der Luft gefiltert werden. Das sind rund 260 Liter, die innerhalb von acht Sonnenstunden produziert werden. Genaue Zahlen zu den Kosten gibt es zwar noch nicht. Allerdings haben rund zwei Millionen Menschen in Lima keinen Zugang zu sauberen Leitungswasser. In ganz Peru sollen es acht Millionen Betroffene sein.

Aus diesem Hintergrund wäre der SunGlacier sicherlich nicht nur eine Kreation für das Auge.

In einer Klimasimulation wurde das Verfahren bereits erfolgreich getestet. (Illustration: SunGlacier)

In einer Klimasimulation wurde das Verfahren bereits erfolgreich getestet. (Illustration: SunGlacier)


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