Keine Förder-Kürzung: Ölpreise brechen nach Opec-Konferenz ein

Der Streit unter den Staaten des Öl-Kartells drückt den Ölpreis weiter nach unten. Die Opec hat entschieden, die Förderquoten nicht zu drosseln. Das sind gute Nachrichten für die USA und schlechte für Russland.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic
Die Opec wird die Fördermenge nicht drosseln, der Ölpreis sackt weiter ab. (Grafik: <a href="http://www.ariva.de/oelpreis-brent_crude-kurs/chart?boerse_id=33&amp;t=week" target="_blank">ariva.de</a>)

Die Opec wird die Fördermenge nicht drosseln, der Ölpreis sackt weiter ab. (Grafik: ariva.de)

Die Opec hat bei ihrem Treffen am Donnerstag gegen eine Reduzierung der Fördermenge entschieden. Das bestätigte der saudi-arabische Ölminister Ali Al-Naimi am Nachmittag nach der fünfstündigen Sitzung in Wien. Sein kuwaitischer Amtskollege Ali Saleh Al-Omair signalisierte, dass die Produktion gleich bleiben soll. „Keine Änderung“, sagte er. Der Ölpreis sank nach dem Bekanntwerden des Beschlusses auf ein neues Vier-Jahres-Tief.

Die Rohölpreise waren schon zuvor auf den tiefsten Stand seit mehr als vier Jahren. Auf der Tagung zeigte sich das Ölkartell tief gespalten. Dabei standen sich die Fronten der Befürworter von Förderkürzungen und die Gegner gegenüber.

Auf Seite des Ölstaates stehen laut dem saudi-arabischen Ölminister al-Naimi auch Kuwait, die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar. Andere große Ölförderländer, wie Iran oder Venezuela, wollen dagegen am Förderhebel drehen.

Der saudische Ölminister Ali Al-Naimi hatte schon vor dem Treffen erklärt: «Niemand sollte kürzen, und der Markt wird sich von selbst stabilisieren.» Zum Auftakt der Tagung pflichtete Kuwaits Ölminister Ali Saleh Al-Omair ihm bei, das derzeitige Überangebot am Markt stamme nicht nur von Opec-Ländern. «Selbst wenn Opec leicht kürzt, würde das nicht dazu beitragen, das Überangebot am Markt zu verringern.»

Der venezuelanische Außenminister Rafael Ramirez signalisierte hingegen Zustimmung zu einer Produktionskürzung, um die Preise zu stabilisieren. «Wir brauchen einen Preis der für jeden gut ist», sagte er. Der liege bei rund 100 US-Dollar pro Barrel.

Davon sind die Ölpreise derzeit weit entfernt. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Januar kostete am Donnerstag zeitweise 75,95 Dollar. Das ist der tiefste Stand seit September 2010.

Seit dem Sommer sind die Ölpreise um rund 30 Prozent abgerutscht – trotz der Krisen im Nahen Osten und des Ukraine-Russlands-Konflikts. Als Folge sind auch die Kraftstoffpreise so niedrig wie seit langem nicht mehr. Der Preis für Heizöl lag erstmals seit mehr als vier Jahren unter der Marke von 70 Euro für 100 Liter. Das Internet-Portal des Messtechnik-Herstellers Tecson ermittelte einen bundesweiten Durchschnittspreis von 69,20 Euro.

Die Opec steht für etwa ein Drittel der Opec-Produktion, die wiederum ein Drittel der weltweiten Ölproduktion ausmacht. Je niedriger der Ölpreis, desto geringer sind die Einnahmen der zwölf Mitgliedsländer. Die globale Nachfrage nach dem «Schmiermittel der Weltwirtschaft» lahmt angesichts der flauen Konjunktur.

Zudem haben die USA als weltgrößter Energieverbraucher ihre Ölproduktion deutlich ausgeweitet. Es gab dort einen regelrechten Schieferölboom, der am am Ölmarkt ein Überangebot und damit die sinkenden Preise auslöste. Saudi-Arabien hat daraufhin sogar Anfang November US-Kunden überraschend einen Sonderrabatt gewährt.

Wie schwer der Preisverfall die Ölförderer trifft, zeigt auch Russland. «90 Milliarden bis 100 Milliarden Dollar verlieren wir, weil der Ölpreis um 30 Prozent gefallen ist», hatte kürzlich Russlands Finanzminister Anton Siluanow erklärt.

*** Bestellen Sie den täglichen Newsletter der Deutschen Wirtschafts Nachrichten: Die wichtigsten aktuellen News und die exklusiven Stories bereits am frühen Morgen. Verschaffen Sie sich einen Informations-Vorsprung. Anmeldung zum Gratis-Newsletter hier. ***


media-fastclick media-fastclick