Investoren trauen Stresstest nicht und meiden Bank-Aktien

Die Hoffnung der EZB, durch einen milden Stresstest die Investoren zum Einstieg in den Banken-Sektor zu bewegen, haben sich am Montag nicht erfüllt. Bank-Aktien waren nicht gefragt, weil die Risiken mittlerweile auch mit freiem Auge zu erkennen sind.

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Die Erleichterung über den glimpflichen Ausgang des Stresstests für Europas wichtigste Banken ist an den Börsen schnell verflogen. Anfangs schossen die Aktienkurse von Instituten wie der Commerzbank und der österreichischen Erste Group am Montag nach oben, weil diese bei der Prüfung positiv überrascht haben. Doch am Nachmittag lag der europäische Banken-Index wieder 1,6 Prozent niedriger als vor der Veröffentlichung der Ergebnisse.

Durchgefallene Kreditinstitute wie die italienische Monte dei Paschi ringen unterdessen um einen Ausweg aus der Kapitalnot. Der aus Siena stammenden, 1472 gegründeten ältesten Bank der Welt bleibt möglicherweise nur eine Fusion oder die Trennung von Unternehmensteilen. Doch ob sie jemand kaufen will, halten Experten für fraglich. Eine fünf Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung im Juni reichte nicht, um das Loch in ihrer Kapitaldecke zu stopfen: Monte dei Paschi fehlen noch immer 2,1 Milliarden Euro. Die Aktien sackten um 19 Prozent ab, obwohl die Börsenaufsicht Consob besonders spekulative Geschäfte, sogenannte Leerverkäufe, mit ihren Aktien verbot.

Auch die italienische Notenbank macht sich Sorgen um die drittgrößte Bank des Landes: „Wir würden uns extrem über jede Situation, jedes Ergebnis freuen, das die Bank stärken würde“, sagte Fabio Panetta, Vorstandsmitglied der Banca d’Italia. Das Institut hat die Investmentbanken UBS und Citigroup angeheuert, um Lösungen auszuarbeiten. Die Bank hat in den vergangenen drei Jahren insgesamt 9,3 Milliarden Euro Verlust angehäuft. Sie leckt damit die Wunden aus dem milliardenschweren Kauf des Rivalen Antonveneta im Jahr 2007, kurz vor dem Ausbruch der Finanzkrise. Sie hat schon 500 Filialen geschlossen und 8000 Arbeitsplätze gestrichen. RBS-Analyst Alberto Gallo sagte, Monte dei Paschi fehlten schlicht die Gewinne, um die Einbußen etwa mit Staatsanleihen in einer Krise abzufedern.

Insgesamt sind neun von 15 Banken aus Italien im Stresstest durchgefallen, vier davon haben noch Kapitallücken zu schließen. Die Aktien der Genueser Bank Carige, der gut 800 Millionen Euro fehlen, brachen um 14 Prozent ein. Sie hat bereits den Plan für eine Kapitalerhöhung in der Tasche, die von der Mediobanca garantiert wird. Insgesamt sind 25 Geldhäuser durchgefallen, das Kapitalloch europaweit beträgt knapp zehn Milliarden Euro. Bis auf die Münchener Hypothekenbank haben alle deutschen Teilnehmer bestanden. Deutsche-Bank -Co-Chef Jürgen Fitschen warnte aber vor Überheblichkeit: „Wir sollten aufhören, mit dem Finger auf andere zu zeigen, die das Klassenziel nicht erreicht haben.“ Er sei sich sicher, dass am Ende alle das Ziel erreichen werden. Die fehlende Summe sei so gering, dass dies zu schaffen sei.

MASSIVE KORREKTUREN AN ITALIENISCHEN BANK-BILANZEN

Dass es insbesondere die italienischen Banken getroffen hat, wundert Experten nicht. „Der Stresstest ist vor allem ein Warnruf an die italienische Regierung“, betonte Thomas Gitzel, Chef-Volkswirt der VP Bank. „Während Spanien in den vergangenen Jahren viel unternahm, um seine Volkswirtschaft auf Vordermann zu bringen, blieb Italien auf der Strecke.“ Knackpunkt war für die dortigen Institute schon die vorgeschaltete Bilanzprüfung: Die EZB-Prüfer werteten die Kredite der 15 Banken um insgesamt zwölf Milliarden Euro ab – das ist ein Viertel der Korrekturen in den Bilanzen aller 130 Stresstest-Teilnehmer. Die Banca d’Italia erklärte, die schwache Konjunktur sei schuld an den Problemen: „Wenn das Wachstum nicht zurückkehrt, wird es sehr schwierig, auf lange Sicht ein solides Bankensystem zu bekommen“, sagte Panetta.

Die drei am EZB-Stresstest gescheiterten griechischen Banken könnten ihre Kapitallücken durch den Verkauf der profitablen Töchter in Osteuropa schließen. Frisches Kapital bräuchten die Eurobank, die National Bank of Greece (NBG) und die Piraeus Bank dann wohl kaum. Bei der NBG hieß es, die Balkan-Töchter stünden nicht zur Disposition, nur eine Beteiligung an der türkischen Finansbank und andere Werte, die nicht zum Kerngeschäft gehörten. Aus Zypern sind zwar drei von vier Banken durchgefallen. Dass nur eine davon – die Hellenic Bank – noch eine Lücke zu schließen hat, und die nur 105 Millionen Euro groß ist, wertet die Zentralbank positiv: „Das ist der größte Erfolg für Zypern seit dem Desaster von 2013“, sagte Notenbankchefin Chrystalla Georghadji.

Die portugiesische BCP Millennium glaubt, ihr Kapitalloch von 1,15 Milliarden Euro ohne frisches Kapital füllen zu können. Die in diesem Jahr beschlossenen Maßnahmen, die aber im Stresstest noch nicht gezählt hätten, reichten dazu aus, erklärte die Bank. Die EZB hatte zwar zusätzlich aufgenommenes Kapital nach dem Stichtag berücksichtigt, nicht aber einen Abbau von Bilanzrisiken. BCP-Aktien fielen dennoch um 3,2 Prozent.

Ein endgültiges Urteil über die Zukunftsfähigkeit der Banken erlaube der Stresstest ohnehin nicht, sagte Strategy&-Experte Philipp Wackerbeck. „Banken, die bereits vorher kein überzeugendes Geschäftsmodell mit nachhaltiger Profitabilität aufweisen konnten, werden auch weiterhin unter Druck stehen, ihr Geschäftsmodell zu überarbeiten.“ Das gelte vor allem für solche Banken, die überraschend durch den Stresstest gekommen seien.

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