Mehdorn-Rücktritt bei BER: Aufsichtsrat nennt Kontrolle „enorm schwierig“

Hartmut Mehdorn gibt beim Skandal-Flughafen BER-Schönefeld auf und tritt zurück. Dadurch könnte das Projekt für den Steuerzahler weiter aus den Fugen geraten. Die Politik sichert sich bereits ab: Die ständige Unruhe mache eine Kontrolle des Projekts sehr schwer, beklagte der CDU-Aufsichtsratsvorsitzende Frank Henkel.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic

Der Chef der Berliner Flughafengesellschaft, Hartmut Mehdorn, hat seinen Rücktritt angekündigt. Er werde sein Amt spätestens zum 30. Juni 2015 niederlegen, teilte die Flughafengesellschaft am Montag mit.

Der Rücktritt dürfte die Folge auf die Politik sein, die seit einiger Zeit gezielt an der Demontage Mehdorns arbeitet: Bereits seit einiger Zeit suchen Headhunter nach einem Nachfolger. Mehdorn wird in der Mitteilung mit den Worten zitiert, dass trotz der Fortschritte beim geplanten Großflughafen BER „Spekulationen zu meiner Person angestellt wurden, die das für mich vertretbare Maß überstiegen„. Die beledigten Worte des Managers sind allerdings nur die Fassade: Tatsächlich ist der Zeitpunkt für den Absprung jetzt günstig. Mehdorn hatte eben erst verkündet, dass der BER im Jahr 2017 eröffnet werde. Dieses Datum sicherzustellen obliegt nun mehr seinem Nachfolger. Mehdorn kann in Zukunft behaupten, dass mit ihm alles plangemäß gelungen wäre.

Mehdorn hatte vor allem in der Politik viele Feinde. Diese nutzten auch jeden Fehler des ehemaligen Chefs der Deutschen Bahn. So war zuletzt bekanntgeworden, dass Mehdorn Berater in Millionen-Höhe beschäftigte.

Das größte Problem dürfte nun darin bestehen, dass jedes neue Management sich erst in die hyperkomplexe Materie einarbeiten muss: Denn der Flughafen ist nur eine gigantisches Projekt. Er wurde in mehreren Pfusch-Phasen errichtet, so dass es selbst für Experten kaum möglich ist, durchzublicken. Außerdem musste Mehdorn den Chefplaner wegen Korruption feuern. Dadurch ging viel Insider-Wissen verloren.

Der rbb meldet, dass sich die Politik dementsprechend bereits auf eine Rückzugs-Position begeben habe:

Berlins Innensenator Frank Henkel reagierte mit Unverständnis auf die Nachricht. Am vergangenen Freitag seien sich noch alle einig gewesen, dass es um den Baufortschritt gehen soll, nicht um persönliche Belange, erklärte Henkel, der auch Aufsichtsratsmitglied der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg ist. Mit dem Rücktritt werde neue Unruhe in das Projekt eingebracht. „Diese ständige Unruhe macht eine wirksame Kontrolle im Aufsichtsrat enorm schwierig. Darüber wird zu reden sein.“ Henkel will sich deshalb in den kommenden Tagen mit Berlins Regierenden Bürgermeister Müller zusammensetzen, um über „einen personellen Neuanfang im Aufsichtsrat sprechen“.

In der Regel führen solch chaotische Projekte dazu, dass die Steuerzahler für die Planungs- und Managementfehler noch mehr bezahlen müssen.

Ein politische Verantwortung für das Milliarden-Desaster beim BER ist nicht vorgesehen: Erst dieser Tage verabschiedete sich der langjährige Aufsichtsratsvorsitzende und Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit in den wohlverdienten Ruhestand.

*** Bestellen Sie den täglichen Newsletter der Deutschen Wirtschafts Nachrichten: Die wichtigsten aktuellen News und die exklusiven Stories bereits am frühen Morgen. Verschaffen Sie sich einen Informations-Vorsprung. Anmeldung zum Gratis-Newsletter hier. ***


media-fastclick media-fastclick