Draghis virtuelles Geld hilft nicht einmal dem Banknoten-Drucker Giesecke & Devrient

Die Notenbanken drucken Geld wie verrückt, doch es kommt nicht in der Realwirtschaft an - nicht einmal beim großen Banknoten-Drucker Giesecke & Devrient. Das Münchener Unternehmen will nun 1.000 Mitarbeiter entlassen, um der Krise zu entkommen.

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Der Banknoten-Drucker Giesecke & Devrient will mit einem groß angelegten Stellenabbau den Preiskampf der Branche durchstehen. Der Münchener Familienkonzern kündigte am Donnerstag an, weltweit acht Prozent der knapp 12.000 Arbeitsplätze zu streichen, darunter 15 Prozent der mehr als 4000 Jobs in Deutschland. Mit dem Wegfall von insgesamt 950 Stellen und der Aufgabe der Geldscheindruckerei am Firmensitz in München will Giesecke & Devrient binnen zwei Jahren mindestens 100 Millionen Euro sparen. Im Wettbewerb mit mehreren subventionierten Staatsdruckereien in der Euro-Zone leistet sich G&D bisher noch für seine Banknotenproduktion in der Münchner Prinzregentenstraße eine der teuersten Adressen in Deutschland.

„Wir müssen unsere Kosten kurzfristig und nachhaltig senken, um unsere führenden Positionen im Markt zu behaupten und dadurch langfristig Arbeitsplätze zu erhalten“, erklärte Konzernchef Walter Schlebusch. Investitionen in neue Entwicklungen sollten unverändert fortgesetzt werden. Im vergangenen Jahr hatte G&D bei stagnierenden Erlösen einen Gewinneinbruch um 90 Prozent auf 2,6 Millionen Euro verbucht. Im laufenden Jahr erwarte das Unternehmen, dass Überschuss und Betriebsergebnis (Ebit) stagnieren, sagte eine Sprecherin. Damit gab G&D das Ziel auf, das Betriebsergebnis von 56 auf 95 Millionen Euro zu steigern.

Der börsennotierte britische Konkurrent De La Rue hat seine Anleger zuletzt mit einer Serie von Gewinnwarnungen schockiert. Zu den Großen der Branche zählt auch Oberthur in Frankreich.

Die zweite große Sparte von G&D, die Chips für Reisepässe, Handy-SIM-Karten und Zahlungskarten herstellt, konkurriert mit dem niederländischen Technologiekonzern Gemalto.

G&D leide unter einer nicht wettbewerbsgerechten Vergabe der Druckaufträge für Euro-Scheine, erklärte das Münchner Unternehmen. Der Konzern will Banknoten in Deutschland künftig nur noch am Gründungsstandort in Leipzig herstellen. Die Produktion entsprechender Sicherheitssysteme werde aus München ins oberbayerische Gmund am Tegernsee verlagert, wo G&D bereits in der Papierfabrik Louisenthal Banknotenpapier sowie Sicherheitsfäden und Folien für Geldscheine fertigt. Obwohl auch Verwaltungs- und Serviceaufgaben in München wegfallen, solle die Stadt der größte Standort des Konzerns bleiben.

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