Banken-Krach in Bulgarien: Corpbank meldet Insolvenz an

Die bulgarische Corpbank ist endgültig pleite. Zuletzt hatte die Regierung noch versucht, der Bank mit einer Kreditlinie der EU-Steuerzahler zu retten. Ob das Geld nun weg ist, ist unklar.

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Bulgarien schickt die viertgrößte Bank des Landes nach einem Korruptions-Skandal in die Insolvenz. Diese wird die bulgarischen Steuerzahler teuer zu stehen kommen. Die Notenbank entzog der Corpbank am Donnerstag die Lizenz und beauftragte ein Gericht mit dem Insolvenzverfahren. Die Zentralbank hatte im Juni bei Corpbank das Ruder übernommen, nachdem Kunden in Folge von Berichten über zweifelhafte Geschäfte in großem Stil ihre Konten geleert hatten. Daraus entwickelte sich die größte Bankenkrise in dem osteuropäischen Land seit den 1990er Jahren.

Zunächst hatte die Regierung behauptet, der Bankrun sei von Internet-Gerüchten ausgelöst worden es gab sogar Verhaftungen (alle Hintergründe zu dem Skandal – hier).

Mit dem Entzug der Lizenz zieht die Notenbank nun die Reißleine in der Corpbank-Saga. Der Skandal hatte ein Schlaglicht auf Korruption und eine mangelhafte Bankenaufsicht in Bulgarien geworfen – ausgerechnet zu einer Zeit, als die ausländischen Investitionen in das Balkan-Land ohnehin stark abnahmen. Internationalen Kontrolleuren zufolge soll das Geldhaus den Aufsichtsbehörden unglaubwürdige Informationen übermittelt und Kredite nicht ordnungsgemäß abgesichert haben. Dabei hätten Manager die zweifelhaften Geschäfte mit ausgefeilten Manövern vertuscht.

Die EU-Kommission hatte zuletzt ein Verfahren gegen Bulgarien wegen des Umgangs mit der Krisenbank Corpbank eingeleitet. Die Zentralbank in Sofia hatte vor einigen Monaten nach einem Kundenansturm das Institut übernommen und den Zugang zu allen Konten gesperrt.

Für die EU ist die Pleite unangenehm – und kommt vielleicht doch nicht ungelegen: Bulgarien will der EU-Bankenunion beitreten. In diesem Fall haften auch die EU-Rettungs- und Einlagenfonds für bulgarische Banken. Der Beitritt zur Bankenunion ist für jedes Land ohne vorherige Banken-Prüfung möglich.

Dabei handle es sich offenbar um eine „nicht gerechtfertigte und übertriebene Einschränkung des freien Kapitalverkehrs“, hatte die Kommission erklärt. Die Kunden der Corpbank müssten sofort wieder Zugang zu ihrem Geld erhalten. Bulgarien hat bis Mitte Oktober Zeit, um auf das Schreiben zu antworten.

Die Zentralbank lehnte eine Stellungnahme ab. Eine Erklärung der Regierung lag zunächst nicht vor.

Die EU musste das bulgarische Finanzsystem im Juni mit einem Notkredit stützen. Die EU-Kommission hatte angekündigt, man werde der nach einem Bank-Run erschütterten bulgarischen Banken-Branche mit einem Kredit in der Höhe von 1,7 Milliarden Euro „vorsorglich“ und „angemessen“ unter die Arme greifen.

Der Bankenskandal ist ein klassischer Kriminalfall: Das Schicksal der Corpbank war endgültig besiegelt, nachdem die wichtigsten Kredit-Dokumente spurlos verschwunden sind. Daher müssen auch die europäischen Steuerzahler um den Milliarden-Kredit bangen, den Brüssel als Notmaßnahme gewährt hat.

Dem Mehrheitseigentümer der Corpbank, Zwetan Wassilew, wird Veruntreuung vorgeworfen. Er soll zwischen 2011 und 2014 umgerechnet rund 100 Millionen Euro aus dem Institut abgezogen und an eine andere Firma in seinem Besitz übertragen haben. Wassilew hat die Vorwürfe zurückgewiesen.


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