Kurden-Protest: Schwere Ausschreitungen in der Türkei

Tausende Kurden haben in der Türkei gegen die Untätigkeit der Regierung im Kampf gegen die IS protestiert. Die Türkei taktiert in Syrien: Sie rechnet offenbar damit, dass die PKK von der IS aufgerieben wird. Damit könnte die Türkei verhindern, dass es jemals zu einem Kurdenstaat kommt, der auch Territorium in der Türkei beansprucht.

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Tausende Kurden haben in der Türkei gegen die Belagerung der nordsyrischen Stadt Kobani durch die radikalislamische IS-Miliz protestiert. Sie forderten die türkischen Regierung auf, mehr zum Schutz der überwiegend kurdischen Bevölkerung in der Grenzstadt zu tun. Die Polizei ging mit Tränengas gegen die Demonstranten vor, die Autos und Reifen in Brand steckten. Ein Demonstrant wurde getötet, Dutzende verletzt. Die Proteste am Dienstag konzentrierten sich in den überwiegend von Kurden bewohnten Provinzen im Osten und Südosten der Türkei. Aber auch in der Metropole Istanbul und in der Hauptstadt Ankara kam es zu Kundgebungen.

Die Türkei will die Lage in Syrien nutzen, um einen Kurdenstaat zu verhindern. Sie hat zu diesem Zweck offenkundig lange den IS unterstützt. Die USA tolerieren das Vorgehen, weil es in ihren Masterplan passt. Die PKK und ihre syrische Schwesterpartei sind im Kampf gegen den IS faktisch auf sich selbst gestellt. Die USA und die an der Sicherstellung der Rohstoffe interessierte Allianz unterstützt die Peschmerga-Kurden.

In Varto, einer Stadt in der osttürkischen Provinz Mus, sei ein 25-jähriger Mann bei Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Demonstranten ums Leben gekommen, berichteten örtliche Medien. Sechs weitere Demonstranten seien verletzt worden. In den Provinzen Mardin und Van verhängten die Behörden eine Ausgangssperre.

Der Vormarsch der extremistischen Kämpfer des Islamischen Staates (IS) in Kobani erhöht den Druck auf das Nato-Mitglied Türkei, sich in den Konflikt einzuschalten. So warfen kurdische Politiker der Regierung in Ankara Untätigkeit vor und riefen zu Protesten auf. Der stellvertretende Ministerpräsident Yalcin Akdogan verwahrte sich dagegen. „Es ist eine massive Lüge, dass die Türkei nichts im Fall Kobani tut“, schrieb er auf Twitter. In humanitären Belangen unternehme sein Land alles, was es könne.

Mehr als 180.000 Flüchtlinge aus Kobani hat die Türkei nach eigenen Angaben bereits aufgenommen. Eine Bestätigung für dieses Zahl gibt es nicht. Im Kampf um die Stadt starben nach Angaben der Syrischen Beobachtungsgruppe für Menschenrechte bislang rund 400 Menschen. Auf türkischem Territorium an der Grenze zu Syrien schlagen auch immer wieder Geschosse ein, während sich IS-Kämpfer und kurdisches Militär Gefechte liefern. Die Türkei und Syrien teilen eine rund 900 Kilometer lange Grenze.

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