Einkommen: In der Krise wächst die Ungleichheit zugunsten der Reichen

Über Jahrzehnte nahm die Ungleichverteilung der Einkommen in Deutschland zu. Nach 2007 schien der Trend jedoch vorerst gestoppt. Unter Ökonomen entbrannte ein heftiger Streit, ob dieser Stopp dauerhaft oder nur vorübergehend ist. Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) hat herausgefunden, dass der Trend zur Ungleichheit nach wie vor besteht.

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Die Düsseldorfer Ökonomen fanden in ihrer Studie heraus, dass lediglich die schwache Konjunktur dafür sorgte, dass die Ungleichheit nach 2007 nicht weiter stieg, bei gutem Wirtschaftswachstum aber der Trend zu mehr Ungleichheit ungebrochen ist. Zu diesem Schluss kamen sie, als sie berechneten, welchen Einfluss die verschiedenen Einkommensquellen auf die Einkommensverteilung haben.

So wurden durch das Krisenjahr 2008 die Einkommen durch Vollzeiterwerbstätigkeit ungleicher verteilt, da viele Leute arbeitslos wurden. Auf der anderen Seite schwanken aber die Kapitaleinkommen, also die Einkommen aus Zinsen oder Unternehmensausschüttungen, besonders stark mit der Konjunktur. Und da die Kapitaleinkünfte vor allem bei den bereits schon Reichen anfallen, führte ihr vorübergehender Rückgang in den Jahren 2008-10 tendenziell zu einer gleicheren Einkommensverteilung.

Die Ökonomen vom Düsseldorfer IMK berechneten dazu, dass der positive Verteilungseffekt durch die zurückgehenden Kapitaleinkünfte größer war als der negative Verteilungseffekt durch die zurückgehenden Vollerwerbseinkommen. Nur darum ging nach 2007 die Einkommensungleichheit insgesamt zurück.

Allgemein sieht das IMK aber den Trend zu mehr Ungleichheit ungebrochen. Dafür würden immer mehr atypische Beschäftigungsverhältnisse wie Teilzeitarbeit oder Leiharbeit sorgen. Genaue Daten für die Jahre ab 2012, um diese These zu bestätigen, sind aber noch nicht verfügbar.

Das IMK wird von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung finanziert.

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