Alternative zur Schiene: Siemens testet Elektro-Highways für Lkw 

Siemens versorgt Elektro-Lkw auf einer kalifornischen Straße mit Strom. Eine Oberleitung ermöglicht den Lastfahrzeugen abgasfrei zu fahren. Die so gennanten E-Highways sollen den Güterverkehr auf stark genutzten Strecken effizienter und umweltfreundlicher machen.

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Siemens hat in Kalifornien erstmals auf einer öffentlichen Straße eine Oberleitung für Elektro- und Hybrid-Lkw installiert. Bis zu vier Test-Lkw werden in beiden Fahrtrichtungen mit Strom versorgt und fahren so völlig abgasfrei.

Der Konzern installiert diesen zwei Meilen langen eHighway in der Stadt Carson. Bis Mitte 2016 soll sich die Technik dort in der Praxis bewähren. Siemens realisiert das Projekt zusammen mit dem zum Volvo-Konzern gehörenden Fahrzeugbauer Mack und dem Umrüsterspezialisten Transpower.

Experten erwarten eine Verdreifachung des Güterverkehrs bis 2050. Daher werden trotz Ausbau des Schienennetzes künftig wesentlich mehr LKW unterwegs sein. Die Häfen von Los Angeles und Long Beach werden schon heute täglich von tausenden Lkw angefahren.

Besonders belastet ist ein 30 Kilometer langes Teilstück. Dort fahren heute pro Tag etwa 35.000 Lkw. Schon bis 2035 soll sich dort die Zahl knapp verdreifachen, weshalb die Häfen eine emissionsfreie Transportlösung suchen. Die lokale Umweltbehörde prüft nun, ob sich die eHighway-Technik für die kommerzielle Nutzung auf dem Highway 710 eignet.

Die Test-Lkw könnten auch unter realen Bedingungen in Flotten von Logistikunternehmen integriert werden.  Die E-Highways sollen eine energieeffiziente und emissionsarme Lösung für stark frequentierte Lkw-Pendelstrecken darstellen.

Die Stromversorgung funktioniert mit intelligenter Technologie: Sensoren auf dem Fahrzeugdach erkennen, ob eine Oberleitung vorhanden ist und docken den Lkw automatisch an oder ziehen ihn ab. Auch Spurwechsel zum Überholen sind bis zu einer Geschwindigkeit von 90 Kilometern in der Stunde möglich. Solange eine Oberleitung vorhanden ist, verursachen die Lkw keinerlei lokale Emissionen, auf konventionellen Strecken schalten sie je nach Antriebsart auf Diesel-, Gas- oder Batteriebetrieb um.

Ein eHighway ist mit rund 80 Prozent Wirkungsgrad etwa doppelt so effizient wie der Transport mit Diesel-Lkw. Das liegt an der höheren Effizienz von Elektroantrieben. Außerdem ist die Stromübertragung via Oberleitung sehr effizient: Hier beträgt der Wirkungsgrad 99 Prozent.

Die Energieeffizienz des eHighway erhöht sich weiter, indem die Lkw elektrische Bremsenergie in das Versorgungsnetz zurückspeisen.  Siemens entwickelte den eHighway seit 2011 im Forschungsprojekt ENUBA. Damals wurde die Machbarkeit des Konzepts auf einem Testgelände mit diesel-elektrisch angetriebenen Lkw gezeigt. Derzeit untersuchen die Projektpartner in ENUBA 2 die Alltagstauglichkeit der Technik.

Getestet werden zum Beispiel Kurvenfahren oder Lösungen, um die Technik so in Zugfahrzeuge zu integrieren, dass ein normaler Sattelaufleger gezogen werden kann. In Kalifornien wird der eHighway nun erstmals auf öffentlichen Straßen betrieben und mit verschiedenen Lkw-Antrie­ben – elektrisch, diesel-elektrisch und gas-elektrisch – getestet.

 

 

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