Straf-Gebühren: Banken wollen Sparguthaben vorerst nicht antasten

Noch wollen die Banken die Sparguthaben nicht mit Strafgebühren belegen. Die breite Front, an der jedoch Unternehmen nun belastet werden sollen, zeigt: Was vor wenigen Wochen noch undenkbar schien, kann schon bald zur Normalität werden. Die Politik von Mario Draghi zwingt die Sparer entweder zum Geldausgeben oder in riskante Investments.

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Unternehmen und Profi-Anleger müssen künftig mit Strafzinsen rechnen, wenn sie hohe Geldbeträge auf ihren Konten bei deutschen Banken liegen lassen. Die Commerzbank schloss am Donnerstag als erste Großbank solche Gebühren nicht mehr aus. „Bei einzelnen großen Firmenkunden mit hohen Guthaben sowie bei Großkonzernen und institutionellen Anlegern behalten wir uns vor, für hohe, aus überschüssiger Liquidität bei uns geparkte Einlagen eine Guthabengebühr zu berechnen“, sagte ein Sprecher der staatlichen Bank, die im Zuge der Finanz-Krise vom Steuerzahler gerettet werden musste. Die Commerzbank hatte für Aufsehen gesorgt, weil sich die Manager Boni ausgezahlt hatten, die höher waren als die erwirtschafteten Gewinne.

Doch auch andere Institute sprechen mit Großkunden über Gebühren auf Einlagen. Die Geldhäuser versuchen, die Gelder auf Termingelder umzuleiten, auf die es noch Zinsen gibt.

Für Sparer sollen Strafzinsen aber tabu bleiben – vorerst. „Der intensive Wettbewerb der Kreditinstitute spricht auch weiterhin gegen Negativzinsen im Privatkundengeschäft“, sagte ein Sprecher des Bankenverbandes BdB. Die Banken selbst müssen seit September 0,2 Prozent zahlen, wenn sie überschüssiges Geld über Nacht bei der Europäischen Zentralbank (EZB) anlegen. Wie lange es bei der Schonung der Sparer bleibt, ist schwer abzusehen. Der US-Ökonom Kenneth Rogoff hat die Abschaffung des Bargelds gefordert, um die Durchsetzung von Negativ-Zinsen erzwingen zu können.

Als die Skatbank als erste Bank die Negativ-Zinsen einführte, tönte es noch fast unisono aus der Bankenwelt, dass es sich hier um einen Einzelfall handle, der keinesfalls verallgemeinert werden könne. Heute stellt sich die Aktion der Skatbank eher als Test-Ballon dar. Daher ist bei den Beteuerungen der Banken, die Sparer schonen zu wollen, Skepsis angebracht.

Auch die DZ Bank schließt langfristig negative Zinsen auf hohe Guthaben von Firmenkunden nicht aus. „Die Konditionen sind allgemein Gegenstand individueller Verhandlungen“, sagte eine Sprecherin des genossenschaftlichen Spitzeninstituts. „Unter Berücksichtigung der jeweiligen Kundenbeziehung versuchen wir, nach Möglichkeit keine negativen Zinsen zu erheben.“ Die Luxemburger Tochter DZ Privatbank, bei der vor allem Fondsgesellschaften Kunden sind, verlangt von institutionellen Investoren schon seit einer Woche negative Zinsen von 0,25 Prozent, wie ein Sprecher des Instituts erklärte.

Auch die Landesbank Baden-Württemberg und ihre Filialtochter BW-Bank sprachen von „einzelvertraglichen Regelungen“, etwa mit Großunternehmen. Grundsätzlich verlangten sie auf kurzfristige Anlagen aber keine Strafzinsen.

HypoVereinsbank-Chef Theodor Weimer hatte kürzlich gesagt, so lange er an der Spitze der Bank stehe, werde es keine negativen Zinsen geben. „Egal, wer zu uns kommt, er wird dafür nicht bestraft.“ Die Deutsche Skatbank hatte als erste das Tabu gebrochen und auf Tagesgelder von mehr als 500.000 Euro einen Strafzins von 0,25 Prozent erhoben.

Die Deutsche Bank fährt in der Frage der Negativ-Zinsen ebenfalls einen anderen Kurs als die Wettbewerber: „Die Deutsche Bank plant derzeit nicht, im breiten Kundengeschäft Gebühren für Einlagen einzuführen„, sagte ein Sprecher. Statt dessen bekämen institutionelle Kunden ein Angebot, ihre Einlagen in alternative Produkte anzulegen.

Die Commerzbank verpackt ihre Ankündigung in wattierte Besonnenheit: „Bei der Erhebung der Guthabengebühren werden wir sorgsam vorgehen und besondere Rücksicht auf Liquiditätsbestände unserer Kunden nehmen, die für den laufenden operativen Geschäftsbetrieb notwendig sind“, sagte der Commerzbank-Sprecher. Das gilt etwa für Einzelhändler.

Dem langjährigen Commerzbank-Kunden Norma, einem Industrie- und Autozulieferer aus Maintal bei Frankfurt, ist vor Negativzinsen nicht bange. Noch bekomme das Unternehmen von allen Banken Zinsen, sagte Finanzvorstand Othmar Belker der Nachrichtenagentur Reuters. „Was wir erleben, ist, dass die Banken die Beträge, die wir bei ihnen kurzfristig parken, deckeln.“ Deshalb verteile Norma das Geld auf mehrere Institute. „Ich könnte mir aber vorstellen, dass wir in absehbarer Zeit Null-Zinsen bekommen“, sagte er. Auf weniger lasse sich Norma nicht ein. „Bei Null ist Schluss, weil wir Alternativen haben.“ Dann kämen Termingelder oder Unternehmensanleihen als Park-Positionen in Frage.

Die Baumarktkette Hornbach hatte schon im Oktober davon berichtet, dass einzelne Banken Negativzinsen verlangten – aber nicht von ihr. „Jede Geschäftsbank sollte sich überlegen, ob sie den Schritt geht, Strafzinsen auf Einlagen zu verlangen“, sagte Lutz Goebel, Präsident des Verbandes „Die Familienunternehmer“. „Eine gesunde Bank wird davon sicherlich Abstand nehmen.“

„Jetzt zeigen sich die Nebenwirkungen der aktuellen Geldpolitik in Europa“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Martin Wansleben. „Statt Investitionen zu fördern, führt der negative Einlagenzins der EZB nun zu weiteren Belastungen für die Wirtschaft.“ Norma-Finanzchef Belker sieht in den Negativzinsen der EZB ebenfalls ein untaugliches Mittel, um die Kreditvergabe zu fördern: „Als Unternehmen mache ich meine Investitionsentscheidungen nicht abhängig von Basispunkten.“

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