Schaden für Russland: Ölpreis stürzt weiter dramatisch ab

Der Absturz des Ölpreises geht ungebremst weiter. Die Ursache liegt in der schlechten, globalen Wirtschaftslage. Immer mehr Beobachter wagen nun jedoch auch die Einschätzung, dass der Öl-Preis auf Drängen der USA niedrig gehalten wird, um Russland zu schaden.

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Der Verfall der Ölpreise nimmt immer dramatischer Züge an: Am Montag stürzten an den Terminmärkten die Notierungen für Nordseeöl der Sorte Brent zur Lieferung im Januar um bis zu 4,6 Prozent auf 65,93 Dollar je Barrel (159 Liter) ab. US-Leichtöl der Sorte WTI kostete mit 63,16 Dollar ebenfalls gut vier Prozent weniger als am Freitagabend. Beide Ölsorten sind nun so günstig wie zuletzt im Oktober und Juli 2009. „Alles deutet darauf hin, dass im ersten Halbjahr das Überangebot von Öl massiv sein wird“, erklärte ein Börsianer.

Die Analysten von Morgan Stanley hatten ihre Prognose für den durchschnittlichen Brent-Preis für 2015 und 2016 drastisch auf nur noch 70 und 88 Dollar von zuvor 98 und 102 Dollar gesenkt. Ohne eine Intervention der Opec könnten die Märkte aus den Fugen geraten. Das Überangebot dürfte im zweiten Quartal 2015 einen Höchststand erreichen. In der Spitze könnte der Preis bis auf 43 Dollar je Fass sinken.

Das Öl-Kartell mit Saudi-Arabien an der Spitze hatte im November beschlossen, den Preis nicht – wie häufig in der Vergangenheit – durch Fördersenkungen zu stützen.

Um das Überangebot zu reduzieren, sind nun nach Einschätzung der Commerzbank die Nicht-Opec-Länder gefragt, wie ein Experte der Nachrichtenagentur Reuters sagte: „Der Schlüssel hierfür liegt in der Schieferölproduktion in den USA.“ Diese Einschätzung des Experten von der staatlichen Commerzbank scheint allerdings von Wunschdenken getragen zu sein: Fracking-Aktien sind in den vergangenen Wochen abgestürzt. Die Förderung von Fracking ist nur mit massiven Subventionen aufrechtzuerhalten.

Seit Juni hat sich der Preis für Nordseeöl um über 40 Prozent verringert. Neben der Überproduktion – vor allem in Nordamerika – machen Börsianer die schwache Konjunktur in Europa und China verantwortlich. Viele Beobachter vermuten aber auch politische Gründe hinter der Preisentwicklung, berichtet nun auch die Nachrichtenagentur Reuters. Erst vor wenigen Tagen hatte ein Wiener Öl-Analyst im ORF gesagt, dass nicht auszuschließen sei, dass es entsprechende Absprachen zwischen den USA und Saudi-Arabien geben könnte. Denn einer der größten Verlierer des Preisverfalls ist Russland, das rund 40 Prozent seiner staatlichen Einnahmen aus dem Öl-Export bezieht. Entsprechend gaben die Aktienkurse in Moskau weiter nach. Auch der Rubel setzte seine Talfahrt fort und verlor mehr als zwei Prozent.

Doch auch andere Szenarien sind denkbar: Das Wall Street Journal berichtete erst kürzlich von einer Terror-Attacke von IS-Kämpfern, deren Ziel es gewesen sei, die Erdöl-Region von Al Ahsa im Osten des Königreichs zu stören. Ein solcher Zwischenfall könnte dazu führen, dass die Preise wieder steigen. Der Finanzblog Zerohedge spricht von einem Black-Swan-Event in der Öl-Industrie und zitiert dazu dies Einschätzung von Jake Greenberg von der Bank of America.

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