Wegen Russland-Sanktionen: Industrie-Aufträge brechen ein

Die Unsicherheit in der Ukraine und die Handelspolitik der EU haben die deutsche Wirtschaft im August tief ins Minus gedrückt. Die Russland-Sanktionen der EU waren am 31. Juli offiziell beschlossen worden - die Aufträge im August brachen so stark ein wie seit fünfeinhalb Jahren nicht. Die Bundesregierung sagt, die Ferien seien schuld.

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Die Entwicklung des Einkaufsmanager-Indexes zeigt: Die Amerikaner haben von den Russland-Sanktionen direkt profitiert. (Grafik: zerohedge)

Die Entwicklung des Einkaufsmanager-Indexes zeigt: Die Amerikaner haben von den Russland-Sanktionen direkt profitiert. (Grafik: zerohedge)

Der deutschen Industrie sind die Aufträge im August so stark weggebrochen wie seit fünfeinhalb Jahren nicht mehr. Die Bestellungen fielen um 5,7 Prozent zum Vormonat, teilte das Bundeswirtschaftsministerium am Montag in Berlin mit. Einen stärkeren Rückgang gab es zuletzt im Januar 2009 auf dem Höhepunkt der weltweiten Finanzkrise. Von Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich ein Minus von 2,5 Prozent erwartet, nachdem es im Juli noch einen Zuwachs von 4,9 Prozent gegeben hatte.

„Die Auftragseingänge wurden im Juli positiv und im August negativ durch die späte Lage der Schulferien beeinflusst“, erklärte das Ministerium. Aber auch ohne diesen Effekt entwickelten sich die Aufträge „angesichts der zögerlichen Wirtschaftsentwicklung im Euroraum und der Verunsicherung der Wirtschaft durch die geopolitischen Ereignisse insgesamt schwach“. Das Ministerium gab sich aber optimistisch: „Sobald sich die Verunsicherung etwas legt, werden sich aber die Auftriebskräfte wieder durchsetzen.“ Das Problem: Das Ministerium von Sigmar Gabriel meint mit den höflich umschriebenen „geopolitischen Ereignissen“ die Russland-Sanktionen, deren Rückführung nicht mehr allein in der Entscheidungsgewalt der Bundesregierung liegt. Deutschland war zu den Sanktionen von den USA gezwungen worden, wie US-Vizpräsident Joe Biden erklärt hat. Die US-Wirtschaft profitiert im Gegensatz zur deutschen von der Lage (siehe PMI-Chart).

Die Nachfrage aus dem Ausland fiel im August um 8,4 Prozent. Die Aufträge aus der Euro-Zone nahmen um 5,7 Prozent ab, die aus dem Rest der Welt um 9,9 Prozent. Die Inlandsaufträge schrumpften um 2,0 Prozent. Besonders deutlich fiel die Nachfrage nach Investitionsgütern wie Maschinen und Fahrzeugen – das deutlichste Indiz, dass es sich um ein Problem mit Russland handelt. Hier gab es ein Minus von 8,5 Prozent. Die Bestellungen von Konsumgütern wuchsen dagegen um 3,7 Prozent, die nach Vorleistungsgütern wie Chemikalien ließen um 3,0 Prozent nach.


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