UN will Energie aus Öl und Kohle bis 2050 komplett abschaffen

Im kommenden Jahr soll ein neues Klima-Abkommen unterzeichnet werden. Öl und Kohle sollen dann ab 2050 nicht mehr als Energiequelle genutzt werden. Experten halten dies aber für nahezu unmöglich. Deshalb werden auch Abgaben der reicheren Länder an ärmere Länder, die vom Klimawandel am stärksten betroffen sein werden, diskutiert.

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Inhalt des diesjährigen Klimagipfels in Lima waren erneut der Klimawandel und die Reduzierung der CO2-Emissionen. Im Zentrum stand das so genannte Pariser-Abkommen. 48 Länder wollen das neue Abkommen im kommenden Jahr unterzeichnen. Doch die Maßnahmen, die die UN im neuen globalen Klimapakt fordert, stellen die Regierungen und die Industrie vor massive Herausforderungen.

Bis zum Jahr 2050 sollen nach Möglichkeit alle Unternehmen, die Öl, Gas und Kohle zur Energiegewinnung nutzen, abgeschafft werden. Nur so könnte die Erwärmung bei maximal zwei Grad und weniger gehalten werden. Alternativ könnte auch versucht werden, die Nutzung fossiler Brennstoffe weiter zu ermöglichen, aber nur, wenn die einzelnen Länder eine Netto-Null-Emission bis 2050 vorweisen können. Dafür müsste sichergestellt werden, dass die durch die Energiegewinnung produzierten CO2-Emissionen nicht in die Atmosphäre gelangen oder durch andere Maßnahmen wieder aus der Atmosphäre gefiltert werden.

Energieunternehmen wie Shell und Exxon Mobile jedoch lehnen die hohen Ziele ab. Ihnen zufolge sei die Nachfrage nach Energie so groß und würde so stark steigen, dass die Erneuerbaren Energien in den kommenden Jahrzehnten noch immer nicht den Bedarf decken könnten. Selbst wenn die erneuerbaren Energie deutlich billiger würden und weltweit zum Einsatz kämen, könnten sie den Klimawandel nicht mehr aufhalten, sagen auch die beiden Forscher Ross Koningstein und David Fork. Wirtschafts-Analysten sehen die neuen Klimaziele ähnlich skeptisch. „Es ist verständlich, dass die Länder diese Ziele vorschlagen, aber nur allein deswegen werden sie nicht erreichbarer“, sagt Jonathan Grant von PwC der FT. Kein Land habe jemals konsequent seine Kohlenstoffbelastung so stark heruntergefahren, wie es notwendig wäre, um in einem so kurzen Zeitraum die Klimaziele zu erreichen. Vor allem nicht, wenn Gelder für den Klimaschutz an falscher Stelle eingesetzt werden. So nutzt Polen beispielsweise drei Milliarden Euro von der EU, die es aus der Versteigerung der CO2-Zertifikate bekommt, für die Kohle-Produktion und die Sanierung des Haushalts statt damit den landeseigenen Energie-Mix zu diversifizieren.

Es gibt jedoch noch weitere Vorschläge für das mögliche Pariser-Abkommen. So wurde vorgeschlagen, Ölexporte aus Entwicklungsländern in reiche Länder zu besteuern. Und die reichen Länder müssten die Menschen, die am schlimmsten von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen sein werden, entschädigen. Ähnlich auch eine andere Idee: Demnach sollen die reichen Länder ab 2020 ein Prozent ihres BIP abgeben, um den armen Menschen, die von der globalen Erwärmung betroffen sind, finanziell zu helfen. Entwicklungsminister Gerd Müller  warnte letztlich vor bis zu 200 Millionen Klimaflüchtlingen, mit denen die sieben Industriestaaten rechnen müssten, weil sich beispielsweise in Afrika Dürrezonen ausbreiten und Hitzeperioden ungeahnten Ausmaßes entstehen. „Das wird die große Schlacht von Paris werden“, so Liz Gallagher von dem Think Tank E3G. Auch sie hält eine vollständige Beseitigung der Emissionen für unmöglich. Denn dafür müsste beispielsweise auch das Fliegen abgeschafft werden.


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