Ukraine: US-Investment-Bankerin ist neue Finanzministerin

Die amerikanische Investment-Bankerin Natalia Jaresko bekam im Eilverfahren die ukrainische Staatsbürgerschaft, damit sie Finanzministerin von „Jaz“ Jazenjuk werden kann. Sie ist CEO bei einem staatlichen amerikanischen Finanzinvestor. Vor ihrer Tätigkeit in der Finanzbranche war sie Angestellte beim US-Außenministerium. Auch der neue Wirtschaftsminister - ein blitzeingebürgerter Litauer - ist Investment-Banker. Die Oligarchen in der Ukraine dürften sich die Augen reiben.

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Im Eilverfahren hat die krisengeschüttelte Ukraine drei Ausländer eingebürgert und zu Ministern ernannt. Die interessanteste Besetzung ist die Ernennung der US-Amerikanerin Natalia Jaresko zur Finanzministerin. Jaresko ist als Investmentbankerin CEO beim Finanzinvestor Horizon Capital und gleichzeitig CEO beim vom US-Staat finanzierten Private Equity Fonds WNISEF, wo sie bereits für Investments in der Ukraine und in Moldawien zuständig ist. Sie hat nach Angaben auf ihrer Website selbst Transaktionen durchgeführt. Vor ihrem Einstieg ins Banking arbeitete Jaresko für das amerikanische Außenministerium. Sie war unter anderem Leiterin der Wirtschaftsabteilung der US-Botschaft in Kiew. Die Harvard-Absolventin für Politische Wissenschaften diente bereits unter Präsident Viktor Juschtschenko: Sie war Mitglied des für Auslandsinvestitionen zuständigen Beirats des Präsidenten, der damals mit Julia Timoschenko an die Macht kam. Auch Timoschenkos Partei ist Teil der neuen Koalitionsregierung in Kiew.

Doch als gute Bankerin ist Jaresko für alle Entwicklungen offen: Ihre Investment-Bank ist einer der Förderer des Stiftung „Open Ukraine“ von Premier Arseni „Jaz“ Jazenjuk. Diese Stiftung wird unter anderem von der Bankenlobby Chatham House, der Nato, dem German Marshall Fund und dem US-Außenministerium finanziert. Die Stiftung sorgt sich um die richtige Verteilung des Wohlstands in der Ukraine. 

Jazenjuk war von den Amerikanern als Übergangspremier nach dem Sturz Janukowitsch eingesetzt worden. Die Osteuropa-Beauftragte der Obama-Regierung, Victoria Nuland, sagte auf einem von den Russen abgehörten Telefonat: „Jaz is our man!“ Sein Einstieg in die Politik war Teil eines Masterplans, dem sogar der sehr besonnene österreichische Diplomat und ehemalige Kosovo-Beauftragte Wolfgang Petritsch neulich im TV-Sender ATV „putschähnliche Züge“ bescheinigte.

Es ist unschwer zu erraten, welche Politik die neue Jazenjuk-Regierung verfolgen wird: Die Schulden-Krise des faktisch insolventen Staates soll vermutlich durch zahlreiche Verkäufe an ausländische Investoren gelöst werden. Dies ist ein klassisches Modell der Enteignung der Völker, welches greift, wenn korrupte und unfähige Regierungen ihr Land an den Abgrund gesteuert haben. Die Finanz-Industrie hat in Europa bereits mehrfach Einzug in die Politik gehalten: Etwa mit den Goldman Sachs-Bankern Mario Monti in Italien und Lucas Papademos in Griechenland. Auch für die EZB, die mittlerweile die wichtigste politische Institution in der EU ist, wird Jaresko eine kompetente Ansprechpartnerin: Der Chef der EZB, Mario Draghi, wird als ehemaliger Goldman-Banker „Reformen“ zur Voraussetzung für neue Kredite für die Ukraine machen. Solche Reformen führen in der Regel zu groß angelegten Privatisierungswellen, deren Ziel nicht immer in erster Linie das Wohl des jeweiligen Volkes ist.

Auch der Litauer Aivaras Abromavicius kommt als neuer Wirtschafts- und Handelsminister aus der Zunft der Investment-Banker: Er kommt vom skandinavischen Private Equity Unternehmen East Capital, welches auf der Website die Ernennung bereits stolz verkündet. Anders als sein deutscher Kollege Sigmar Gabriel wird Abromavicius mit Freihandelsabkommen keine Probleme haben: Der Banker wirkt in einem Board für Schiedsgerichte mit, das sich um den Investorenschutz in Russland kümmert. In einem Interview (am Anfang des Artikels) kann man gut erkennen, wie genau Abromavicius Ost-Europa bereits studiert hat. Originell: Trotz aller Zahlenakrobatik hat Abromavicius im Jahr 2012 den Verfall des Ölpreises in keiner Weise antizipiert.

Neben Jaresko und Abromavicius ist der dritte Ausländer schon fast eine kleine Nummer: Der Georgier Alexander Kwitaschwili übernimmt das Gesundheits-Ressort.

Poroschenko bezeichnete die Ernennungen sehr treffend als „unorthodoxe Entscheidungen“, die angesichts „der Notwendigkeit radikaler Reformen und der Bekämpfung der Korruption“ notwendig seien. Im Hinblick auf das Unorthodoxe kann man Poroschenko nicht widersprechen: Bisher waren solche Aktionen nur im Fußball üblich. Doch das Zeitalter der Plünderung der Welt bringt es wohl mit sich, dass auch die Politiker-Rollen künftig von gut dotierten Legionären aus aller Welt gespielt werden.

Unmittelbar nachdem wir von den DWN auf die Website von Horizon Capital verlinkt hatten, war die Website offline - angeblich aus technischen Gründen. Wir dokumentieren mit einem Screenshot den Lebenslauf der neuen ukrainischen Finanzministerin.

Unmittelbar nachdem wir von den DWN auf die Website von Horizon Capital verlinkt hatten, war die Website offline – angeblich aus technischen Gründen. Wir dokumentieren mit einem Screenshot den Lebenslauf der neuen ukrainischen Finanzministerin.

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