Bahn-Streik: Speditionen holen Lkw aus Osteuropa

Die deutschen Autobauer planen bereits seit Wochen mit einem möglichen Streik der Bahn. Der Güter-Verkehr muss von der Schiene auf die Straße gelegt werden. Dafür holen sich die Konzerne sogar Lkw aus Osteuropa.

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Die auf pünktliche Zulieferungen angewiesenen Autobauer leiten angesichts des Streiks bei der Bahn ihre Transporte von der Schiene auf die Straße um. Die Firmen hätten schon vor Wochen damit begonnen, sich vorsorglich Transportkapazitäten bei Speditionen zu sichern, um Produktionsausfälle zu vermeiden, sagte ein Sprecher des Bundesverbandes Güterverkehr, Logistik und Entsorgung am Mittwoch in Frankfurt. Die Zahl der Lkw in Deutschland sei jedoch begrenzt. Daher wichen einige Firmen auf osteuropäische Spediteure aus. Dort seien wegen der Sanktionen gegen Russland noch Kapazitäten frei.

Daneben stocken Hersteller und ihre Lieferanten ihre Lager auf, um bei Engpässen im Nachschub nicht gleich die Bänder anhalten zu müssen. „Wir haben ein Maßnahmenpaket geschnürt, so dass wir gut vorbereitet sind“, sagte eine Daimler-Sprecherin. Ein Teil der Lieferungen werde auf die Straße verlagert. Einschränkungen in der Produktion würden nicht erwartet. „Wir sind recht entspannt. Für uns wird das kein Problem darstellen.“

Auch bei Volkswagen bemüht man sich, Produktionsausfälle zu vermeiden. „Unser Ziel ist es, die Produktion an unseren Standorten aufrecht zu erhalten“, sagte ein Sprecher. Ähnlich äußerten sich BMW und Audi. BMW verwies zudem darauf, dass die Bahn bis zum Ende der Woche einen reibungslosen Ablauf der Transporte zugesichert habe. Beide Hersteller betonten, dass der Streik fürs Erste keine Auswirkungen auf die Auslieferung haben werde. Die Kundschaft solle nicht auf bestellte Wagen warten müssen.

Der Zulieferer Continental hält seine Vorräte an Autoteilen und Reifen für ausreichend, um einen Streik zu überstehen. „Vier Tage sind kein Drama für uns“, sagte eine Sprecher.

Die Bahn versprach, etwa die Hälfte der Verbindungen im Güterverkehr aufrechtzuerhalten. Kraft- und Stahlwerke sowie die Chemie- und Autoindustrie sollten vorrangig bedient werden. Täglich rollen alleine für die Automobilindustrie rund 200 Züge durch Deutschland. Ein vollständiger Ersatz aller Bahntransporte durch andere Verkehrsträger ist nach Angaben des Verbandes der Automobilindustrie jedoch nicht möglich. „Deswegen rechnen wir damit, dass unsere Transportabläufe erheblich behindert werden“, sagte VDA-Chef Matthias Wissmann.

Die GDL begann den Streik im Güterverkehr am Mittwoch um 15.00 Uhr. Im Personenverkehr sollen die Lokführer ab Donnerstag um 02.00 Uhr die Arbeit niederlegen. Enden soll der Ausstand am Montagmorgen um 04.00 Uhr.

Bei dem Streik geht es neben besseren Bedingungen für mehrere Beschäftigten-Gruppen um die Grundsatzfrage, ob die Gewerkschaften nur ein dekoratives Element oder der starke Arm der Arbeiter sind.

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